Færöische Märchen und Sagen 8 – Das Meermännlein und der Bauer Anfinn in Elduvík

Das Meermännlein [Marmennil] gleicht den Menschen, aber ist einen guten Teil kleiner an Wuchs; es hat lange Finger. Es lebt am Meeresgrund und schädigt die Fischer, indem es den Köder von den Augeln abbeisst und dieselben am Grunde befestigt, so dass sie die Schnur zerreissen müssen; wird es von der Spitze gefasst, so ist es so gewandt, dass es die Angelschnur vom Zugstrick lösen und so dem Los entgehen kann, wie ein anderer Fisch über Bord gezogen und ins Boot gebracht zu werden.
Einmal als es damit begann, seine Schalkstreiche am Seegrund auszuüben, ging es ihm schlecht, denn es gedachte das Ende der Schnur des Bauern Anfinn aus Elduvík zu fassen, um es am Grund zu befestigen, aber gleichzeitig zuckte Ansien (sic!) die Schnur, und die Angel biss das Meermännlein in eine Hand; mit einer Hand konnte es sich nicht losmachen, und so wurde es aufgezogen, bekreuzt und heimgebracht. Anfinn verwahrte es bei sich im Herde und musste jeden Abend daran denken, ein Kreuz über alle vier Ecken des Herdes, wo es sass, zu schlagen; es wollte nichts anderes essen als Köder. Wenn ausgefahren wurde, nahmen sie das Meermännlein mit sich, aber sie durften nicht vergessen, ein Kreuz über dasselbe zu schlagen, wenn es ins Boot gekommen war. Ruderten sie über einen Zug von Fischen, so begann es im Boote zu lachen und spielen: warfen sie da aus, so mangelte es nicht an Fischen, besonders wenn es den Finger in die See tauchte. Anfinn hatte das Meermännlein lange bei sich; aber eines Tages war eine starke Brandung, als sie das Boot zur Ausfahrt flott machten, und da wurde vergessen, das Kreuz im Boote über das Männlein zu schlagen; als sie vom Lande gekommen waren, glitt es über Bord, und wie zu erwarten stand, wurde es nicht wieder gesehen.