Færöische Märchen und Sagen 7 – Der Neck

Der Neck [nykur] wohnt in Landseen; am Grunde unten in der Tiefe hat er seinen Aufenthaltsort: aber von dort kommt er oft ans Land, und es ist nicht gut, ihm zu begegnen: mitunter ist er einem schönen kleinen Hengste gleich, der gut und sanft scheint, und damit lockt er die Leute sich ihm zu nähern, um ihn zu klappen und ihm über den Rücken zu streichen; aber wenn sie zufällig den Schwanz berühren, werden sie an ihn gefestet, und da lässt er niemanden los, sondern zieht sie mit sich auf den Grund. Oft begegnet er den Leuten in Menschengestalt als stolzer Jüngling, um Mädchen mit sich zu locken und verspricht ihnen Freude und Genuss in seiner Halle, wenn sie ihm folgen wollen; aber fassen sie da einen Verdacht darüber, wer er ist, an den sie sich wegzugeben im Begriffe sind, so dass sie imstande sind, ihn mit dem rechten Namen: „Neck“ zu nennen, so verliert er die Macht über sie und muss sie loslassen und allein in den Teich fahren. Es wird erzählt, dass sich der Neck ebenso allen vierfüssigen Tieren gleich machen kann, nur die Spitze vom Horne des Widders soll er sich nicht anschaffen können; aber einem Pferde ist er gleich, wenn er seine Gestalt nicht verändert hat, und es ist den Menschen geglückt, Gewalt über ihn dadurch zu bekommen, dass sie ein Kreuz über seinen Rücken schlugen, und sie haben ihn dann dazu gebraucht, mit seinem Schweife grosse Blöcke aus dem Gebirge zu Feldmauern oder Häusern herabzuziehen, welche noch in Húsavik auf Sandoy und zu Eið auf Eysturoy gesehen werden, und die grossen Steine, die hier zusammengekommen sind, geben Zeugnis davon, wie stark er ist. In den Takmooren auf Sandoy liegt ein grosser Block, den sie ihn nach Húsavík ziehen lassen wollten; aber da zerriss der Schwanz, und der Stein steht noch dort; ein Teil des Neckschwanzes, der am Steine befestigt war, ist an ihm noch sichtbar.