Küstenkunde: Thorshavn, Färöer

Bericht von P. Vollrath, 1. Offiz. D. »Victoria Luise«, vom Juli und August 1912.

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie 1913 (41), Seite 266-267 [FAB-3175]

Trifft man bei der Ansteuerung der Färöer unsichtiges Wetter, so kann man mit dem Lot den Schiffsort kontrollieren. Bei klarem Wetter sind die hohen Inseln weit zu sehen. Die Küste ist ziemlich rein und man kann an den meisten Stellen bis dicht unter Land laufen; die Karten sind zuverlässig. Die verschiedenen Inseln und Huken haben so charakteristische Formen, daß die Orientierung keine Schwierigkeiten macht.

Kommt man von den Orkney-Inseln, so bleibt man von Skaalhoved 3 bis 4 Sm, vom Borin-Leuchtturm 1 Sm entfernt und hält dann gerade auf die Thorshavn-Reede zu. Man kann auch nachts ein- und auslaufen.

Von Thorshavn auslaufend und nach Island bestimmt, hält man vom Ankerplätze aus mit rw. 40°-Kurs auf Skoren zu, wobei man Ostnäsin 1/2 Sm, Nev und Mjovenäs in 1 Sm Abstand passiert. Dieser Kurs führt auch frei von der 7.3 m (4 Fad.)-Stelle Högnebue. Man läuft auf dem Kurse weiter, bis das hohe Land von Troldenäs über dem Kalsö-Leuchtturm in Sicht kommt. Damit kommt man frei von der 5.5 m (3 Fad.)-Stelle Seggjatangs Bue und kann in den Lervig Fjord halten. Gotenäs passiert man hierbei in 1/2 Sm Abstand.

Im Lervig Fjord und im Djupene-Fahrwasser findet man bis auf einige Klippen, die bei der Ortschaft Lervig dicht unter Land liegen, keine Schwierigkeiten, und man kann auf beiden Seiten bis dicht unter Land laufen.

Von Kadlur führt rw. 28O°-Kurs nach dem Portland-Leuchtturm auf Island.

Einen Lotsen für die Färöer hatten wir von Hamburg mit.

Sturmwarnungssignale werden an einem Signalmast beim Skanse-Leuchtturm gezeigt.

Ärztlichen Besuch brauchten wir nicht abzuwarten, um mit dem Lande zu verkehren. Der Gesundheitszustand am Ort und auf dem Schiffe war während unseres Aufenthaltes gut.

Der Ankerplatz für große Schiffe befindet sich auf 29 bis 33 m (16 bis 18 Fad.) Wassertiefe über Sand- und Steingrund. Von ihm aus peilt das schwarze Pfarrhaus von Sandegärde rw. 276° gut südlich frei von einem am Strande stehenden dunklen Schuppen mit hellgelbem Dach, und der Skanse-Leuchtturm rw. 357°. Der Ankerplatz ist nur gegen westliche Winde geschützt. Die Richtung des Telegraphenkabels ist durch zwei Paar Baken, die auf Sandgärde stehen, gekennzeichnet.

Der Landungsplatz für Boote ist im Östre-Vaag an einer Steintreppe beim Ort. Er ist 3/4 Sm vom Ankerplatz entfernt. Schiffsboote werden zum Verkehr mit dem Lande benutzt.

Frischer Proviant ist in kleinen Mengen zu haben. Seekarten und nautische Bücher sind nicht zu kaufen.