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	<title>Lehmann 1913 &#8211; Lesereise zu den Schafsinseln im Atlantik</title>
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	<description>Auszüge aus der fachlichen und schönen Literatur von den Färöer</description>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 9 (Schluss)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 12:43:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Für die Färinger selbst war der Fang]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769]</a></em></p>
<p>Für die Färinger selbst war der Fang der Großwale nie eine wichtige Angelegenheit. Dagegen sind die im Sommer scharenweise auftretenden Grindwale (Globiceps melas, eine kleine Delphinart) Gegenstand ihrer besonderen Aufmerksamkeit. Ihr in der Tat auch feines und wohlschmeckendes Fleisch ist die beliebteste Nahrung der Färinger, und der Fang eines Schwarms ist eine erfreuliche, feierliche Begebenheit. Der Fischer oder Schiffer, der auf dem Meere einen Schwarm bemerkt, bindet sofort als Signal sein Wams in den Mast hinauf, und dieses Signal verpflanzt sich eilig unter Wahrung vorsichtiger Stille von Boot zu Boot, bis es von der Küste bemerkt und mit Feuer- und Rauchsignalen beantwortet wird. Dieses Feuersignal — ein Überbleibsel der alten „Baune&#8220; der Wikingerzeit &#8211; ruft bald alle die Fischer auf dem Lande zusammen; von Haus zu Haus &#8211; selbst in die Kirche hinein, wenn gerade Gottesdienst ist &#8211; verpflanzt sich die freudige Kunde. Alle Boote werden schnell bemannt und mit den nötigen Geräten, darunter Wurfsteinen und Speeren, versehen. Die Taktik ist nun diese: einen Halbkreis von Booten um die Wale herum zu bilden, der langsam und vorsichtig in möglichster Stille die Tiere gegen eine für den Fall ausersehene flache Bucht, hineintreiben soll. Sobald das so weit gelungen ist, daß man annehmen kann, daß die Grindwale nicht mehr umkehren wollen, erhebt man plötzlich ein Geschrei und macht mit den Rudern und Wurfsteinen möglichst viel Geräusch und Unruhe im Wasser. Die erschrockenen Tiere fliehen dann landwärts und gleiten von selbst auf den Strand hinauf, wo sie dann getötet und zerhauen werden. Der friedfertige Färing wird in diesem Momente grausam, von alter Mordlust ergriffen, von einem Instinkt aus jener Zeit, da auf dieser Jagd sein Wohl und Weh&#8216; beruhte.</p>
<p>Auch das gehört zu seiner eigentümlichen Lebensweise; und diese ist es gerade, die ihn nicht nur für uns interessant, sondern an sich wertvoll macht.</p>
<p>Wenn die Leute nur sich selbst und ihrer Harmonie mit der Natur überlassen werden könnten! Aber auch hier treibt die liebe Zivilisation ihr Verwüstungswerk. Schon hat das petroleumstinkende Motorboot vielfach das achtrudrige Wikingboot abgelöst; Politik wird auch schon auf den Inseln getrieben. Nervenverbrauch wird die Spannung der Muskulatur und den kindlichen Frieden der Seele ablösen. Und so wird dieser typische Menschenschlag dem Anthropologen ebenso uninteressant werden, wie wir übrigen Europäer.</p>
<figure style="width: 1203px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-24.jpg" alt="" width="1203" height="1578" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 24. Phot. K. Schreiber. In Erwartung der Wale. Die Bootsflotte treibt die Grindwale in die Bucht von Midvaag.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1525px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-25.jpg" alt="" width="1525" height="1076" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 25. Phot. K. Schreiber. Fang von Grindwalen. Die Wale in der Bucht von Midvaag von Booten umstellt.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1547px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-26.jpg" alt="" width="1547" height="1128" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 26. Phot. K. Schreiber. Fang von Grindwalen. Die Wale werden auf den Strand zu getrieben. Im Vordergrunde ein Wal mit durchgeschnittenem Genick.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1537px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-27.jpg" alt="" width="1537" height="985" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 27. Phot. K. Schreiber. Fang von Grindwalen. Die toten Wale bei Ebbe auf dem Sandstrande.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 8</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-8/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 12:40:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Die Hauptnahrung der Färinger sind indessen die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769]</a></em></p>
<p>Die Hauptnahrung der Färinger sind indessen die Fische, die in reichster Fülle gerade diese Gegend des Nordmeers beleben. Selten sind unter den nördlichen Fischen hier nur die Heringe, die lieber östlicher, nach Norwegen hin, ziehen; um so viel eifriger werden sie gesucht, weil man sie als Köder beim Angeln, besonders nach dem Dorsch, nicht entbehren kann. Der Dorsch, der Kabeljau, ist der eigentliche Bewohner des färöischen Meeres, dazu die kleineren und größeren Flachfische: Rotzungen und Heilbutten und viele andere, die nur für den lokalen Gebrauch in Betracht kommen. Früher war der Kabeljau der einzige Fisch, nach dem man für weitere geschäftliche Zwecke angelte, indem er sich ja in getrocknetem Zustand als „Klippfisch&#8220; versenden läßt. Dieser Betrieb ist noch heute sehr rege. Überall in den Städten und bei den Fischplätzen sieht man die flachen Felsenblöcke mit dem aufgeschnittenen und ausgespreizten Fisch bedeckt; auch die Dächer der Häuser und Scheunen der Großkaufleute werden dazu benutzt. Schön sieht das nicht aus; es riecht auch nicht besonders angenehm; das schlimmste daran ist aber die unsägliche Mühe, die dieses Trocknen bei dem unstetigen feuchten Wetter, wo zwei Stunden Sonnenschein von vier Stunden Regen abgelöst werden, dem damit beschäftigten Menschen bietet.</p>
<p>Heutzutage hat sich daneben der Fang von Flachfischen, besonders von Heilbutten, mit den Dampffahrzeugen und dem Trawlverfahren reich entwickelt. Der schnell gewonnene Fang läßt sich in dieser Weise schnell nach Schottland bringen, um noch im frischen Zustand dem englischen Fischmarkt zugute zu kommen.</p>
<p>Diese „besseren&#8220; Methoden haben zu einer Ausbeutung des Meeres geführt, gegen die man bis jetzt nur wenig tun kann. Ein energisches Einschreiten von seiten der Regierungen wird aber bald notwendig. Der Trawl, ein ungeheures, sackförmiges Netz, das durch Schwergewichte bis an den Meeresboden versenkt wird, wird mit Dampfkraft darüberhin geschleppt und füllt sich nunmehr mit allem, was in seinen großen Schlund hineingerät, auch mit Pflanzen und Steinen, Weichtieren und Schalen, und vor allem neben den großen wertvollen auch mit kleinen unreifen Fischen, die wieder tot oder halbtot herausgeworfen werden. Der ganze Fischbestand wird dadurch buchstäblich verheert und der Meeresboden noch dazu verwüstet, so daß er für den Aufenthalt und die Vermehrung der Fische immer ungünstiger wird. Daß dieses Verfahren zu einem schaurigen Ende führen muß, ist schon vorauszusehen. Das Meer ist gar nicht unerschöpflich, wie die Leute glauben, so wenig wie es sonstwo Fauna oder Flora auf Erden sind. Wie Jagd- und Schonungsgesetze diese beschützen, ist eine internationale Regelung des Fischfangs ebenso notwendig und wird wohl nicht lange ausbleiben.</p>
<p>Sehr einleuchtend ist diese Notwendigkeit auf dem Gebiete des Walfangs. Die großen Wale zeigten sich früher um die Färöer herum in ziemlich bedeutender Anzahl. Seitdem aber norwegische Walfänger eine Reihe von Jahren mit Schnelldampfern und mit kanonenartigen Geschützen ihr Spiel treiben, und die dänische Regierung ihnen noch dazu &#8211; unter dem Druck eines demokratischen Wohlwollens &#8211; erlaubt hat, ihre Walstationen auf den Inseln anzulegen, werden die braven Tiere im Nordmeere immer seltener, so selten, daß sich bekanntlich die norwegische Energie über das südliche Polarmeer geworfen hat, um sich an dem dortigen bis jetzt unberührten Walbestand zu sättigen.</p>
<p>Auch diese Ausbeutung des Meeres greift in unberechenbarer Weise in das Leben der Fischwelt ein, weil die Wale nicht nur als Verschlinger und Feinde der Fische anzusehen sind, sondern allem Anschein nach zugleich auf die Wandrungen der Fische einwirken.</p>
<figure style="width: 824px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-20.jpg" alt="" width="824" height="947" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 20. Klippfischwaschen.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1041px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-21.jpg" alt="" width="1041" height="792" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 21. Phot. Dr. H. Rudolphi. Klippfischtrocknen.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1082px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-22.jpg" alt="" width="1082" height="751" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 22. Phot. K. Schreiber. Klippfisch, nach dem Trocknen aufgestapelt.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1004px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-23.jpg" alt="" width="1004" height="769" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 23. Phot. K. Schreiber. Walfangstation Gjáanoyri. Links das Schlipp, auf dem die Wale zerteilt werden.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 7</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-7/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 07:59:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Die Natur hat aber lange, bevor hier]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769]</a></em></p>
<p>Die Natur hat aber lange, bevor hier von Schafen, geschweige denn von Rindern die Rede war, diese Felseninseln mit einer Fauna belebt, ohne die die Inseln selbst wie das Leben ihrer Bewohner nicht ihre volle Eigentümlichkeit erhalten hätten. Eine Welt von Vögeln nistet in den Furchen der Felsenwände, besonders aus der Alken-Familie (Alca, Mergulus); von ihnen ist namentlich der kleine bunte Seepapagei mit seiner weißen Brust und seinem farbigen Schnabel allgegenwärtig.</p>
<p>Diese Vögel stehen in ihrer Ruhestellung aufrecht wie die Pinguine. Die Felsenwände, besonders die nach Westen gewendeten, die am liebsten bewohnt werden, zeigen deshalb sozusagen weiße Streifen von den dicht aneinander sitzenden Vögeln. Zu Tausenden flattern sie um die Felsen, tauchen mit jähem Sturz ins Wasser, häufig aus einer Höhe von 1000 Metern und mehr, um ihren Jungen — sie haben natürlich nur eins oder zwei, denn wer könnte bei der Lage eine größere Familie versorgen? &#8211; die kleinen Heringe hinaufzuholen.</p>
<p>Auch schwimmen sie in weiter Ferne auf dem Meere herum, nähern sich vertrauensvoll dem Boote der Fischer oder der Reisenden; Friede und Schonung herrscht um die „Vogelfelsen&#8220; herum, kein Schuß eines Gewehrs wird hier geduldet &#8211; die Jagdbeute wird in einer stilleren Weise erwischt und entleibt.</p>
<p>Im ganzen bieten die Vogelberge mit ihren gewaltigen Höhen und kühnen Formationen, besonders in der phantastischen Beleuchtung des schrägen Sonnenlichtes durch die nebelige Luft, einen wunderbaren, unvergeßlichen Anblick; dazu das rege und heitere Leben der Vögel, deren unendliche Schwärme beinahe unser Auge verwirren.</p>
<p>Der Bevölkerung stellen diese Vogelfelsen eine der interessantesten und schwierigsten Aufgaben, die überhaupt die wilde Natur dem Menschen bietet. Es steht jederzeit dem Färing frei, aus dieser ergiebigen Quelle Nahrung und Wärme für seinen Körper zu schöpfen: das Fleisch, das Gefieder und den köstlichen Flaum für sich zu verwerten. Er muß aber buchstäblich sein Leben auf diesen Gewinn einsetzen. Er muß dazu erzogen worden oder darauf ganz und gar eingerichtet sein. Es bildet sich hier eine Rasse von Menschen, denen das Erklimmen dieser schroffen Pfade, das Herumklettern auf diesen Abhängen in schwindelnden Höhen so natürlich ist wie uns das Gehen auf der Erde. Der Vogelsteller oder besser Vogelfänger besteigt gewöhnlich den Felsen von der schrägen Hinterseite aus, wählt aber auch häufig, wo es tunlich ist, den kürzeren, steilen Weg nach aufwärts.</p>
<p>Jedenfalls findet er leicht seinen Platz auf einer Terrasse, einem Vorsprung oder sonstwo; er braucht nur einen Sitz so groß wie ein Stuhlsitz und eine Stütze für den Fuß. Dort sitzt er dann mit seinem Kescher, einem auf einer 6 m langen Stange befestigten, nicht ganz kleinen Netz, und operiert mit dieser Verlängerung seines Körpers, ohne dadurch sein Gleichgewicht zu verlieren. Er erhascht die jungen Vögel im Fluge &#8211; an dem Fluge selbst kennt er den jungen von dem alten — und reicht, um Zeit und Mühe zu ersparen, gern das Netz einem anderen, der dann das Erwürgen der Vögel besorgt und sie in den um den Leib gebundenen Sack hineinsteckt.</p>
<p>Der Fang schreitet schnell vorwärts; der Vögel gibt es immer genug. Die Arbeit würde jeden anderen als diese abgehärteten Söhne des Felsens ermüden. Ein junger Vogelfänger erzählte mir, daß er eines Morgens, um zeitig seinen Platz zu erreichen, ohne Frühstück, nur mit einem Laibkuchen unter der Weste hinaufgestiegen wäre; gerade als er oben war, glitt ihm das Brot hinab, und er mußte den ganzen Tag ohne zu essen seine Arbeit ausführen. Freilich kam er dann tüchtig hungrig heim, aber er hatte sich keineswegs ermattet oder zur Arbeit unfähig empfunden.</p>
<p>Überhaupt erfreuen diese Männer sich einer Kraft und einer Gesundheit, wie man sie selten auf Erden wiederfindet. Ihr fester Wuchs, das Ebenmaß ihrer Glieder verdient Bewunderung, ja verdiente eine anthropologische Messung. Der Fuß z. B., der immer nur in einem weichen, strumpfartigen Stiefel steckt, besitzt seine volle Muskulatur und steht auf glattem Stein und scharfer Felsenecke gleich fest. Der leichte, elastische Gang, die frischen Farben erhalten sich bis in das hohe Alter hinein; ein Mann von sechzig Jahren sieht aus wie ein Vierziger und geht noch „i fugl&#8220;, wie sie den Vogelfang nennen. Den Siebzigjährigen rechnet man noch nicht für eigentlich alt, und ein Alter von 80 bis 90 wird auf den Inseln häufig erreicht.</p>
<p>Das größte Kunststück des Fängers ist jedoch das Herabhängen längs der Felsenwand bei der Plünderung der Nester, wo der Flaum und die Jungen herausgeholt werden. Von einem oder zwei starken Seilen getragen, die an dem festen Gürtel angeknüpft sind und dann und wann auch, um eine sitzende Stellung hervorzubringen, unter die Beine geschlagen werden, wird der Fänger vom Felsen herabgelassen, um entweder in schwebender Stellung die Felsenlöcher zu untersuchen, oder um einen festen Platz zu finden, von dem aus er spionieren kann. Daß Menschen dabei verunglücken, ist gegeben; die Fälle sind aber nicht so häufig, wie man erwarten sollte. Bei aller Kühnheit wird immer die äußerste Vorsicht betätigt; die Seile sind frisch und extra gute; schwere Eisenringe oder Ketten sind an den betreffenden Stellen in den Felsen als Anhalt befestigt. Auch kann man begreifen, daß die Abstinenzbewegung bei Leuten siegen kann, denen die geringste Abschwächung ihrer Nervenkraft, geschweige denn selbst der leiseste Anflug eines Rausches bei der Arbeit sogleich eine Frage von Leben und Tod werden kann.</p>
<p>Neben der unmittelbaren Gefahr ist der Fänger auch verschiedenen Unannehmlichkeiten von seiten der Vögel ausgesetzt. Vor allem gibt es eine Raubmöve, die von den Fängern wie von den Vögeln gefürchtet ist. Diese Möve ist mit den chinesischen Seeräubern zu vergleichen, die mit Stinktöpfen ihre Opfer lähmen. Sie hat nämlich die üble Gewohnheit, um die auf den Felsen schon nistenden Vögel aus ihren Nestern zu vertreiben und diese für sich zu erobern, einen so übelriechenden Tran auf diese auszuspucken, daß die Alke ihr schleunigst ausweichen — ganz wie der Dachs dem Fuchse, der ja eine ähnliche gemeine List benutzt. In den letzten Jahren ist dadurch eine wirkliche Gefahr für die Vogelwelt entstanden; denn dieser unwiderstehliche Unglücksvogel verbreitet sich von Jahr zu Jahr. Auch für den Menschen ist er eine Gefahr. Den Vogelsteller, der sich seinem Neste nähert, bespuckt er ebenfalls, und der Qualm ist dem Menschen so unerträglich, daß er ihn geradezu mit einer Ohnmacht bedroht.</p>
<p>Das Fleisch der so gefangenen Vögel ist eine angenehme Zugabe zu den Lebensmitteln auf den Färöern. Es wird frisch gebraten oder in getrocknetem Zustand aufgehoben. Der Geschmack des Seepapageis ist im frischen Zustand etwa wie der einer Taube, nur mit einem tranigen Beigeschmack, der im getrockneten Fleisch stärker hervortritt. Viel schöner ist das Fleisch der Eiderente; die Tötung dieses Vogels ist aber, um nicht den Vorrat an Eiderflaum zu schmälern, streng verboten. In der breiten Tasche des Vogelstellers kann aber vieles stecken, das sich dem Auge des Gemeindevorstehers entzieht, und so kann man mitunter per nefas auch diesen Braten auf dem Tische haben.</p>
<figure style="width: 839px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-17.jpg" alt="" width="839" height="1089" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 17. Phot. K. Schreiber. Nord-Österö. Brandung an der 340 Meter hohen Steilküste.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1521px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-18.jpg" alt="" width="1521" height="958" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 18. Nach dem Vogelfang. Nach einer Ansichtskarte.</figcaption></figure>
<figure style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-19.jpg" alt="" width="800" height="1166" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 19. Beim Vogelfang.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 6</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-6/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 06:13:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Arm ist der Färing gerade nicht. Als]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769</a>]</em></p>
<p>Arm ist der Färing gerade nicht. Als tüchtiger Fischer und Vogelsteller, als Schiffer und Kaufmann hat er immer seinen Verdienst und seine Nahrung; als Mitglied einer halb kommunistischen Gesellschaft, wo die Weide größtenteils Gemeingut ist, als Bürger im dänischen Staat, der mit beinahe zu runder Hand den unteren Klassen Unterstützungen gewährt und diese fernen Mitbürger wenig mit Steuern belastet, sie zollfrei und militärfrei macht, genießt er Vorteile, um die ihn der kleine Mann in den meisten unserer Länder beneiden kann. Jedoch führt er ein dürftiges Leben; er ist auf gewisse Lebensbedingungen beschränkt, die sich schwierig erweitern lassen, und obgleich ein Seemann, ist er gewöhnlich an seine kleine Lokalität gebunden.</p>
<p>Schon seine Behausung ist eine sehr enge &#8211; weil es den Inseln an Baumaterial fehlt, das Holz muß er von Norwegen herholen und baut deshalb kleiner, als in Norwegen oder in Finland bei ähnlicher Lebenslage gebaut werden würde. Der Basalt der Felsen ist für festeres Bauwerk unbrauchbar und wird heute meist nur zum Dach, zum Zaun oder Deich verwendet, früher allerdings zum Aufbau des ganzen Hauses, das dann inwendig mit Brettern bekleidet war. Ohne Schönheit ist das Häuslein aber nicht, wenn nur im älteren Stile gehalten, einfach zusammengezimmert und rot geteert, mit kleinen weißen Fenstern und, wie häufig der Fall, das ziemlich flache Dach mit grünem Grastorf bedeckt. Wo besser gebaut wird, tritt zu leicht die charakterlose Imitation des steinernen Hauses hervor; oder es wird gar mit von weither geholtem Granit und Schiefer gearbeitet, was in diesem Klima kalt und hart wirkt und in der Tat auch ein schwer zu heizendes Haus gibt.</p>
<p>Die alten, engen Straßen Thorshavns sind viel wohnlicher, auch in freier Natur verschmilzt ein derartiges primitives Haus viel besser mit der Landschaft, steht wie aus dem Boden gewachsen.</p>
<p>Das altmodische Haus bestand aus zwei Stuben, der „Rauchstube&#8220;, so genannt, weil ursprünglich da durch ein Loch im Dache dem Rauch des Herdes Ausgang gegeben wurde, und der feineren „Glasstube&#8220;. In dieser etwas größeren Räumlichkeit sammeln sich die Färinger häufig in den langen Winterabenden zum Tanz und Vergnügen. Tanzen tun sie außerordentlich gern, und zwar nimmt die ganze Gesellschaft, nicht nur die Jungen, am Tanze teil; auch der Pastor muß mittanzen, wenn er zugegen ist.</p>
<p>Dies Tanzen ist von dem unserigen heutzutage weit verschieden und eröffnet uns den Einblick in die Tänze des Mittelalters. Es sind alte Chorreigen, die hier aufgeführt werden, indem sich alle die Hände halten und sich in verschlungenen Reihen hin- und herbewegen und dabei ihre alten Lieder singen. So wurde in den ritterlichen Sälen des Mittelalters auch zum Tanze gesungen oder viel lieber zum Gesange getanzt. Die Festtrachten, die die Färinger dabei tragen, erinnern auch an die prächtigeren Kleider der alten Zeiten. Die einfache braune Wolle der stramm sitzenden Männertracht muß dann dem blauen Wams mit den Silberknöpfen weichen. Noch mehr verwenden die Frauen auf ihre Kleider und Tücher, die in Stoffen und Farben prangen. Im Alltäglichen sind sie sehr einfach, gewöhnlich in Braun und Schwarz gekleidet.</p>
<p>So vertreibt man die lange Winterzeit in alter naiver Weise; die volkstümliche Unterhaltung erweist sich mächtig genug, um &#8211; neben dem kirchlichen Leben &#8211; die geistigen Bedürfnisse einer abseits gelegenen Bevölkerung zu befriedigen. Früher griff man auch reichlich zu den geistigen Getränken, um die Geselligkeit zu erheitern oder einsame Stunden im Hause oder Boot zu vertreiben. Die Bevölkerung hat aber selbst das Gefährliche an diesem Ausweg eingesehen und hat mit größter Energie unter der Leitung der Pastoren eine Abstinenzbewegung zum Sieg gebracht, die gerade in diesen letzten Jahren zu einem von ihrem eigenen Parlament angeregten gesetzlichen Verbot des Alkoholverbrauchs auf den Inseln gefuhrt hat.</p>
<p>Uberhaupt ist der Färing ein ernster Mann von strengen Sitten; sein Charakter wie seine Gesichtszüge sind denen des Norwegers ähnlich; nur ist er offener und kindlicher; eine gewisse Schwärmerei entsteht leicht bei den Menschen des hohen Nordens, wohl auch unter Einfluß der hellen Nächte, dieses prächtigen Ersatzes für das im Winter fehlende Licht, den die Natur ihren nördlichen Kindern bietet, und die durch ihr wunderliches Helldunkel bald eine heitere, bald eine romantische Stimmung erwecken.</p>
<p>Die Arbeit des Färings besteht überwiegend in der Ausnutzung seiner unmittelbaren Lebensbedingungen &#8211; einer Praxis, die immer als ein großes Glück für ein Volk betrachtet werden muß. Es vollzieht sich dadurch eine heilsame Anpassung an die Umgebungen, und es bilden sich feste Traditionen, durch die die Technik der verschiedenen Beschäftigungen einen Höhepunkt erreicht.</p>
<p>Selbst das Schaf, das wichtigste Haustier, nach dem die Inseln ihren Namen haben, gehört sozusagen zu ihrer Natur. Die zahlreichen Schafe führen ein ganz freies Leben &#8211; Herden oder Hirten gibt es nicht; nur wenn geschlachtet werden soll, oder zur Zeit der Schafschur, oder wenn die schlechte Jahreszeit droht, werden sie aufgesucht und eingetrieben. Ihre Wolle ist so wichtig wie ihr Fleisch. Neben den warmen braunen Kleidern, die sich der Färing aus der Wolle macht, wurden auch früher als Hausindustrie grobe Überzugshemden verfertigt, die einen Exportartikel bildeten und unter dem Namen „isländische Hemden&#8220; bei Seeleuten und Landarbeitern in Dänemark sehr beliebt waren. Heute werden viele Schaffelle für den Export präpariert; besonders die sonst in der Welt seltenen, braun- und weißflockigen sind eine gute Handelsware. Als Fußteppich sind sie sehr warm und beinahe unverwüstlich.</p>
<p>Das Schaffleisch verstehen die Färinger in einer besonderen Weise durch Austrocknen und zeitweiliges Vergraben ohne Salz oder sonstige Chemikalien zu präparieren. Dieses sogenannte „Skärpeköd&#8220; ist sehr haltbar und schmeckt nicht übel (wenn man den ersten qualmigen Geschmack überwunden hat, etwa wie ein geräuchertes Filet) &#8211; und was für die Fischer und Schiffer von Wichtigkeit ist, die es für einen dauernden Aufenthalt auf der See mitnehmen: man erleidet keinen Durst nach dessen Genuß.</p>
<p>Auch die Kühe gedeihen ganz gut auf den Inseln, und moderne Molkereien nach dänischem Muster sind in letzter Zeit eingerichtet worden. Die Rinderzucht tritt aber, mit der Schafzucht verglichen, in den Hintergrund.</p>
<figure style="width: 820px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-12.jpg" alt="" width="820" height="988" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 12. Straße von Thorshavn. Mit den ältesten Häusern des Ortes (Gongin).</figcaption></figure>
<figure style="width: 1049px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-13.jpg" alt="" width="1049" height="777" /><figcaption class="wp-caption-text">Phot. K. Schreiber. Abbild. 13. Thorshavn. Häuser von der Wasserseite.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1251px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-14.jpg" alt="" width="1251" height="1436" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 14. Färinger an Berd eines Dampfers in der landesüblichen Kleidung.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1517px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-15.jpg" alt="" width="1517" height="950" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 15. Vogelberg auf Myggenaesholm. Das Bild zeigt nur den Gipfel des hohen Absturzes der Steilküste. Nach einer Ansichtskarte.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1541px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-16.jpg" alt="" width="1541" height="1171" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 16. Steilküste am Villingadals Fjall auf Viderö.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 5</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-5/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 03:27:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Sonst sind es nicht die Frauen, die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769</a>]</em></p>
<p>Sonst sind es nicht die Frauen, die sich hier hinauswagen, vielmehr werden sie, jedenfalls von ihrer Heirat an — und sie heiraten früh &#8211; zu Hause gehalten, in einer Welt, die ebenso klein und eng ist, wie die Welt des Meeres und der Berge, die den Mann hinausruft, offen und groß. Der Typus der Frauen gestaltet sich deshalb lange nicht so kräftig und auch nicht so schön wie der der Männer; ich habe nur wenige gesehen, die man als schön gewachsen bezeichnen könnte. Das eingeschlossene Leben, die kleinen und mühsamen Beschäftigungen, die vielen Kinder &#8211; sie wimmeln über jede Schwelle -, das ewige Kaffeetrinken und Zuckernaschen, vom Kränzchengeplauder der Nachbarinnen begleitet, &#8211; das alles gibt Stagnation und Verkümmerung, frühes Altern, beschränkten Gesichtskreis. Die Frauen werden demgemäß viel weniger, als es sonst im Norden der Fall ist, von den Männern hochgeachtet. „Enten und Hühner und Frauenzimmer stiften immer Schaden&#8220;, heißt es bei ihnen.</p>
<p>Ist es zufällige Tradition, die das Lebenslos so ungleich verteilt hat? Ich glaube, daß das Klima dazu mitgewirkt hat. Entweder muß man hier mit vollen Kräften den Kampf mit der Natur aufnehmen &#8211; oder man muß hinter verschlossener Tür den Elementen entfliehen. Wenn man sieht, wie vereinsamt und öde die Häuser und Gehöfte liegen, kann man verstehen, wie kümmerlich das Leben, auch das organische Leben, bei denjenigen verläuft, die in diesen Häusern eingeschlossen leben. Angst und Sorge war immer des Schiffers und des Fischers Frau beschieden. Aber hier, in dieser Einsamkeit, in diesen finsteren Winternächten, bei dieser ewigen Ungewißheit, ob der Mann, der heute morgen ausging, auch abends zurückkehren wird!</p>
<figure style="width: 1084px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-10.jpg" alt="" width="1084" height="786" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 10. Phot. Dr. A. Dampf. Haus in Öre (Österö). Über dem Grasdach der Holzschornstein; das kleine Nebenhaus für Torf und Fische.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1038px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-11.jpg" alt="" width="1038" height="755" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 11. Phot. K. Schreiber. Haus in Langesand (Stromö).</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 4</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-4/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 03:25:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Die Bewohner der Färöer, die wir schon]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769</a>]</em></p>
<p>Die Bewohner der Färöer, die wir schon mit ihrem eigenen Worte als Färinger bezeichnet haben, sind direkte Nachkommen der norwegischen Ansiedler, die schon in der Wikingerzeit die Inseln bewohnten und sich auch über die Orkney- und Shetland-Inseln hin verbreiteten.</p>
<p>Die Färöer und ebenso Island erfreuten sich damals eines blühenden Kulturlebens; in der bald nachher folgenden Zeit der katholischen Kirche hatten die Inseln ihren Bischof und ihren Dom. Sagenerzählungen in altisländischer Sprache und eine überreiche Fülle von epischen Volksliedern in der jetzigen färöischen Sprache, einem altnorwegischen Dialekt, der sich aber heute unter dem Einfluß der dänischen Kultursprache etwas moderner gestaltet hat, zeugen von dieser alten Kultur und bilden noch einen geistigen Besitz und die Grundlage des nationalen Stolzes der Färinger.</p>
<p>Der männliche Typus verrät noch die nahe Verwandtschaft mit den westlichen Norwegern und die historische Verknüpfung mit dem alten derben Menschenschlag der Wikinger. Als ich eines Tages im Boote saß und den Alten am Steuer betrachtete, den Vater der kräftigen Söhne, die spielend das lange Boot durch die reißenden Ströme ruderten, wurde mir dieser Zusammenhang besonders einleuchtend. Wie er da saß in der braunen wollenen Tracht, die, nach den Gräberfunden zu urteilen, auch die Wikinger getragen, mit der breiten Sturmmütze, die wie ein Helm aussah, mit seinem kräftigen, weißen Bart, der Adlernase, den tiefliegenden Augen, von starken, weißen Augenbrauen überschattet, gab er und gab die ganze Bemannung des Bootes die lebendigste Vorstellung von jenen Tapferen, denen der Weg zum Mittelmeer und nach dem Schwarzen Meer hin nicht zu weit schien, wenn sie der Drang zur Ausfahrt und zu Eroberungen überfiel. Zudem ist das Boot der Färinger noch immer nach dem alten Modelle gebaut, das wir von Funden in Schleswig und in Norwegen zur Genüge kennen, mit scharfen und hochgeschwungenen Vorder-und Hintersteven, lang und häufig schmal, für viele Ruderer, gewöhnlich acht, eingerichtet.</p>
<p>In diesem Boot gewinnt der Färöjunge seine ersten Kräfte und seine Ausdauer &#8211; die Eigenschaften, die sich später beim erwachsenen Manne so wunderbar entwickeln. Das Ruder ist schmal und leicht und fügt sich der Kinderhand; Jungen von 11 oder 13 Jahren rudern oft selbst bei schwerer See die Boote, die im Hafen Passagiere und Gepäck zu dem Dampfer hin befördern; ihren halben Tag verbringen sie mit Fischen oder sonst auf dem Meere herum. Dabei entwickelt sich auch früh die Intelligenz, die dazu gehört, sich in diesen gefährlichen Fahrwassern an der Felsenküste mit den zahlreichen Klippen und Riffs zu bewegen.</p>
<p>Aber auch das Sich-bewegen auf dem festen Lande kann gefährlich genug sein. Die Felsenwege sind häufig schmal und gefährlich; klettern muß man können, fest auf seinen Beinen stehen; manchmal ist die Passage um den Felsen herum so schmal, daß man sich mit den Händen an der Felsenwand festhalten muß; kommt dazu noch der Sturm längs der Felsen, so kann es das Leben kosten. Noch gefährlicher ist der Nebel, der dem Wanderer alle Aussicht benimmt und ihm die offene Schlucht vor seinen Füßen verschleiert. In Tirol und in der Schweiz kann das dem Bergwanderer auch passieren, auf den Färöern gehört dieser Nebel aber zu den Begebenheiten des Tages und lauert sozusagen vor der Haustür. Daß drei junge Mädchen, die nur hinausgegangen waren, um die Kühe zu melken, spurlos verschwanden, war ein trauriger Fall, der sich noch vor einigen Jahren ereignete.</p>
<figure style="width: 1502px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-07.jpg" alt="" width="1502" height="1118" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 7. Phot. Dr. A. Dampf. Inneres von Österö. Im Vordergrund glazialgeschliffene Landschaft.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-08.jpg" alt="" width="1014" height="794" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 8. Phot. Dr. A. Dampf. Ostbucht in Thorshavn mit Booten des D. S. „Victoria Luise&#8220; der Hamburg-Amerika Linie.</figcaption></figure>
<figure style="width: 758px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-09.jpg" alt="" width="758" height="991" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 9. Westseite von Suderö bei Vaags Eide. In den Wänden der 200 Meter hohen Steilküste tiefe, von der Brandung ausgewaschene Schluchten.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 3</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Aug 2025 03:22:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Hier werden Schafe und Vieh in der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769</a>]</em></p>
<p>Hier werden Schafe und Vieh in der milderen Jahreszeit sozusagen interniert und mit Mühe und Gefahr vor der ungünstigen Zeit nach dem Gehöft zurückgetrieben.</p>
<p>Ein plötzlicher Sturmwind kann den Tieren auf diesen Felsenecken sehr gefährlich werden, und viele fallen auch ins Meer, wo sie auf der Wasserfläche buchstäblich zerquetschen; besonders gefährlich ist hier der Eisschlag, der vielen jungen Lämmern das Leben raubt, wenn sie sich leichtsinnig zu weit hinauswagen.</p>
<p>Auch der Rabe stellt dem Lämmlein nach. Die Lämmer werden aber sonderbarerweise von einem Vogel beschützt, dem „Tjaldur&#8220;, wie ihn die Färinger nennen (Haematropus), der seine Eier und Jungen im Grase liegen hat und deswegen scharenweise das Feld gegen jede Annäherung der Raben schützt. Dieser Tjaldur ist deshalb der heilige Vogel der Färinger, die den rot-schnäbligen Freund nicht nur gesetzlich schützen, sondern ihn auch in ihrem Panier führen. Der eine der Kopenhagener Dampfer, der nach Thorshavn fährt, trägt seinen Namen.</p>
<p>Anderseits dienen diese Vögel, die, wie auch die See-schwalben, ihre Eier auf dem Felde haben, aus demselben Grunde dazu, in sehr nützlicher Weise die Schafe herumzutreiben; es wird dadurch verhütet, daß die Schafe zu tief beißen, was den Graswurzeln schadet. So scheint die Natur hier eine Balance gefunden zu haben, die auch die Menschen respektieren, weshalb sie die Vögel schonen und das Eieriesen verbieten.</p>
<figure style="width: 1115px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-06.jpg" alt="" width="1115" height="727" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 6. Phot. Dr. A. Dampf. Insel Kunö, von Klaksvig gesehen.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann &#8211; Teil 2</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-prof-lehmann-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Aug 2025 12:28:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Kommt man den Färöern(2) näher, wird der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769</a>]</em></p>
<p>Kommt man den Färöern(2) näher, wird der Seegang wiederum unruhiger; man gerät in die „Stromsee&#8220; hinein, in die Wirre der Strömungen, die das durch diese zerrissene Inselgruppe hinziehende Wasser verursacht. Auch der Schiffer muß jetzt etwas vorsichtig verfahren &#8211; die Passagiere sind schon lange vorsichtig geworden —, denn der Nebel verschleiert oft die ganze Gegend, und das erste, das ich von den Inseln sah, als wir auf der Reede Thorshavn lagen, war dasselbe, was man häufig von dem Brocken aus sieht, wenn man dort oben so recht die Aussicht genießen will: nichts.</p>
<p>Wenn der Wind im Sommer landwärts steht, treibt er die nebeligen Dünste des Meeres nach den Inseln hin und preßt den Nebel gegen die Felsenwände. An der entgegengesetzten Seite der Insel ist das Wetter dementsprechend klar (wenn nicht der Himmel besonders wolkig ist), was die Schiffer und Fischer auch immer berechnen. Der Nebel, der halbe und ganze Tage die Landschaft bedeckt, ist aber keineswegs unangenehm; er ist leicht und weich &#8211; man könnte fast sagen seidenartig -, und man gewöhnt sich so sehr an diese milde und feuchte Luft, atmet sie so voll und behaglich, daß der scharfe Wind in Dänemark nachher als rauh und feindlich empfunden wird, wie er auch den jungen Färingern, die in Dänemark studieren, sehr nachteilig ist. Selbst im Winter erhält sich, dank dem Golfstrom, dieses milde Inselklima; die Mitteltemperatur ist wunderbarerweise für die eigentlichen Wintermonate der am Gardasee gleich; der Sommer ist aber entsprechend kühl.</p>
<p>Anderseits: Ohne verheerende Schneestürme verlauft der Winter natürlich bei dieser nördlichen Lage nicht, und vor allem ist der frostige Wind, dem man in März oder April nie entgeht, der Feind der Vegetation. Er deckt das Gras mit Eisschlag und tötet die jungen Triebe der Bäume und Sträucher, die in der trügerischen Milde der Weihnachtszeit hoffnungsvoll emporschossen. Ihre schwarzen Leichen sind noch im Hochsommer überall auf den Bäumen erkennbar. Dadurch wird der Baumwuchs auf diesen Inseln geknechtet und in einer Höhe von höchstens 3 m gehalten. Nur auf den westlichen Westmannaöer, die besseren Schutz gegen den Ostwind bieten, sollen die Bäume etwas höher stehen. Die meisten Gemüse zieht man ganz gut in den Gärten, auch Beeren reifen auf der Heide und im Garten, in einem guten Sommer auf jeden Fall Stachel- und Johannisbeeren; Obstbau dagegen ist gänzlich ausgeschlossen.</p>
<p>Den vollen Vorteil zieht aber aus dem Klima das Gras, das überall auf den Inseln herrlich gedeiht und stetige Nahrung für die 100 000 Schafe bietet, nach denen die Inseln (Før = dänisch Faar = Schaf) genannt sind, und die die Lebensbedingung der Bewohner darstellen.</p>
<p>Der Bau der Inseln gewährt dem Graswuchs reichliche und genügend nahrhafte Flächen. Die Felsen dieser Inselgruppe sind vulkanische Auswürfe, die in regelmäßiger Schichtung von Basalt und Tuff abgelagert sind.</p>
<p>An den dem Wind und dem Wasser ausgesetzten Seitenflächen ist der weichere Tuff etwas abgenagt; es entstehen dadurch schmale parallele wagerechte Furchen zwischen den härteren Basaltstreifen, und die Felsenwände erhalten dadurch ein sonderbares Aussehen, etwa wie die Seite einer Harmonika.</p>
<p>In diesen Furchen nisten die zahlreichen Seevögel, besonders die Alke, die die Inseln in so eigenartiger Weise beleben. Ohne diesen besonderen Bau der Felsen und ohne die kleinen, sardellenartigen Heringe, die in dichten Scharen um die Felsen stehen, und von denen sich die Alke wesentlich ernähren, würde sich diese Welt von Vögeln kaum auf diesen Inseln gebildet haben.</p>
<p>Die von ihnen bewohnten Felsen sind beinahe senkrecht oder haben doch einen sehr jähen Absturz. Nach der anderen Seite hin fällt dieselbe Insel aber gewöhnlich ziemlich schräg ab. Dieser Abhang ist aber hübsch grün, im Gegensatz zu der schwarzbraunen Felsenwand; er ist immer mit Gras bedeckt, dessen Wachstum eigentlich nur in den gefährlichen Frühlingsmonaten stockt. Auch die Felsenwand selbst bietet dann und wann dem Gras willkommenen Halt auf den zahlreichen charakteristischen Terrassen, die man dort oben Hämmer nennt.</p>
<p>2) Ich benutze jetzt die dänische Form des Namens: sing. Fär-ö (Schafinsel), pl. Färöer. Der Bewohner der Inseln heißt dän. Färing.</p>
<figure style="width: 1524px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-02.jpg" alt="" width="1524" height="666" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 2. Phot. Dr. H. Rudolphi. Thorshavn, vom Obelisken gesehen. Im Hintergrund die Anhöhe des Kirkebö Reyn.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1066px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-03.jpg" alt="" width="1066" height="777" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 3. Phot. Dr. A. Dampf Malinsfjall bei Viderejde. Der Gipfel (751 m) mit Schnee bedeckt.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1067px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-04.jpg" alt="" width="1067" height="853" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 4. Phot. Dr. H. Rudolphi. Hämmer zwischen Kalbak- und Kollefjord. Ein Beispiel der vielen treppenartig aufsteigenden Geländestufen, deren breite Rasenflächen die Weideflächen abgeben.</figcaption></figure>
<figure style="width: 1534px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-05.jpg" alt="" width="1534" height="952" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 5. Phot. Dr. H. Rudolphi. Kyrberg, Steilküste nördlich von Thorshavn. Im Hintergrunde die Berge von Österö.</figcaption></figure>
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		<title>Auf den Färöern. Prof. Lehmann &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/auf-den-faeroeern-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Aug 2025 12:05:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmann 1913]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://schafsinseln.areion.org/?p=568</guid>

					<description><![CDATA[Von Prof. DDr. Edward Lehmann. Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [FAB-1769] Mitunter passiert es einem Menschen, daß er]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. DDr. Edward Lehmann.</p>
<p><em>Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 &#8211; 32 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1769</a>]</em></p>
<p>Mitunter passiert es einem Menschen, daß er aus seiner guten Stube herausgezogen und auf das wilde Meer hingeschleudert wird &#8211; um der Wissenschaft willen. Mir ging es nicht anders, als vor einigen Jahren die dänische Regierung geruhte, mich nach den Färö-Inseln im Nordmeer zu schicken, um den dortigen Menschen etwas Wissenschaft beizubringen. Dadroben gibt es nämlich auch Leute, die etwas wissen wollen; und gerade in den Sommermonaten versammeln sich die Wissensgierigen: die Schullehrer, Gemeindevorsteher u. a., die als Mitglieder des kleinen Parlaments, dem die Verwaltung der Inselgruppen wesentlich anvertraut ist, sechs oder acht Wochen in der Hauptstadt Thorshavn zubringen müssen.</p>
<p>Aber Sie wissen vielleicht noch gar nicht, wo die Färö-Inseln liegen? So geht es Ihnen nicht besser als dem englischen Matrosen, von dem mir der Kapitän des Kabeldampfers, der vor Thorshavn arbeitete, erzählte. Wie die Deutschen nämlich manchmal die Inseln die Farö-Inseln nennen, nennen sie die Engländer the Pharo-Islands. Dem guten Matrosen war es ganz wunderlich, daß sie nach diesen Inseln nordwärts steuerten; er hatte immer geglaubt, daß the Pharao-Islands, wie er sie nannte, in Ägypten lägen, were something in Egypt.</p>
<p>Nichtsdestoweniger liegen sie im Nordmeer, und zwar eine dreitägige Fahrt gerade nordwärts von Schottland, wo der dänische Dampfer immer Leith anläuft, um sich billiger mit Kohlen zu versehen und dabei auch andere Geschäfte zu erledigen. Dem Reisenden kommt dieser Aufenthalt, der sich bei ungünstiger Flut bis auf 36 Stunden verzögern kann, zustatten. Er kann mittlerweile die bezaubernde Schönheit Edinburghs genießen und kann sich in den Läden in Princess Street bezaubern lassen, große Ankäufe von schottischen Schals, Teppichen und Mützen zu machen, die er alle für seine Nordreise brauchen kann, und die ihm alle noch zehn Jahre nachher auf seiner Chaiselongue dienlich sind.</p>
<p style="text-align: center;">&#8212;&#8211;</p>
<p>Der Dampfer gleitet längs der Küste Schottlands, verliert sie, während er die große Moray-Bucht schneidet, geht aber an den nordöstlichen Landinseln bei Duncansbay Head dicht vorüber und bekommt dann wieder Land in Sicht, wenn er quer durch die Orkney-Inseln hindurchgleitet, wo man die schottischen schiefergebauten Häuser und die Villen der englischen Herrschaften deutlich vom Schiffe sieht.</p>
<p>Von der weiteren Reise sieht man gewöhnlich nicht viel. Entweder ist das Wetter still, und die Luft wird nebelig: denn bald kommen wir in die milde Zone des Golfstroms hinein; oder das Wetter ist unruhig, und man sieht aus anderen Gründen von der Umwelt nicht viel.<br />
Ist man aber seefest — und in der Tat sind die langen Wellen des offenen Meeres nicht so garstig wie der kurze Wellenschlag nahe der Küste, die „krappe See&#8220; , wie es die Schiffer nennen —, und kann man ruhig auf den Verdecken bleiben, so entfaltet sich dem Auge und dem Herz die gewaltige Natur des Nordmeers, dessen öde Fläche dann und wann von kleinen Scharen schnellfliegender Seevögel, mitunter aber auch bei hellem Wetter von dem Spielen und Springen kleiner Wale belebt wird. Einige Wale sah ich &#8211; es war der sogenannte „Dövling&#8220; -, die sich dem Schiffe nahe hielten, wahrscheinlich, um im aufgerührten Wasser zu fischen; sie schossen schräg durchs Wasser, so daß sie den weißen Bauch halb nach oben drehten.</p>
<figure style="width: 1549px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Lehmann-1769-Abb-01.jpg" alt="" width="1549" height="996" /><figcaption class="wp-caption-text">Abbild. 1. Phot. Dr. H. Rudolphi. Bucht von Thorshavn, von Süden gesehen. Im Hintergrund die Berge von Österö. (1)</figcaption></figure>
<p>1) Für eine große Zahl der Abbildungen, die dem Heft beigegeben sind, haben die Herren Dr. Hans Rudolphi in Prag, Dr. A. Dampf und K. Schreiber in Königsberg i. Pr. in entgegenkommender Weise ihre photographischen Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Ihnen sei auch an dieser Stelle dafür der Dank des Instituts für Meereskunde ausgesprochen.</p>
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