Von Leifs und seiner Gattinn Reise.
Leif und die andern machen sich nun auf die Fahrt; und es sind ihrer sieben auf dem Schiffe, und sie kommen nach Osterö; und es schlug den Tag viel Wasser in das Fahrzeug. Leif and die andern wurden sehr nass, Thora aber blieb trocken. Sie gingen auf den Hof Göte, und Thrand nahm sie freundlich auf, und liess für Leif uhd die andern ein Feuer anmachen. Thora aber wurde in die Stube geführt, und bei ihr war der Knabe Sigmund, ihr Sohn: er war damals neun Winter alt, und sah sehr kräftig aus. Seine Mutter fragte, was Thrand ihm gelehrt habe. Er aber sagte, er habe ihn gelehrt alle Processe führen und alle Rechtshändel abmachen für sich und Andere; das verstehe er vollkommen. Da frägt sie, was sein Pflegevater ihm im Christenthum gelehrt habe. Sigmund erwiederte, er habe das Pater noster und das Credo gelernt. Sie sagte, sie wünsche dieses zu hören: und er that, was sie wollte, und es däuchte ihr, dass er das Pater noster ziemlich richtig singe; Thrands Credo lautete aber so:
Allein nicht geh‘ ich aus,
Viere mir folgen,
Fünf Engel Gottes;
Für mich bet‘ ich Gebete,
Bete für Christum;
Sieben Psalme sing‘ ich:
Segen gebe mir Gott!
Und indem kommt Thrand in die Stube, und frägt, wovon sie sprechen. Thora erwiedert und spricht, Sigmund, ihr Sohn, habe ihr das hergesagt, was er ihm gelehrt habe, „und es däucht mir,“ spricht sie, „dass das Credo von dem andern abweiche.” Thrand erwiedert: „Du weisst, dass Christus zwölf oder mehrere Jünger gehabt hat, und jeder von ihnen hatte sein eigenes Credo: nun habe ich mein Credo; du aber hast das, welches du gelernt hast, und es sind viele Credo, und es ist nicht nöthig“ spricht er, „dass sie gleich sind, um richtig zu sein.” Weiter sprachen sie hier nicht. Am Abend ist für alle ein Mahl bereitet, und es ward tüchtig gezecht, und Thrand war überaus lustig; und Thrand sagt, man solle für sie in der Stube ein Lager bereiten, und ein breites Bette auf dem Estrich machen. Leif sagt, das ginge gut an. Thora sagt, sie wünsche, dass Sigmund ihr von seinen Fahrten erzähle, und diese Nacht bei ihr liege.““.Das kann nicht sein,“ sagt Thrand, „denn alsdann werde ich die Nacht nicht schlafen.“ „Das wirst du mir nicht abschlagen, lieber Thrand“ sagt sie, und es geschah, dass der Knabe bei ihr lag. Thrand aber hatte für sich eine kleine Kammer, und in dieser schlief er beständig, und der Knabe bei ihm und wenige Männer bei ihm, und Thrand ging in seine Kammer, und es war schon spät in der Nacht. Leif hat Lust zu schlafen und legt sich nieder und kehrt seiner Frau den Rücken zu; sie stosst ihn mit dem Arm in den Nacken and bittet ihn, nicht zu schlafen. „Stehet auf,” spricht sie „und gehet diese Nacht umher auf Osterö, und bohret alle Schiffe an, so dass kein einziges See halten kann.“ Und so thun sie; Leif war in jeder Bucht daselbst bekannt; sie verdarben sämmtliche Fahrzeuge, so dass kein einziges See halten konnte. Sie schlafen die Nacht nicht, stehen früh Morgens auf. Thora geht mit Sigmund eiligst hinunter zu Schiff, Leif aber geht hinunter in die Kammer, sagt dem Thrand Lebewohl und dankt ihm für die gute Bewirthung, und Thorn wolle, dass Sigmund mit ihr reise. Thrand hatte in der Nacht wenig geschlafen, und sagte, es könne nicht angehen, dass Sigmund mitreise. Leif geht eiligst zu Schiff, Thrand aber glaubte nun die ganze Sache zu durchschauen, und befiehlt seinen Hausleuten, seine Schute zu nehmen, die er hatte; sie sollten in grosser Zahl dahin eilen. So thun sie; aber die dunkelblaue See stürzt hinein, und sie sind froh, dass sie nur wieder ans Land kommen; und kein einziges Schiff auf der Insel kann Fahrt halten, und Thrand war gezwungen da zu bleiben, er mochte gut oder übel davon denken. Leif fährt nun, bis er nach Hause kommt, und ruft seine Leute zu sich. Es war gerade der Tag vorher, an welchem Sigurd und Thord sich einfinden sollten.