Færöische Märchen und Sagen 13 – Der Gásadalsmann im Hulderboot

Im Gásadal in Vágar ist kein flacher Strand; hier ist eine steile Wand, fünfzehn Faden hoch, gegen die See; das Gásadalsdorf liegt daher schlecht zur Ausfahrt, ein Boot kann im Winter wegen der Brandung nicht unter der Wand liegen, sie können deshalb kein grosses Boot liegen haben, weil der Landungsplatz an der Wand schwierig und schlecht ist, und die Gásadalsleute haben daher ein Ausfahrtboot zur Meerfahrt in Gemeinsamkeit mit denen in Bö gehabt und sind gewöhnt, mit diesen auszurudern.
Ein Manu aus Gásadal machte sich eines Nachts bei gutem Wetter vom Hause auf, um ostwärts nach Akranes zu gehen, wo die Bömänner ans Land legen und ihn in das Boot aufnehmen sollten. Als er nach Osten über die Skarðsá kam, sah er ein Boot nach Akranes zurudern; er wollte nicht, dass sie lange auf ihn warten sollten, und begann deshalb hastig zu ihnen hinabzulaufen. Er sah nun, dass sieben Männer im Boote waren und dass für ihn ein Sitz auf einer Bank frei war: doch erkannte er die Männer nicht, weil die Dunkelheit sich eben erst zu heben begonnen hatte. Der Gásadalsmann hatte keinen Verdacht gegen jemand, sondern meinte, dass alles so war, wie es sein sollte; er sprang rasch in das Boot, und sie stiessen sofort vom Lande ab. Der Mann setzte sich auf die Bank, wo er gewohnt war zu sitzen und legte das Ruder aus; aber als er sich nun bedenkt, kennt er keinen Mann im Boote and argwöhnt da, dass das Huldern sind, unter die er gekommen; doch stellt er sich furchtlos und rudert tüchtig wie sie. Sie fahren nordwärts um die Insel, hinaus nach Ravnamúli, einer Fischbank, auf welche die Vágmänner im Westen hinauszurudern pflegen. Die Huldern befestigten den Köder und warfen aus, aber der Gásadalsmann sass still und sehwieg, denn die Schnur hatte er mit sich aus Gásadal genommen, die Angeln aber hingen in Bö und er hatte keinen Köder. Der Vormann im Boot fragt ihn nun, warum er nicht auswerfe; er antwortet: „Kein Haken ist da und kein Bissen ist da.“ Der Huldermann gab ihm gleich Angel wie Köder, und die Angeln waren kaum am Grunde angekommen, als er es zucken fühlte und einen grossen Fisch herauszog; als er damit fertig war, ihn aufzuschneiden, und ihn ins Boot niederlegte, nahm ihn der Vormann und zeichnete ihn, und so wurde jeder Fisch, den er aufzog, gezeichnet. Als sie nun gute Fische in das Boot bekommen hatten, ruderten sie wieder nachhause und legten bei Akranes an derselben Stelle an, wo sie den Gásadalsmann aufgenommen hatten. Weil er den Tag in Eigenfischfang gesessen hatte, warfen sie jeden Fisch an das Land, den sie gezeichnet hatten. Als er an das Land gekommen war und seinen Fang aus dem Hulderboote mitgenommen hatte, merkte er erst, dass er sein Messer im Boote vergessen hatte: er rief ihnen da zu: „Das Scharfe am Schenkel ist zurück-geblieben.“ Der Huldermann nahm das Messer und warf es nach ihm, aber er traf ihn nicht; er rief da: „Sei verflucht, ein Glückskind bist du.“ Sie stiessen nun wieder vom Lande ab, aber der Huldermann sagte nun: „Ein Hund warst du, dass du mir nicht Dank für das Boot sagtest.“ – Es ist nicht gut, wenn das Huldervolk zu Wasser oder zu Land nahe ist (und wer weiss das?), Messer, Schwert, Axt, Köder, Rauch u. s. w. mit dem rechten Namen zu nennen, ausser mit anderen Worten wie „das Scharfe“, „Bissen“, „Hausschatten“ und dergl. Auch ist es nicht gut, dem Huldervolk zu danken, wenn sie einem etwas gutes thun, denn dann bekommen sie Gewalt, dem Menschen Schaden zu thun.
Erzählungen, welche dieser gleichen, die nun berichtet worden ist, gehen über einen Mann in Strendur und einen anderen in Eið auf Eysturoy, welche beide mit einem Hulderboote ausfuhren, und es wird erzählt, dass der letztere mit ihm den ganzen Winter ausruderte.