Johan Palmén, Ueber die Zugstrassen der Vögel, 1876, Seite 96-98 [FAB-2194]
Phalaropus fulicarius. Aeusserst selten an der südwestlichen Seite von Island laut Faber, zuweilen bei Reykiavik laut Krüper.
Tringa maritima. Laut Krüper selten im Sommer auf Island, im Winter äusserst zahlreich, Faber; Färöer, Winterzeit in grossen Flügen am Strande, im Sommer paarweise im Gebirge wo er brütet, Müller.
Tringa canutus. Ende Mai oder Aug. bis Mitte Sept, meist an der östlichen Seite Islands, Krüper. Färöer häufig, doch nur in Vor- u. Spätjahr, Müller.
Tringa arenaria. Soll laut Faber in Island bei Grimsey vorgekommen sein, welches jedoch von Krüper nicht bestätigt wird.
Anser albifrons. Kommt laut Faber in Island vor, laut Krüper nur auf dem Durchzuge nach Grönland. Färöer 1 Ex. Müller.
Anser bernicla. Findet sich während der Züge in grosser Menge in Island u. den Färöer, Krüper u. Müller.
Anser leucopsis. Soll laut Thienemann4) an den nördlichen und westlichen Küsten der Inseln in grossen Flügen beobachtet worden sein, über das Meer in der Richtung von Grönland kommend; überwintert aber nicht auf den Inseln sondern zieht unregelmässig weiter.
Somateria spectabilis. Zuweilen in den Färöer verirrt; zweimal im Sommer beobachtet, Müller.
Larus glaucus. Wird von Faber aufgenommen; Färöer, Junge häufig, nur ein ausgefärbtes Individuum, Müller.
Larus tridactylus. Auf den Färöer im Sommer und Winter sehr gemein, soll Ende Januar an’s Land kommen und dasselbe im September verlassen, Müller.
Larus eburneus. Den 12. März 1858 auf den Färöer, Müller.
Mergulus alle. Auf den Färöer blos im Winter gesehen, zu welcher Zeit er mit Südoststürmen in Menge ans Land treibt, Müller.
Diese Arten ziehen also direct zu den angegebenen Inseln oder an denselben vorüber, oder sie brüten dort, aber ziehen von da weg. Aeusserst wenige verbleiben dort das ganze Jahr.
Es kann nicht bezweifelt werden, dass sie zum grössten Theil von Grönland hier ankommen, wo die Meisten auch angetroffen werden, und dass sie sich zu den britischen Inseln begeben. Ein geringerer Theil mag wohl wie vorhin bemerkt worden, längs des Treibeisweges von Spitzbergen nach Island gelangen, aber ungewiss scheint es, ob er einen wesentlichen Bruchtheil hiervon bildet Hierin hegt die Erklärung, warum einige der Arten, obgleich sie auf den britischen Inseln, weil sie von Norwegen angekommen sind, sich vorzugsweise an der Ostküste fanden, dennoch in namhafter Menge in Irland vorkommen, beispielsweise die drei Gänsearten und Tringa canutus. So lange die vorhandenen Daten zur Ermittelung der Frage noch so mangelhaft sind, möge also nur eingeräumt werden, dass einige von den Arten von Grönland über Island und die Färöer nach den britischen Inseln ziehen, wohin sie also von zwei oder drei Richtungen längs verschiedener Wege ankommen können. Dagegen muss man es unentschieden lassen, in welchem Frequenz-Verhältniss die Wege besucht werden, wohin sie in dem britischen Gebiet vorzugsweise führen und ob die Individuen von allen Wegen mit einander völlig übereinstimmen.
Nebenbei möge hier bemerkt werden, dass man als einen Hauptgrund für die Annahme, dass die arktischen Vögel in England von Grönland gekommen seien, den Umstand hervorgehoben hat, dass eine Menge amerikanischer Vogelarten auf den britischen Inseln, besonders deren Westküste, vorgekommen sind, und zwar hier häufiger als anderweit in Europa. Man darf sich jedoch dadurch nicht irren lassen; denn die Ankunft, der letztgenannten Vögel kann von anderen Bedingungen abhängig sein, als diejenigen sind, welche die regelmässigen Züge der britischen Zugvögel bedingen. Wenn also Beweise für eine Zugstrasse von Grönland über Island angeführt werden sollen, müssen sie von den Nistvögeln dieser Insel nicht von zufälligen Funden südlicherer Irrgäste in England geholt werden.