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	<title>Lesereise zu den Schafsinseln im Atlantik</title>
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	<description>Auszüge aus der fachlichen und schönen Literatur von den Färöer</description>
	<lastBuildDate>Tue, 19 May 2026 07:00:51 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Island und die Färöer &#8211; Inhaltsverzeichnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[* Inhaltsübersichten umf. Werke]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Eine verschwundene Größe Ankunft in Thorshavn Bootfahrt nach Hvidenäs – Drei katholische Insulaner Die Hauptstadt der Färöer Die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<ul>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-1/">Eine verschwundene Größe</a></li>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-2/">Ankunft in Thorshavn</a></li>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-3/">Bootfahrt nach Hvidenäs – Drei katholische Insulaner</a></li>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-4/">Die Hauptstadt der Färöer</a></li>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-5/">Die Gruppirung der Faröer, Bevölkerung, Berge, Dörfer und Pfarreien</a></li>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-6/">Die Handelsstation Klacksvik</a></li>
<li><a href="https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-7-schluss/">Die Fahrt zwischen Kalsö und Kunö</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 7/Schluss)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-7-schluss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 06:54:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Die Fahrt zwischen Kalsö und Kunö Die weitere]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0159</a>]</em></p>
<p><strong>Die Fahrt zwischen Kalsö und Kunö</strong></p>
<p>Die weitere Fahrt durch die enge Straße zwischen den Inseln Kalsö und Kunö dauerte, da die Maschine nur mit halber Kraft arbeitete, etwa vier Stunden, von 3 bis 7 Uhr. Bei so schönem Wetter war sie ein wahrer Genuß. Stets thaten sich rechts und links neue Scenen auf, wilde Thäler, Vorgebirge, Buchten, gewaltige Felsenburgen, stille Weidegründe, kleine Dörfchen, phantastische Bergzacken und darüber drohendes Gewölle. Die schönste Sicht bot aber unstreitig der Ausgang selbst, als nach und nach die ganze nördliche Inselgruppe zu Tage trat, mit ihren steil absteigenden Uferklippen, den zahllosen Buchten, Einschnitten und Kanälen, ihren Alpen und Bergen, besonders dem schneebedeckten Slattaratindur. Was auf der Weltkarte sich nur wie ein paar kleine Punkte ausnimmt, das war hier eine großartige Berglandschaft, die in der ganzen Länge des südlichen Horizonts erst in mattem Farbenwechsel, dann wie ein dunkles Wolkenschloß aus dem Gold und Purpur des Abendhimmels aufragte, während der Ocean nach West und Nord sich unermeßlich aufthat.</p>
<p>Anmerkung: Da die Isländer, die Färinger und die Dänen fast jeden der Namen anders schreiben, in Dänemark selbst keine einheitliche Orthographie herrscht, so ist es hier unmöglich, alle diese kleinen Namensverschiedenheiten zu berücksichtigen. So heißt z. B. die Insel Vidö (dänische Schreibart) auf einer von einem Färinger entworfenen Karte Vidoyj, auf der trefflichen Seekarte des Capitän Born (von 1806), nach welcher unser Schiff fuhr, Wideröe; früher hieß sie wahrscheinlich Viöey (altnordische Schreibart), was „Weideninsel&#8220; (englisch withy) oder „Nebeninsel&#8220; (vom isländischen við) bedeuten kann. Viö gibt das Kärtchen des Färingers P. A. Holm an. „Nolsö&#8220; und „Naalsö&#8220; sind verschieden dänische Schreibarten.</p>
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		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 6)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-6/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 05:21:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Die Handelsstation Klacksvik Die zahlreichen Buchten, Straßen, Vorgebirge]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159]</em></p>
<p><strong>Die Handelsstation Klacksvik</strong></p>
<p>Die zahlreichen Buchten, Straßen, Vorgebirge und Einschnitte gewähren dem Vorüberfahrenden zwar stets ähnliche Bilder mit derselben Färbung, aber doch einen steten Wechsel der Zeichnung. In der Station Klacksvik war das offene Meer dem Blicke völlig entzogen. Man glaubte in einem ruhigen Landsee zu sein, der seine Arme in ein wildes Gebirge hinein ästen ließ. Am Ende der Bucht, wo zwei Bergausläufer sich zu einer Landenge vereinigten, stand eine kleine Holzkirche, frisch mit weißer Farbe getüncht. Am Strande erhoben sich einige größere Factoreien, dann, übereinander den Hügel hinan, etliche 30 Häuser und Hütten, alle mit Gras bedeckt.<br />
Auffällig war eine Wohnung, die zwischen schlichten Bretterhäusern sich wie ein artiges Schweizerhäuschen ausnahm, unten mit weißgetünchter Mauer, oben mit braunen Bretterwänden, darüber ein stumpfes Grasdach.<br />
Die Ankunft eines Schiffes ist für die einsamen Insulaner, welche sich den nöthigen Verkehr zwischen den Inseln schon oft genug durch Sturm und Wogen erkämpfen müffen, immer ein Ereigniß. Eine Menge Männer, Burschen, Knaben und Kinder drängte sich an den Strand; auch neugierige Weiber kamen aus den Häusern hervor, um sich die Passagiere anzusehen. Die Männer, sämmtlich in der schon beschriebenen Tracht, sahen bärtig und ziemlich wild drein. Nur mit Fischfang, Vogelfang und Schafzucht beschäftigt, in stetem hartem Ringen mit Wetter und Meer, haben sie ein beschwerliches, mühseliges Leben. Jedes Jahr kommen viele bei ihren unvermeidlichen See- und Felsabenteuern um; dafür erreichen die anderen durchschnittlich ein schönes Alter. Man findet viele Leute über die 60 und 70 hinaus, nach der alten Erfahrung, daß Strapazen die Gesundheit weniger aufreiben, als Wohlleben und Luxus. Daß das Trinken eine der Hauptsünden der Färinger ist, davon bekamen wir gleich beim Landen ein Pröbchen. Einer der Männer, die an der Landungsbrücke standen, war so benebelt, daß er Brücke und Luft nicht mehr unterschied, sondern jäh zwischen ein paar Nachen herabtaumelte. Unter großem Humor der Umstehenden ward er von anderen Fischern, die ihn gehörig schimpften, aus seinem ernüchternden Bade herausgezogen und ans Land geschafft.</p>
<p>Graf Wolfegg hatte seine Jagdflinte mitgenommen, hatte aber nur Patronenhülsen, kein Pulver. Wir suchten also einen Laden auf und wurden in eine große Butike gewiesen, wo, wie in guter alter Zeit, Lebensmittel, Kleider, Holz, Eisenwaaren — einfach alles zu haben war. Wie am Strande, gafften uns die Leute mit sehr brummigen Gesichtern an. Dagegen nahm uns der Sysselman (Kreispräsident), den wir um Jagderlaubniß fragen wollten, sehr wohlwollend auf und bot uns sogar Cigarren an, was zum Patronenstopfen nicht eben sehr paßte. Die ganze Inselgruppe ist in sechs Syssel getheilt, hat also sechs solcher „Sysselmänd&#8220;, welche unter Leitung des „Amtmanns&#8220; sowohl die laufenden Regierungsgeschäfte als auch das Richteramt verwalten. Der Sysselman wohnte bescheiden, aber nicht ohne die gewöhnliche europäische Ausstattung von Haus und Ziinmer. Er erwähnte mit viel Liebe und Hochachtung des katholischen Missionärs, Herrn Bauer, der früher in Thorshavn gewohnt hatte.<br />
Die Jagderlaubniß nützte indes nicht viel. Die Seeschwalben, Seepapageien und Austernfischer hielten sich vor dem kleinen Hinterlader in ehrfurchtsvoller Entfernung und waren, wenn sie auch neckend in die Nähe kamen, in rascher Wendung wieder entflohen. Mich freute es vor allem, wieder auf festem Boden spazieren zu können. Wir gingen zu der kleinen Kirche, an der nichts Merkwürdiges zu sehen war — eine gut geschnittene, gut genagelte und sauber angestrichene Bretterbude mit etlichen Fenstern rechts und links und einem kleinen Thürmchen auf dem Giebel über der Thüre. Rund herum lagen ein paar armselige Wohnungen. Die Aussicht aber war schön, sowohl nach dem kleinen Fjord hin, durch den wir von Norden her gekommen waren, als auch nach einem zweiten, der sich südlich aufthut.<br />
Am Strande lagen Schädel und Gerippe von Grindwalen herum.<br />
Als wir zurückgingen, folgten uns zwei Färinger dicht auf den Fersen, horchten uns zu und beobachteten uns mit nicht eben freundlichen Geberden. Wir wandten uns endlich um und fragten, was sie wollten. Da fragten sie uns, ob wir Dänen seien. „Nei, vi ere Tydskere.&#8220; Darauf waren sie zufrieden, schüttelten uns gemüthlich die Hände und schlugen einen andern Pfad ein. Es war offenbar bloße Neugier gewesen. Wir klommen den steilen Hammer hinan, um eine weitere Aussicht zu erlangen. Hinter einem der obersten Häuschen fanden wir ein ganz kleines Grundstück mit einer Hecke von Walfischköpfen umzäunt. Es waren deren sicher mehrere hundert; ein sonderbarer Anblick, aber ganz charakteristisch, da der Grindfang hier eine große Rolle spielt. Auf den mageren Wiesen weidete einiges Vieh, oben Schafe.<br />
Das Panorama, das sich von der Höhe darbot, hatte eine gewisse melancholische Großartigkeit. In zwei großen, seeartigen Buchten drängte sich der Ocean in die Insel Bordö hinein, deren Bergrücken und Bergspitzen in monotoner Perspective sich coulissenartig hintereinander aufzackten. Nach Norden verlor sich der eine Fjord in größeren Doppelarmen zwischen den Felscoulissen — über den höheren lagerten weiße, dichte Wolkenknäuel, bloß auf die Gelegenheit wartend, Sonne, Meer und Fels in trüben Nebelschleier einzuhüllen. Alles war einsam und todt. Nur die stets feuchten Bergwiesen an den Abhängen grünten freundlich, und aus ihren Grasbüscheln schauten traulich die Blüten des gewöhnlichen Fettkrautes (Pinguicula vulgaris) und einer Art Wiesenraute (Thalictrum alpinum) hervor. Ehe wir den Grat völlig erreichen konnten, in dessen Nähe meine Freunde ein paar schöne Stücke Chalcedon fanden, sandte uns der dicke Kapitän West seine Polizeiordre in Form eines schrillen Pfiffs an die Felsen hinauf, und wir beeilten uns, seinem Machtgebot zu entsprechen.</p>
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		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 5)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-5/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2026 08:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Die Gruppirung der Faröer, Bevölkerung, Berge, Dörfer und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0159</a>]</em></p>
<p><strong>Die Gruppirung der Faröer, Bevölkerung, Berge, Dörfer und Pfarreien</strong></p>
<p>Die ganze Inselgruppe, einen Flächenraum von 1333 qkm umfassend (also etwa so groß, wie einer der mittleren Schweizerkantone, Aargau oder Luzern), zählt 17 größere und etliche kleinere Inseln, und zerfällt in drei kleinere Gruppen. Die südliche bildet heute nur mehr die längliche Insel Suderö. Die mittlere besteht aus der größern Insel Sandö und den kleineren Store Dimon, Lille Dimon, Koltir und Hestur (letztere beiden Namen bedeuten „das Füllen&#8220; und „das Pferd&#8220;). Die eigentliche Hauptgruppe liegt im Norden und bildet eine Art von zusammenhängendem Gebirge, dessen Spitzen und Bergrücken durch neun Meeresarme in die Inseln Mygenäs, Vaagö, Strömö, Oesterö, Kalsö, Kunö, Bordö, Vidö, Svinö und Friglö getrennt sind, während die Südspitze von Strömö entlang die schmale Insel Naalsö gleichsam eine Fortsetzung zu Oesterö bildet.<br />
Wie die Hauptbergzüge der Insel, laufen auch die neun Kanäle, wenn auch nicht ganz gleich, von Südost nach Nordwest, ungefähr nach Island hin.<br />
Die Flut vom Atlantischen Meere her bringt in diesen Meerstraßen eine regelmäßige Strömung und Gegenströmung hervor, „Bald&#8220; genannt, welche die Einwohner genau kennen und zu ihren Fahrten, besonders zum Fischfang benützen. Der eine Strom von West nach Ost dauert 6 Stunden 12 Minuten. Doch mehrt der Strom bei Sturm und Unwetter bedeutend die Fährlichkeit, und das Zusammentreffen des Stromes mit anderen kleineren Meeresströmungen erfordert bei den Inselfahrten viel Geschick, Kenntniß und Erfahrung. Durch Sturm, Wirbelwind und Nebel wird die Verbindung zwischen den einzelnen, weiter auseinander liegenden Inseln oft wochenlang unterbrochen, namentlich im Winter.<br />
Sonst ist der Winter milde, so daß man die Schafe fast immer im Freien weiden läßt, oft auch die Pferde. Dagegen ist der Sommer kurz und feucht. Man rechnet im Jahre etwa 267 Regentage, also kaum 100 schöne, freundliche Tage.<br />
Wir hatten das Glück, einen dieser guten Tage zu treffen. Im vollen Sonnenschein war das Meer herrlich blau. Während wir an den Inseln Strömö und Oesterö vorüberfuhren, kochte und arbeitete es unaufhörlich in den gewaltigen Wolkenmassen, die wie ein zweites Gebirge über dem Felskern der Inseln lasteten. Oben von der Sonne erhellt, warfen die weißen und leichtgrauen Wolkenballen tiefe, phantastische Schatten auf die röthlichen Felsterrassen, welche sich einsam und trotzig aus dem milchweißen Saum der Brandung erhoben. Zwischen Thorshavn und der großentheils nur von Vögeln bewohnten Insel Naalsö befanden wir uns erst in einem seeartigen Sunde. Zwischen den pyramidenförmigen Vorgebirgen der Inseln Strömö und Oesterö that sich links allgemach der schmale Kollafjördjur auf, der aber rasch in einem Felsenlabyrinth sich zu verlieren schien, rechts das hohe Meer in freudigem Sonnenglanz. Es war ein höchst malerischer Gegensatz: das düstere Felsenschloß, das sich langsam aus seiner grauen Nebelhülle hervorkämpfte, und das weite, offene Meer, das, anscheinend in den schmalen Felsenstraßen gefangen, sich gigantisch nach dem fernen Horizont erweiterte, um von Nord und Süd das ganze Bergschloß zu umringen. Dort die nordischen Götter in Wolken auf ihrem Felsensaal, hier der unermeßliche Kampfplatz der Vikinger und ihrer stolzen Schiffe.<br />
Eine zweite Meerstraße führte uns zwischen die Inseln Oesterö und Bordö hinein. Unmittelbar vor uns schien die Südspitze von Kalsö, eine kahle Felspyramide, den Weiterweg zu versperren. Aber Zacharias ließ sich nicht beirren. Er verordnete dem Steuermann eine tüchtige Wendung nach Osten. Bald war uns die Aussicht nach dem offenen Meere ganz entschwunden und wir dampften in eine öde Bucht der Insel Bordö hinein. Weit und breit kein Haus, kein Stall, kein Baum; nur Felsen und Gestrüpp, Meer und Wolken — eine großartige Einsamkeit. Im Innern der Bucht indessen that sich ein gemüthlicher, kleiner Handelsplatz auf, und der Danebrog grüßte uns von mehreren Schiffen und Häusern.</p>
<p>Die Bevölkerung der Färöer ist seit dem vorigen Jahrhundert beständig im Steigen. Sie betrug:<br />
1769 . . . 4.775,<br />
1801 . . . 5.265,<br />
1834 . . . 6.928,<br />
1860 . . . 8.922,<br />
1870 . . . 9.992,<br />
1880 . . . 11.221.</p>
<p>Auf 1 qkm Landes kommen nur 8 Menschen. Da es den Inseln gänzlich an Wald und Bäumen fehlt, die Vegetation auch sonst dürftig ist, so tritt die Felsgestalt der Inseln fast überall in ihrer nackten Ursprünglichkeit zu Tage. Vielfach zerklüftet, steigen die röthlichen Trapplager meist jäh zu einer Durchschnittshöhe von etwa 300 m auf. Bald ragen sie als ziemlich regelmäßige Kegel oder Pyramiden ins Meer hinaus; bald bilden sie eine langgestreckte Mauer, die in scharfen Absätzen nach dem Meere abfällt; bald umschließen sie kesselförmige Thalmulden, in deren geschütztem Grunde einzelne Wohnungen, oder mehrere Höfe, oder wenigstens kleinere Weidegründe sich zeigen. Immer aber bauen sich die Felsen in terrassenförmigen Absätzen auf, in welchen Trapp, besonders Trapp-Porphyr, mit weicheren Trappsandsteinlagern wechselt. Dieser verwittert leicht, und wenn das geschieht, stürzen die oberen Massen herunter und bilden die sogen. Urdar — kleine Bergstürze. Die Terrassen werden Hamrar (d. h. Hämmer) genannt, die schrägen Abhänge Fjall pl. Fjöll, die Bergspitzen Tindar. Der höchste Punkt auf Oesterö, der Slattaratindur, erreicht 882 m, der höchste auf Strömö, der Skjalings-Fjeld, 763 m. Da sich indes die Vorgebirge zu 300 m und darüber erheben, so hat man in den nördlichen Inseln immer eine gewaltige Felsenburg vor sich, nach unten von mattem Grün belebt, nach oben meist kahl und öde. Doch stechen die röthlichen Felsentöne schön von dem Grün der kümmerlichen Weiden ab und von dem tiefblauen Meere. Bis hinauf in die schroffsten Felsregionen klettern Schafe ihrem kümmerlichen Futter nach. Die älteren Ansiedlungen sind keine eigentlichen Dörfer, sondern nach altem Normannenbrauch nur Gruppen näherstehender Höfe, in deren Mitte gewöhnlich eine Kirche errichtet ist. Im ganzen sind auf den Inseln 41 solcher Kirchspiele, aber nur 7 Pastorate. Beim Ausfahren von Thorshavn begegnete uns ein Nachen, auf dem eben ein Pastor nach einer entlegeneren Kirche fuhr, um dort folgenden Tages Gottesdienst zu halten. Die neueren Handelsplätze entwickeln sich mehr nach Art eigentlicher Dörfer, indem die Häuser näher beisammen stehen und schöner und wohnlicher gebaut sind.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 4)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-4/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 12:04:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Die Hauptstadt der Färöer 23. Juni. Als wir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0159</a>]</em></p>
<p><strong>Die Hauptstadt der Färöer</strong></p>
<p>23. Juni.<br />
Als wir auf das Schiff zurückkehrten, war es bedeutend lebendiger darauf, als am Morgen. Kaufleute, Lastträger, Bootsleute waren noch mit Ein- und Ausladen beschäftigt. Manche Leute vom Strand waren da, um bei einem Gläschen Aquavit das Neueste aus Dänemark zu vernehmen. Die Bucht war durch viele Kähne belebt. Der Himmel hatte sich etwas aufgeheitert, und helle Lichtstreifen glitzerten über das dunkle Meer dahin. Nur über den Inselbergen lastete noch schweres Gewölke und ballte sich in weißen Cumuli hoch in den Himmel hinauf.<br />
Auch bei dieser günstigem Beleuchtung sah Thorshavn nicht viel beffer aus, als ein ärmliches Alpendorf aus einer öden Berggegend, wo die Wiesenzone aufhört und der kahle Fels beginnt. Während man aber in den Alpen unter solchen Felsregionen gewöhnlich Wald, Wiesen und freundlichere Landschaft trifft, fängt hier unmittelbar daran das unfruchtbare Meer an und peitscht mit seinen Wogen das einförmige Gestade. Das Städtchen liegt an einer ziemlich weiten Bucht, welche durch eine hügelige Landzunge in zwei Theile geschieden ist. Der kleinere nach Norden beherbergt eine Menge von Kähnen, Fischerbarken und geringeren Fahrzeugen, während der größere — südlich — sich zur offenen Rhede entwickelt. Gegen die gewaltigen Stürme im Winter bietet weder die äußere Bucht noch der innere Hafen mit seinen natürlichen Felsenmauern genügenden Schutz. Mit Thränen in den Augen erzählte uns Frau Hansen, wie der Sturm ihnen während des vorigen Winters eines ihrer besten Handelsschiffe in dem innern Hafen vor ihren Augen zertrümmerte. Ja, die Häuser unten am Strand sind selbst kaum vor der Wuth des Sturmes sicher. Von ihm gepeitscht, dringen die Wogen hoch über die Klippen des Gestades herein und überschütten das Grasdach mit ihrem schäumenden Gischt. Es muß ein schrecklicher Winter sein. Der Tag dauert kaum etliche Stunden; dann stürmt und wettert es noch wochenlang, und wenn der Sturm ausgetobt hat, lagern sich trübe Nebel bis herab an die Küste und hüllen oft auch diese in ihren grauen Mantel ein. Die feuchte Luft durchdringt alles, und kaum im Innern der Häuser kann man sich gegen die frostige Nässe schirmen.<br />
Das Vorgebirge, das die zwei Buchten trennt, ist ganz mit Häuschen und Hütten überkrustet, zwischen denen enge, winkelige Gäßchen nur kleinen Zwischenraum lassen. Keines dieser Gäßchen ist eben; schon das nächste Haus steht wieder etwas höher oder tiefer auf dem knorrigen Felsengrund, der, noch von keinem Ingenieur oder Mineur in seiner phantastischen Willkür gestört, sich möglichst unregelmäßig zum Hügel erhebt. Unten roh, mit Felsstücken und Rasen verbarrikadirt, auf den Dächern mit Gras und Moos bewachsen, sehen diese kleinen Häuschen mit ihren winzigen, spärlichen Luken und Fenstern fast wie Nester aus, die, aus dem Felsen hervorgewachsen, sich am liebsten ganz darin verbergen möchten, um gegen das Ungemach des Meeres und der Atmosphäre Schutz bieten zu können. Nur die besseren sind mit getheerten, zum Theil auch weiß angestrichenen Brettern bekleidet, die man weit aus Norwegen, Schottland oder Dänemark kommen lassen muß, weil auf der ganzen Inselgruppe kein Wald ist und die spärlichen einzelnen Bäume sich nur kümmerlich entwickeln.<br />
Ueber diesem Gewimmel von armen Hütten und Häuschen, das sich vom Strand der beiden Buchten die Hügel hinan entwickelt, erhebt sich ungefähr in der Mitte, wie ein Wesen aus einer andern Culturwelt, eine Kirche und ein Kirchthurm, weiß, mit goldenem Gockel darauf, in höchst einfachem Stil, kaum größer als die Kirche eines kleinen Bergdorfes. Rechts davon, etwas höher, hat sich der Staat in einem stattlichen Steingebäude seine Wohnung errichtet. Es ist der einzige Bau, der einigermaßen an eine Stadt erinnert. Da haust Sr. Dänischen Majestät Diener und Stellvertreter, der Amtmann (amtsmaðr), der, zugleich Commandant, mit dem Landvogt und Sorenskriver zusammen das Colonialregiment in den Färöern führt. Die geistliche Obrigkeit, der Pastor, wohnt nach dem südlichen Ende der Ortschaft hin, in einem für diese Gegend netten, geräumigen Hofe. Unfern davon deutet ein Thürmchen eine zweite Kirche an, mit einem kleinen Bauernhaus daneben. Hier hatte sich einst ein deutscher Missionär niedergelassen und eine katholische Mission gegründet, aber nach mehreren Jahren entbehrungsreicher Thätigkeit sich genöthigt gesehen, dieselbe wieder aufzugeben. Wo wir hinkamen, fanden wir ihn noch in bestem Andenken. Er war als gebildeter, wissenschaftlicher, wohlthätiger und allseitig tüchtiger Mann überall wohl gelitten. Wenn er nur kein Priester gewesen wäre! Aber vom Katholischwerden wollten die Färinger, ein paar arme, gute Leute abgerechnet, nichts wissen. Das war ihnen zu verwickelt. Der Lutheranismus war einfacher und stellte geringere Anforderungen. Halbe Naturmenschen und zähe am Alten haftend, bewiesen sich die armen Fischer und Schiffer dem Missionär gegenüber so widerhaarig, wie nur ausgelernte Positivisten und Darwinisten. Auf katholische Ansiedler von anderswoher war keine Aussicht, und so wurde denn der Missionsversuch vorläufig aufgegeben, d. h. auf bessere Zeiten verschoben.<br />
Am andern Ende von Thorshavn, nördlich, erhebt sich auf einem felsigen Hügelvorsprung ein kleines Fort, dessen Kanönchen jedoch einem ordentlichen Panzerschiffe wohl nicht lange Trotz bieten könnten. Auf hohem Flaggenstab wehte der Danebrog, die dänische Flagge, weißes Kreuz auf rothem Grunde, die einzige Erscheinung, welche, auf unserem Schiffe und am Strande in noch einigen Exemplaren sich wiederholend, etwas Farbe in das sonst todte, graublaue, dunkle Seebild brachte. Es fröhlich zu gestalten, vermochte selbst die liebe Sonne nicht. Denn baumlos und trostlos stiegen hinter dem Städtchen in mehreren Wellenlinien, ohne scharf markirte Zacken, die Hügel der Insel Strömö empor, bis sie oben in phantastischen Wolkengestalten verschwanden, und je kräftiger die Sonne leuchtete, desto schärfer stach der todte Fels von seinem dünnen Mooskleide und dem niedrigen Heidekraut ab, das den Färingern als Buschwerk gilt. Doch haben die Färöer immerhin noch eine reichere Vegetation, als der Fernblick von der Rhede aus gewahren läßt. Zwischen den Hecken, welche sich an den Hügeln hinziehen, ist mancher kleine Garten und manches Stückchen Feld mit schwerer Mühe dem magern Boden abgewonnen, und da und dort mildert eine Wiese die eintönige Felslandschaft. Fels und Meer behalten aber entschieden die Oberhand. Zwischen Fischen und Seevögeln wohnend, theilt der Mensch einigermaßen das unstäte Loos dieser Geschöpfe; bald mit dem Ungemach der See, bald mit dem Widerstand der rauhen Felsen ringend, härtet er sich im Kampfe mit beiden ab, begnügt sich mit wenigem und freut sich königlich, wenn es um sein ärmliches Gehöft herum recht stark nach Fischen duftet. Denn Fische sind seine Hauptnahrung, Fische der hauptsächliche Handelsartikel, Fische sein Hauptstudium. Mit Fischen werden die Wiesen gedüngt, und selbst die Hausthiere, Katze und Hund, Schwein und Kuh, bekommen mit von den Fischen.</p>
<p>Es wurde halb Zehn, bis der „Romny&#8220; seine Handelsgeschäfte bereinigt hatte und endlich abfahren konnte. Zu meiner Erheiterung kam der Lootse Zacharias wieder und übernahm, anstatt des Kapitäns, die Leitung des Schiffes. Er war indes ein gemüthlicher Regent und konnte, wie der große Gajus Julius Cäsar, mehreres zugleich treiben: er rauchte sein Pfeifchen, nahm sein Prieschen, plauderte mit Kapitän und Passagieren und hielt dabei beständig auf den Curs Acht, commandirte dem Steuermann bald mit Gesticulationen, bald mit abgerissenem Zuruf, und führte uns sichern Blickes an den Gestaden der Inseln Strömö und Oesterö entlang in die Meerstraße hinein, welche letztere Insel von Bordö trennt. Lootsenführung ist in diesen engen Straßen der Inselgruppe unerläßlich, sowohl wegen des häufigen und dichten Nebels, der sich oft ganz unerwartet von den Bergen herabsenkt, als wegen der verschiedenen Strömungen und Klippen, die sie unsicher machen, und wegen der oft plötzlich einbrechenden Stürme, welche fast jedes Jahr Unglücksfälle anzurichten pflegen. Für Barken und Kähne ist der Verkehr zwischen den einzelnen Inseln vielfach von bestimmten Strömen bedingt und wird zu anderer Zeit oder bei Gegenstrom und Sturm geradezu gefahrvoll. Der wettergebräunte Zacharias hatte manchen solchen Sturm mitgemacht; zufrieden mit Wind und Wetter, schaute er jetzt so behaglich aufs Meer hinaus, als ob es ihm gehörte. Zwischen den prosaischen Figuren der Reisegesellschaft sah er so originell drein, daß ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, ihn in mein Notizbuch zu skizziren. Die Skizze ging von Hand zu Hand und kam zuletzt auch an ihn. Er guckte mich zuerst ganz verwundert an: „Soll ich das sein? Ist das Ernst oder Spaß?&#8220; Im ganzen gefiel es ihm aber, abconterfeit zu sein, und er schüttelte mir treuherzig die Hand. Weit mehr freute es mich aber an dem wackern Seebären, daß er beim Abschied von meinem Reisegefährten ein Crucifix, das dieser ihm schenkte, mit dem Ausdruck der herzlichsten Freude und Dankbarkeit entgegennahm. Wie ein Kind, das ein Geschenk erhalten, kam er auch zu Graf Wolfegg und mir, um uns die Hand zu drücken und zu danken. Im rauhen Kampfe mit den Elementen so oft ernster Lebensgefahr ausgesetzt, freute sich der schlichte, brave Mann, etwas zu haben, das ihn an den Erlöser und an Gottes Beistand erinnerte. Es ist viel Gutherzigkeit und vielleicht auch noch viel Glauben bei diesen einfachen Menschen.</p>
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		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 3)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 09:49:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Bootfahrt nach Hvidenäs &#8211; Drei katholische Insulaner Also]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0159</a>]</em></p>
<p><strong>Bootfahrt nach Hvidenäs &#8211; Drei katholische Insulaner</strong></p>
<p>Also gleich wieder ins Boot. Zwei Burschen von etwa 20 Jahren und ein Mann von etwa 30 ruderten uns mit einer Kraft und Gewandtheit, wie sie nur solche Insulaner besitzen, zum Hafen hinaus und hart längs der brandenden Küste eine Stunde weit nördlich nach Hvidenäs. In dem kleinen Nachen nimmt sich das Meer viel großartiger aus, als vom Dampfer. Eine einzige Woge spielt mit dem winzigen Ding wie mit einer Nußschale. In einiger Entfernnng vom Strand schäumte weißer Gischt an kleineren und größeren Klippen auf und bezeichnete mit seinem Tosen auch verborgene Riffe, während der Küste entlang dasselbe Schauspiel sich in allen erdenklichen Variationen wiederholte.<br />
Auf diesen von Wind und Wellen gepeitschten Inseln, die einst ganz katholisch waren, wohnten unter 11.000 Menschen verlassen und einsam drei arme Katholiken, ein Schmied und ein Fischer mit seiner Frau. Paul Jensen, der Fischer, war einst ein so fanatischer Lutheraner, daß er, als er von einem katholischen Missionsversuch hörte, laut drohte, den ersten katholischen Priester niederzumachen, der ihm begegnete. Als indes ein schweres Augenleiden ihn nöthigte, gerade bei dem katholischen Priester Hilfe zu suchen, da zerrann seine Wuth, und die treue Liebe des Missionärs brachte ihn auf ganz andere Gedanken. Er, seine Frau und Jakob der Schmied überzeugten sich von der Wahrheit des katholischen Glaubens und traten mit heldenmütiger Hinopferung aller irdischen Interessen zur einen Kirche Christi zurück. Ein wahrer Sturm, eine Art Christenverfolgung brach gegen sie los. Eine Zeit lang waren sie kaum ihres Lebens sicher, und als die ärgste Aufregung der Protestanten verraucht war, sahen sie sich von allen ihren Landsleuten excommunicirt. Die Frau des Schmiedes Jakob und seine zwölf Kinder verließen ihren Gatten und Vater; der bereits bejahrte Mann sah sich von da an genöthigt, selbst zu kochen und alle Hausgeschäfte zu besorgen. Auch von Paul und seiner Frau zogen sich Freunde und Angehörige grollend zurück. Alle drei hielten indes muthig aus und blieben der Kirche auch dann noch treu, als die Mission aufgegeben, Missionshaus und Kirche verkauft, der Missionär abberufen wurde und künftig höchstens einmal im Jahr ein katholischer Priester hinkommen konnte, ihnen die heiligen Sacramente zu spenden.<br />
Es rührte mich tief, als Gesandter der katholischen Kirche zu diesen armen Verlassenen gehen zu dürfen, um ihnen in ihrer Armuth einen Festtag zu bereiten. Es rührte mich nicht weniger, bei diesem Besuche zwei Sprößlinge hoher und vornehmer Geschlechter in jene armen Hütten zu begleiten. Die katholische Kirche allein gleicht alle Verschiedenheit der Stände und Völker aus, ohne sie zu zerstören.<br />
In einer öden Felsenbucht landeten wir; unten am Strand deckten ein paar Strohhütten die langen Fischerkähne. Da hingen auch Rochen, Klippfische und andere Fische zum Trocknen aus. An den Hügeln herum klebten etwa zwölf arme Hütten, ärmer als die ärmsten, die man in den Alpen sieht. Zu einer derselben führte uns unser Bootsmann. Da wohnte Paul; er war krank und lag zu Bette. Seine Frau wies uns aus dem Mittelraum, der zugleich Küche und Stube vorstellte, in ein kleines Stübchen, das der frühere Missionär nothdürftig tapeziert und zum Kapellchen eingerichtet hatte. Während P. von Geyr die ihm schon bekannten Leute begrüßte und dann Beicht hörte, bereiteten Graf Wolfegg und ich alles zur heiligen Messe vor. In keinem Dome und in keiner noch so andächtigen Kapelle habe ich das heilige Opfer je mit solcher innigen Rührung dargebracht, wie in diesem armen Stübchen, das an die Verlassenheit von Bethlehem erinnerte. Der alte Jakob und die Frau Pauls communicirten am Altäre; dem kranken Paul mußte ich die heilige Communion an sein Schmerzenslager bringen. Es sollte für ihn die letzte sein. Alle empfingen die heilige Speise mit der herzlichsten Andacht, und die Protestanten, die sich außer den Bootsleuten noch eingefunden hatten, wohnten dem Gottesdienste mit ernster Ehrerbietung bei. Während wir uns nach vollendeter Messe sofort wieder zur Abreise rüsteten, hielt P. von Geyr im Mittelraum der Hütte noch eine kleine dänische Predigt; dann stellte er uns den guten Leuten vor, die uns die Hände gar nicht mehr loslassen wollten und uns in unerschöpflichen Ausdrücken ihrer Herzensfreude dankten. „Das war ein Festtag!&#8220; sagte der alte Jakob; „o wenn Sie nur bei uns bleiben könnten. Wann kommt wieder ein Priester, der bei uns bleibt?&#8220;<br />
Es that uns ordentlich weh, von den guten Leuten so rasch wieder Abschied nehmen zu müssen. Unser Auftrag war indes erfüllt, und wir mußten eilen, um rechtzeitig wieder auf dem Dampfer zu sein.</p>
<figure id="attachment_1248" aria-describedby="caption-attachment-1248" style="width: 498px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class=" wp-image-1248" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-2-203x300.png" alt="" width="498" height="736" srcset="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-2-203x300.png 203w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-2-768x1133.png 768w" sizes="(max-width: 498px) 100vw, 498px" /><figcaption id="caption-attachment-1248" class="wp-caption-text">Färinger in seiner Barke</figcaption></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 2)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 09:47:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Ankunft in Thorshavn 23. Juni. Wie die alten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0159</a>]</em></p>
<p><strong>Ankunft in Thorshavn</strong></p>
<p>23. Juni.<br />
Wie die alten Mönche hatten wir diesmal eine kurze Nacht. Um 11 Uhr zu Bett, um 3 Uhr schon wieder auf. Man warf die Anker ziemlich weit vom Strand der Insel Strömö, und ein paar schrille Signale verkündeten dem einsamen Städtchen Thorshavn unsere Ankunft. Wir kleideten uns rasch an und rüsteten den Koffer, der unsere Paramente enthielt. Denn es kam alles darauf an, heute noch den wenigen Katholiken auf den Färöern die heiligen Sacramente spenden zu können. Sonst blieb nichts übrig, als bis zum nächsten Schiff, d. h. etwa 14 Tage, auf diesen traurigen Felsinseln zu verweilen. Im Dämmerlicht eines trüben Morgens, ohne Bäume und Busch, aus knorrigen Felsmassen geballt, wie man sie künstlich an den Weihnachtskrippen nachmacht, sah die Küste von Strömö schrecklich öde aus, die gegenüberliegende, nur spärlich bewohnte Insel Naalsö noch trauriger. Die meisten Dächer von Thorshavn sind mit Gras überwachsen, und die Ortschaft sieht deshalb mehr einem Alpendorf als einem Städtchen gleich. Nur die Kirche, das Haus des Amtmanns, einige andere Häuser und der Flaggenstock einer kleinen Befestigung geben dem Ganzen etwas Ansehen.<br />
Auf das Schiffssignal kam ein Nachen heran mit drei Färingern, einem Alten und zwei jungen Burschen. Der Alte, Zacharias mit Namen, war ein Seebär von echtem Schrot und Korn. Er dient seit langen Jahren als Lootse und Postgehilfe. Mit seinem wettergebräunten Gesicht, den scharfen Zügen, dem dunklen Haar und Vollbart konnte er wohl einen Vikinger vorstellen, die beiden Burschen aber das Romantische der Saga übernehmen. Alle drei trugen kurze, graubraune Jacken, Kniehosen derselben Farbe, Wollstrümpfe ebenso, sandalenartige Schuhe von Schafleder. Die Charakteristik aber gab die Färingerkappe, eine spitze hohe Mütze von blau und roth gestreiftem Wollzeug, nach Art einer Freiheitsmütze vorn umgebogen. Sie steht ganz keck, republikanisch.</p>
<p>Zacharias kannte den P. von Geyr schon und schüttelte deshalb ihm und uns gleich treuherzig die Hände, sorgte für unsern Koffer und ruderte uns mit seinen munteren Gesellen ans Land. Es waren prächtige Burschen, schlank, gut gewachsen, urkräftig, ohne Schuletikette und Culturfirniß; doch hatten sie im Gesicht etwas Pfiffig-Verschmitztes, was mir nicht recht gefallen wollte. Sie ruderten uns in der feierlichen Morgenstille in den kleinen Hafen hinein, dessen dunkles Felsgestein arg von den Wogen zerpeitscht, zerklüftet und abgeplättet war. An einem Vorsprung ward gehalten. Er heißt Thingnäs — Dingnase. Da wurden in alten Zeiten die Volksversammlungen gehalten. Jetzt lag alles voll ausgeweideter Dorsche — Köpfe und Eingeweide ohne viel Umstände daneben und drum herum. Ein kleiner Pfad führte uns an die Bretterhäuser einer ansehnlichen Factorei. Sie gehört einem Hamburger Kaufmann, Namens Hansen, der den P. von Geyr schon zweimal gastlich beherbergt hatte. Es war etwas früh, Besuch zu machen, noch keine fünf Uhr. Allein Noth bricht Eisen, und mit der Etikette nimmt man&#8217;s im Norden nicht so genau. Frau Hansen hatte uns pochen gehört und kam selbst im Morgenanzug, uns die Thüre aufzumachen, uns einen Kahn mit Ruderern nach Hvidenäs zu bestellen und uns selbst als liebevolle Martha ein Frühstück zu bereiten. Da P. von Geyr sich unwohl fühlte, verzichtete ich auf das Frühstück, um die heilige Messe zu lesen. Zeit war nicht viel übrig; denn nach Hvidenäs war es zu Wasser wenigstens eine Stunde und der Kapitän hatte unsern Termin auf neun Uhr gestellt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_1243" aria-describedby="caption-attachment-1243" style="width: 802px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class=" wp-image-1243" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-3-300x186.png" alt="" width="802" height="497" srcset="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-3-300x186.png 300w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-3-768x477.png 768w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-3-1536x954.png 1536w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-3.png 1676w" sizes="(max-width: 802px) 100vw, 802px" /><figcaption id="caption-attachment-1243" class="wp-caption-text">Torshavn</figcaption></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Island und die Färöer (Teil 1)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/island-und-die-faeroeer-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 08:55:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[baum1889]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexander Baumgartner Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159] Eine verschwundene Größe 22. Juni. Zum erstenmal in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alexander Baumgartner</p>
<p><em>Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0159</a>]</em></p>
<p><strong>Eine verschwundene Größe</strong></p>
<p>22. Juni.<br />
Zum erstenmal in meinem Leben hatte ich die volle Einsamkeit des Atlantischen Meeres vor mir. Sie ist wirklich grandios, wenn die Phantasie dabei auch etwas mitspielt. Die See war ruhig, das Wetter prächtig. Eine Zeit lang war eine dänische Brigg in Sicht; am Nachmittag kamen drei Walfische ziemlich nahe und kündigten sich durch die Spritzbrunnen an, die sie aus ihren Spritzlöchern über den tiefblauen Ocean emporsandten. Indem ich die Kajüte mied, befand ich mich erträglich wohl und fing an, mich mit Vater Ocean auszusöhnen. Gegen Abend überzog sich indes der Himmel, das Meer ward sehr unruhig und schien mir sich zu einem Sturme vorbereiten zu wollen.<br />
Als wir etwa um 10 Uhr abends uns den Färöern näherten, stellte sich heraus, daß der Kapitän zu weit westlich hatte steuern lasten. Es mußte etwas gedreht und ein anderer Kurs eingeschlagen werden. Das bot den Vortheil, daß wir die erste Vorburg der Inselgruppe ziemlich lange im Auge behielten. Es ist das der Mönch („Munken&#8220;), ein einsames, gewaltiges Felsenriff, das dunkel aus haushoher Brandung emporstarrt, von kleineren Riffen wie mit Trümmern eines Walles umgeben, so daß weit herum milchweißer Schaum aus den dunkeln Wogen aufzischt. Ein Mahlstrom von Westen nach Osten hält die zürnende Flut in beständiger Bewegung. Im Dunkel der hereinbrechenden Dämmerung sah das prachtvoll aus, wie eine Scene aus dem gewaltigsten Meeressturm. Es war, als müßte das wettergepeitschte Riff dem Andrang erliegen — einsam, schutzlos, der ganzen Wuth des Atlantischen Oceans und aller seiner Stürme preisgegeben; aber ruhig schüttelte es jede neue Woge ab. Es wird sonst auch „Sumbö Steinar&#8220; oder „Sunnböar Steinur&#8220; genannt, und ist unter diesem Namen auf den Karten verzeichnet. Heute ist jedoch nichts mehr davon zu sehen. Es ist seither dem Meere geglückt, den Felsen vollständig zu unterwühlen und für immer in den Wogen zu begraben.</p>
<figure id="attachment_1240" aria-describedby="caption-attachment-1240" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-1240" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-1-300x195.png" alt="" width="740" height="481" srcset="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-1-300x195.png 300w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-1-768x500.png 768w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-1-1536x1001.png 1536w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/baum1889-1.png 1676w" sizes="auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px" /><figcaption id="caption-attachment-1240" class="wp-caption-text">Der &#8222;Mönch&#8220;</figcaption></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Ueber die Anneliden an den Küsten der Faer-Oeer</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/ueber-die-anneliden-an-den-kuesten-der-faer-oeer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 08:25:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Rudolf von Willemoes-Suhm Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 1873 (23), Seite 346-349; 547 [FAB-3382] Den dänischen Naturforschern ist es eine schon]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rudolf von Willemoes-Suhm</p>
<p><em>Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 1873 (23), Seite 346-349; 547 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-3382</a>]</em></p>
<p>Den dänischen Naturforschern ist es eine schon lange bekannte Thatsache, dass die felsigen Küsten Islands und der Faer-Oeer weit ärmer an niederen Thieren sind als z. B. diejenigen Grönlands oder Dänemarks. Dies erfuhr auch ich, als ich im September 1872 in Torshavn auf Strömö angekommen, meine Schleppnetzuntersuchungen begann und unter den eingesammelten Thieren den Anneliden meine besondere Aufmerksamkeit widmete. Es wurde mir ferner bald klar, dass ich, selbst aus einer Tiefe von 60 Faden, eigentlich immer nur solche Arten erhielt, welche im Oeresund z. B. in ca. 6—10 Faden Tiefe vorkommen. Es wunderte mich nämlich zuerst sehr, niemals eine Ophelia, einen Chaelopterus, Sipunculus oder irgend ein Mitglied derjenigen Fauna zu erhalten, welche im Oeresund die grössten Tiefen (10—18 Faden) bewohnt und die, wie ich schliessen muss, auch hier die grössten vorhandenen Tiefen aufsucht, wo die Beschaffenheit des Grundes dieselbe ist wie diejenige ihrer Wohnplätze im Sunde. Ich habe nämlich niemals auf Schlammgrund geschleppnetzt, immer auf Sand-, Stein -, Muschel- oder Korallengrund und ich glaube, dass dies die Ursache ist, warum die folgende Liste so lückenhaft ausfiel. Ich glaube also, dass bis zu einem gewissen Grade die Beschaffenheit des Bodens dasjenige Moment ist, welches die Thiere veranlasst sich an einer bestimmten Stelle niederzulassen, aber durchaus nicht die Tiefe, so z. B. dass man gewisse Thiere, die an unsern Küsten schon bei 14 Faden (in der Kieler Bucht z. B.) anzutreffen sind, weil dort Schlammgrund ist, bei den Faer-Oeern (und vielleicht auch bei Island) erst in einer Tiefe von 60—100 Faden antreffen wird. Ich will selbstverständlich nicht damit behaupten, dass ich alle diese Thiere für befähigt halte eigentliche Tiefseethiere (300 Faden und darüber) zu werden, wenn nur der Grund ihnen behagt, wohl aber, dass es gewisse Arten giebt, die an unsern Küsien in verhältnissmässig seichtem Wasser leben, welche man an denen anderer Länder, wenn auch das Thier daselbst vorkommt, erst da an treffen wird, wo die betreffenden Grundverhältnisse es gestatten, sei auch der Unterschied 50—80 Faden gross.</p>
<p>Da bei Malmgreen’s Liste der nordischen Anneliden (Annulala polychaeta Spitsbergiae, Islandiae, Grönlandiae et Skandinaviae. 1867) die Faer-Oeer nur selten berücksichtigt sind, wird das Folgende als ein kleiner Beitrag zur Thiergeographie immerhin Werth haben. Einige hier erörterte anatomische Verhältnisse werden, denke ich, ebenfalls dem Leser von Interesse sein. Die an den Faer-Oeer beobachteten polichaeten Anneliden sind folgende:</p>
<p>1. Aphrodite aculeata L. Einmal nach einem heftigen Sturm aus Osten im Hafen von Torshavn, wohin sie wohl nur ausnahmsweise getrieben worden war, da sie sonst erst in grösseren Tiefen vor kommen soll (30 — 40 Faden).</p>
<p>2. Lepidonotus squamatus L. Ueberall sehr gemein.</p>
<p>3. Sigalion Idunae Rathke. Zweimal bei ca. 12 Faden Tiefe im Naalsöfjord. Die höchst merkwürdigen Borsten an den Tentakularcirren benutzt diese Species (wie auch Leanira tetragona) wohl in der Art wie Pectinaria auricoma ihre goldigen Grabborsten. In die Mundöffnung führt eine stark flimmernde Rinne, gebildet von den Kolben der Tentakularcirren, dem mittleren Tentakel und einem abgerundeten als Unterlippe fungirenden Organ, das gerade unter dem mittleren Tentakel liegt. Das Thier scheint sehr zart und vergänglich zu sein, denn beide Exemplare, welche ich erhielt, waren todt und beschädigt.</p>
<p>4. Phyllodoce maculata Müll. Hafen von Torshavn.</p>
<p>5. Ph. badia Mgrn. Hafen von Torshavn.</p>
<p>6. Eulalia viridis Müll. Aus dem Hafen von Torshavn und dem Naalsöfjord (50 Faden T.)</p>
<p>7. Autolytus fallax Mgrn. Hafen von Torshavn.</p>
<p>8. Eusyllis monilicornis Mgrn. Naalsöfjord. In die Mundhöhle münden 2 Speicheldrüsen. Auf den ausstülpbaren Schlund folgt ein breiter kurzer Vormagen, der erst in den gelblich grünen Magendarm führt.</p>
<p>9. Syllis armillaris Müll. Naalsöfjord, 50 Faden Tiefe.</p>
<p>10. S. fasciata Mgr. Hafen von Torshavn und Naalsöfjord (15 Faden Tiefe).</p>
<p>11. Nerei spelagica L. Häufig im Hafen von Torshavn etc.</p>
<p>12. Nereis zonata Mgrn. Naalsöfjord.</p>
<p>13. Glycera alba Rathke. Ein Exemplar im Kongshavn in geringer Liefe. Da ich das Thier lebend untersuchte, bemerkte ich hier ein sehr interessantes Tastorgan, wie es meines Wissens bei Anneliden noch nicht beobachtet worden ist. Am Grunde des sehr langen Kopfrüssels (bei einem ca. 50 Mm. langen Exemplar 1 Mm. lang) bemerkte ich nämlich neben der Mundöffnung jederseits zwei kleine ein und aus stülpbare Tentakeln, die ganz wie die Fühlhörner einer Schnecke fungiren (Fig. 1 xx). Die Oberfläche eines solchen ausgestülpten Fühlers flimmert sehr lebhaft (Fig. 2). In Fig. 3 habe ich dasselbe im eingestülpten Zustande gezeichnet. Den bisherigen Untersuchern scheinen diese Organe entgangen zu sein, was wohl dadurch zu erklären ist, dass sie es meist mit Weingeistexemplaren zu thun gehabt haben und die betreffenden Organe dann ihrer Kleinheit wegen schwer sichtbar sein dürften.</p>
<p>14. Aricia Cuvieri Aud. et M.E.? Wegen mangelnder Literatur bin ich nicht ganz sicher ob die Bestimmung richtig ist. Ich fing drei Exemplare nach einem Sturm aus Osten in der Torshavner Bucht, in der ich sie sonst nicht fand.</p>
<p>15. Siphonostomum plumosura Müll. Im Naalsöfjord nicht häufig. Nach einem Sturm auch im Torshavner Hafen.</p>
<p>16. Spio seticornis Fabr. Sehr gemein im Hafen von Torshavn. Die Larven dieser Anneliden waren die einzigen Annelidenlarven, die im September noch im Auftrieb sich finden liessen.</p>
<p>17. Leucodore coeca Oerst. Der appendix disciformis dieser im Hafen von Torshavn ziemlich häufig vorkommenden Art erinnert einigermassen an die »Glocke« der männlichen Echinorrhynchen, kommt hier aber auch den Weibchen zu (Fig. 4). Die Längsmuskeln gehen von der Mitte strahlenförmig nach dem Rande zu und erzeugen so ein Bild, als seien sehr viele Stäbchen dem Organ eingelagert. — Die beiden stumpfen Kolben rechts und links am Kopf des Thiers, deren Oberfläche stark flimmert (Fig. 5), sind wohl als Analoga der Tentakeln bei Leucodore ciliata Johnst, aufzufassen, welche letztere, bei Kiel so gemeine Art, ich auf den Faer-Oeer nie gefunden habe.</p>
<p>18. Pectinaria granulata L. Sehr häufig. Ich habe viele Pectinarien genauer untersucht und nie eine andre als diese Art, die auch bei Island und Grönland vorkommt, gefunden.</p>
<p>19. Amphitrite Johnstoni Mgrn. Häufig im Hafen von Torshavn.</p>
<p>20. Terebella zostericola Oerst. Naalsöfjord. Das gefundene Exemplar war grösser als die in der Kieler Bucht vorkommenden.</p>
<p>21. Terebella Danielsseni Mgrn. Naalsöfjbrd.</p>
<p>22. Laphania Boeckii Mgrn. Häufig.</p>
<p>23. Amphicora Fabricia Müll. An der Klippe von Torshavn. Die einzige der von Schmidt hier studirten Anneliden (Neue Beiträge zur Naturgeschichte der Würmer, Jena 1849), welche ich wiedergefunden habe.</p>
<p>24. Serpula vermicularis L. Gemein.</p>
<p>25. Spirorbis borealis Dand. Gemein,</p>
<p><em>Rendsburg, im November 1872</em></p>
<p>Erklärung der Abbildungen. (Vergr. 100.)<br />
Fig. 1. Vordertheil der Glycera alba Rthke. A Kopfrüssel, C Höhle in demselben, B erstes Borstensegment, x Tastfühler im ausgestülpten Zustande.<br />
Fig. 2. Ein Tastfühler in grösserem Massstabe gezeichnet, ausgestülpt.<br />
Fig. 3. Derselbe eingestülpt.<br />
Fig. 4. Hintertheil von Leucodore coeca Oersl. ad appendix disciformis.<br />
Fig. o. Kopfende desselben Thiers mit Blutgefässen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1228" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/3382-196x300.png" alt="" width="598" height="915" srcset="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/3382-196x300.png 196w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/3382-768x1176.png 768w, https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/3382.png 894w" sizes="auto, (max-width: 598px) 100vw, 598px" /></p>
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		<title>Meine Reise nach den Färöern &#8211; Inhaltsverzeichnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 06:43:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[* Inhaltsübersichten umf. Werke]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Von Kopenhagen bis Leith Von Leith bis Thorshavn Ankunft in Thorshavn Besuch der Katholiken in Videnäs Das]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Albert von Geyr-Schweppenburg</em></p>
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