FÆREYÍNGA SAGA 57

Leif erschlägt Sigurden und dessen Verwandte.

Von Sigurd Thorlakson und Thord ist nun zu erzählen, dass sie sich an dem bestimmten Tage zur Reise dahin rüsten, und Sigurd treibt, sie möchten eilen. Thord sagt, ihn dünke nicht viel bei dieser Fahrt: „und ich glaube, du bist dem Tode nahe,“ sagt er, „weil du so sehr hierzu treibst. “ „Betrage dich nicht so wunderlich,““ sagt Sigurd, „und sei nicht so furchtsam, da keine Gefahr vorhanden ist, und wir wollen für keinen Preis von der Zusammenkunft, die wir verabredet haben, wegbleiben.” „Du magst bestimmen,“ sagt Thord, „mir aber kommt es nicht unerwartet, wenn wir nicht alle unbeschädigt heute Abend nach Hause zurückkehren.” Es fahren ihrer zwölf auf einem Schiff, und sie waren wohl gewaffnet. Sie hatten den Tag Sturm und heftige Strömungen, entgingen denselben aber glücklich und kamen bei Skufö an. Da sagte Thord, er wolle nicht weiter fahren. Sigurd sagte, er wolle auf den Hof hinauf gehen, und wenn er auch ganz allein ginge. Thord versetzt, er müsse zum Tode bestimmt sein. Sigurd steigt die Insel hinauf, er war in einen rothen Rock gekleidet, und hatte einen blauen bebänderten Mantel über seiner Schulter; er war mit einem Schwert umgürtet und hatte einen Helm auf dem Haupt. Er steigt die Insel hinauf, und wie er nicht weit mehr von dem Hause ist, da sieht er, dass die Thüren verschlossen sind; auf dem grünen Platz der Thüre gegenüber stand die Kirche, welche Sigmund hatte bauen lassen. Wie nun Sigurd zwischen die Wohnhäuser und die Kirche kam, sieht er, dass die Kirche offen ist, und eine Frau kommt aus der Kirche gegangen, gekleidet in ein rothes Gewand, und einen blauen Mantel hatte sie über den Schultern. Sigurd erkannte sie, dass es Thuride, die Hausfrau, war, und wendet sich zu ihr; sie grüsst ihn freundlich, und geht su einem Baumstamme, der auf dem Platze lag. Sie setzen sich nun auf den Baum, und sie will sich nach der Kirche hin wenden; er aber wollte sich nach der Hausthüre und von der Kirche wegwenden, sie aber bestand darauf, und sie wandten sich nach der Kirche hin: Sigurd fragte, was für Männer gekommen seien. Sie antwortet, es seien nur wenige da. Er fragte, ob Leif da sei; sie erwiedert, er sei nicht da. „Sind deine Söhne zu Hause?““ spricht er. „Ja, sie sind zu Hause,“ erwiedert sie. „Was habt ihr über unsern Antrag besprochen?” sagt Sigurd. „Wir haben gesprochen,“ antwortet sie, „dass wir Frauen alle von dir das Meiste halten, und von meiner Seite würde wenig Verzug sein, wenn du los und ledig wärest. „Mein Glück hat also einen grossen Mangel erlitten,” sagt Sigurd; „doch das lässt sich bald ändern, so dass ich wieder ein freier Mann werde.” „Das möge der Fall werden sagt sie. Und indem wollte er sie an sich ziehen, und schlang die Arme um sie, sie aber zog den bebänderten Mantel an sich, und in dem Augenblick sprang die Thür auf, und ein Mann mit gezogenem Schwert lief herzu, und das war Here Sigmunds Sohn; und wie Sigurd das sieht, duckt er sich nieder unter den Mantel und schlupft so hinaus, Thuride aber behält den Mantel zurück. Nun kommen mehrere Männer heraus, und Sigurd läuft weg aufs Feld. Here ergreift einen Spiess und läuft ihm nach aufs Feld, und er wird der schnellste; Here wirft den Spiess nach Sigurd, und Sigurd sieht, dass der Spiess auf seine Schultern gerichtet ist; da wirft er sich nieder auf die Erde, und der Spiess fliegt über ihn hinweg und bleibt in der Erde stecken. Sigurd steht eiligst auf und ergreift den Spiess, und wirft ihn zurück, und der Spiess fährt dem Here mitten durch den Leib, und er stürzte sogleich todt nieder. Sigurd läuft nun den schmalen Steig hinab, aber Leif kommt dahin, wo Here liegt, hält sich nicht dabei auf, sondern läuft weiter vorwärts auf der Insel, kommt ans Ende derselben und springt hinab, und die Leute sagen, es sei daselbst bis zum Strande hinab fünfzehn Faden. Leif kommt auf seine Füsse zu stehen, und läuft hin zu ihrem Schiffe, und Sigurd war an das Schiff gekommen und war im Begriff auf das Schiff zu springen; aber Leif hieb ihn mit dem Schwert in die Seite, und das Schwert ging ihm in den Unterleib hinein, wie es Leifen vorkam. Sigurd sprang jedoch auf das Schiff, und sie stachen vom Lande, und so gingen sie diesmal von dannen. Leif geht auf die Insel hinauf zu seinen Leuten und gebietet ihnen, sogleich zu Schiff zu steigen: „und wir müssen ihnen nachsetzen.“ Sie fragen, ob er von Heres Tode etwas erfahren oder Sigurd getroffen habe; er antwortete, es sei jetzt keine Zeit viel zu sprechen. Sie besteigen eiligst zwei Schiffe, und Leif hatte achtzig Mann, und ihre Abfahrt verzögerte sich sehr. Sigurd und seine Genossen landeten auf Strömö, und Sigurd hatte das Schiff gesteuert, und sprach wenig mit den andern. Wie er aber aus dem Schiffe stieg, fragte Thord, ob er auch schwer verwundet sei. Er erwiederte, er wisse es nicht genau. Sigurd geht zu dem Schiffsbehältniss, das dicht am Meere war, und legt seine Arme an die Wand desselben; die andern aber entladen das Schiff und gehen sodann hinauf zu dem Schiffsbehältniss, und sehen, dass Sigurd dabei steht, und starr und todt ist. Sie brachten die Leiche nach Hause, sagten aber nichts von dem, was vorgefallen war. Sie gehen darauf zum Abendessen, und wie sie beim Essen waren, kommen Leif und seine Genossen auf den Hof, und versuchen einen Angriff, und legen Feuer an. Thord und Gaut wehrten sich tapfer, und es waren ihrer eilf da; der Angreifer aber waren dreissig angekommen. Und wie das Feuer das Haus ergriff, läuft Gaut der Rothe hinaus, und kann es drinnen nicht länger aushalten. Steingrim, Sigmunds Sohn, und zwei andere greifen ihn an, er wehrte sich aber tapfer. Gaut hauet den Steingrim in das Knie und die Kniescheibe ab, und es war eine grosse Wunde, so dass er sein Lebenlang hinkte; auch erschlug er einen von den andern. Da kommt Leif Ossurson hinzu, und sie kämpfen mit einander, und das Ende ist, dass Leif Gauten erschlägt. Nun läuft Thord Lave hinaus, und ihm entgegen laufen Brand Sigmunds Sohn und zwei andere, und greifen Thord an; das Ende dieses Streits aber war, dass Thord den Brand und seine beiden Genossen erschlägt. Da kommt Leif Össurson hinzu, und durchsticht ihn mit demselben Schwerte, mit welchem er zuvor Sigurden, dessen Bruder, erlegt hatte, und Thord sank auf der Stelle todt zu Boden.