Island und die Färöer (Teil 7/Schluss)

Alexander Baumgartner

Nordische Fahrten, Skizzen und Studien 1889 (XIV), Seite 47-62 [FAB-0159]

Die Fahrt zwischen Kalsö und Kunö

Die weitere Fahrt durch die enge Straße zwischen den Inseln Kalsö und Kunö dauerte, da die Maschine nur mit halber Kraft arbeitete, etwa vier Stunden, von 3 bis 7 Uhr. Bei so schönem Wetter war sie ein wahrer Genuß. Stets thaten sich rechts und links neue Scenen auf, wilde Thäler, Vorgebirge, Buchten, gewaltige Felsenburgen, stille Weidegründe, kleine Dörfchen, phantastische Bergzacken und darüber drohendes Gewölle. Die schönste Sicht bot aber unstreitig der Ausgang selbst, als nach und nach die ganze nördliche Inselgruppe zu Tage trat, mit ihren steil absteigenden Uferklippen, den zahllosen Buchten, Einschnitten und Kanälen, ihren Alpen und Bergen, besonders dem schneebedeckten Slattaratindur. Was auf der Weltkarte sich nur wie ein paar kleine Punkte ausnimmt, das war hier eine großartige Berglandschaft, die in der ganzen Länge des südlichen Horizonts erst in mattem Farbenwechsel, dann wie ein dunkles Wolkenschloß aus dem Gold und Purpur des Abendhimmels aufragte, während der Ocean nach West und Nord sich unermeßlich aufthat.

Anmerkung: Da die Isländer, die Färinger und die Dänen fast jeden der Namen anders schreiben, in Dänemark selbst keine einheitliche Orthographie herrscht, so ist es hier unmöglich, alle diese kleinen Namensverschiedenheiten zu berücksichtigen. So heißt z. B. die Insel Vidö (dänische Schreibart) auf einer von einem Färinger entworfenen Karte Vidoyj, auf der trefflichen Seekarte des Capitän Born (von 1806), nach welcher unser Schiff fuhr, Wideröe; früher hieß sie wahrscheinlich Viöey (altnordische Schreibart), was „Weideninsel“ (englisch withy) oder „Nebeninsel“ (vom isländischen við) bedeuten kann. Viö gibt das Kärtchen des Färingers P. A. Holm an. „Nolsö“ und „Naalsö“ sind verschieden dänische Schreibarten.