Die Verhandlungen um die Fischereigewässer der Färöer

NZZ, 265, 26.09.1958, Seite 1 [FAB-0005]

Tel. unseres Korrespondenten
Me. Stockholm, 25. September

Die streng geheim geführten Verhandlungen, die eine dänische Delegation unter Leitung des Finanzministers Kampmann in Torshavn mit einem Sonderausschuß des für färöischen Lagtings führte, sind am Mittwochabend abgeschlossen worden. Wie in einem offiziellen Communique erklärt wird, hat sich keine der färöischen Parteien mit dem britischen Kompromißvorschlag für die Neuregelung in den färöischen Fischereigewässern einverstanden erklärt. Die Forderung auf eine Zwölfmeilengrenze für die Färber wird aufrecht erhalten. Die Mehrheit in der parlamentarischen Verhandlungskommission will sich jedoch, so wird erklärt, den Bestrebungen Dänemarks und Großbritanniens in der Frage der Revision des Fischereiabkommens von 1955, auf dem Verhandlungswege zu einem Uebereinkommen zu gelangen, nicht widersetzen.

In Anbetracht der nationalistischen Stimmung, die sich im färöischen Lagting schon bei der Diskussion über die Bestellung einer Verhandlungsdelegation zeigte, dürfte das Resultat der Besprechungen in Torshavn, das immerhin eine Fortsetzung der dänisch-britischen Gespräche zu ermöglichen scheint, in Kopenhagen wenigstens als ein halber Erfolg gewertet werden. Der Führer der Republikanischen Unahhängigkeitspartei, Patursson, der im Hinblick auf die kommenden färöischen Neuwahlen Kampmann in demagogischer Weise sogar als «einen Agenten der Briten» bezeichnete, vermochte sich zwar mit seinem Vorschlag einer sofortigen Proklamierung der Zwölfmeilengrenze durch die Färöer nicht durchzusetzen. Die Mehrheit vertrat jedoch die Meinung, daß eine auf zwölf Meilen erweiterte Grenze die Grundlage der Besprechungen zu bilden habe.

Welche Aussichten die Fühlungnahme mit den färöischen Selbstverwaltungsorganen für neue Verhandlungen in London eröffnet, läßt sich noch nicht beurteilen. Auf Wunsch Londons sind nämlich bis jetzt weder der britische Vorschlag noch die allfälligen färöischen Anregungen der Oeffentlichkeit bekanntgegeben worden. Man weiß aber, daß die Briten im wesentlichen eine Ausdehnung der geltenden Dreimeilengrenze auf sechs Meilen vorschlagen und dazu eine ebenfalls sechs Meilen breite Zone, in der der färöischen Fischerei ein gewisser Schutz gewährt würde. Nach der Ansicht der Färöer hätte aber die neue Grenze jedenfalls in einer geraden Linie von der äußersten Spitze der Küste zu verlaufen; nach dem britischen Vorschlag würde sie den Küstenlinien folgen. Außerdem war im färöischen Lagting in den letzten Tagen von gewissen Kompensationen für die Färöer in den grönländischen Fischgründen die Rede.