FÆREYÍNGA SAGA 46

Karl nimmt das Geld von den Verwandten entgegen.

Sie kommen zu Thrands Zelt; einige Männer standen draussen davor. Leif fragte, ob Thrand im Zelte wäre; sie sagten, er wäre drinnen. Leif sagte, sie möchten ihn bitten heraus zu kommen: „ich und Karl haben mit ihm etwas abzumachen.” Sie kommen aber zurück und sagen, Thrand habe Augenschmerz und könne nicht herauskommen, und baten, Leif und Karl möchten hineingehen. Leif sagte zu seinen Begleitern, sie möchten auf ihrer Hut sein, wenn sie in das Zelt kämen: „Dränget euch nicht, und der gehe zuerst hinaus, der zuletzt hineingeht.” Leif ging zuerst hinein, und demnächst Karl und seine Genossen, und sie waren vollständig bewaffnet, gleich als ob sie sich zu einer Schlacht rüsten wollten. Leif ging hin zu der schwarzen Decke, und fragte, wo Thrand wäre. Thrand antwortet und grüsst Leifen: dieser erwiederte den Gruss. Leif fragte, ob er einen Theil des Schosses von den Norderinseln eingetrieben habe, und auf welche Weise das Geld berichtiget werden solle. Thrand erwiedert, es sei ihm nicht aus dem Gedächtniss gekommen, was er und Karl abgemacht hätten, und sagte: der Schoss solle richtig erlegt werden: „Hier ist ein Beutel, Leif, den nimm nur — darin ist Silber.” Leif sahe sich im Zelt um und erblickte nur wenige Männer; einige lagen auf der Bank , und wenige sassen auf derselben. Leif ging zu Thrand und nahm den Beutel entgegen, und trug ihn nach vorn in dem Zelt, wo es helle war, schüttete das Silber in seinen Schild, rührte darin mit seiner Hand, und sagte, Karl möge das Geld ansehen; sie betrachteten es eine Weile. Da fragte Karl, was Leifen bei dem Gelde dünke. Dieser versetzte: „Ich glaube, alles schlechte Geld, was sich auf den Norderinseln findet, ist hieher gekommen.” Thrand hörte dieses und sagte: „Taugt das Geld nicht!” Leif erwiedert: „Nein, es taugt nichts,““ — sagt er. Thrand versetzte: „Es sind doch grosse Schurken, meine Verwandten, dass man sich auf sie in keinem Stücke verlassen kann; ich habe sie im Frühling ausgesandt, um den Schoss von den Norderinseln einzutreiben, denn ich habe diesen Frühling zu nichts getaugt; sie aber haben sich von den Bauern bestechen lassen und falsches Silber als Schoss angenommen, womit keinem gedient ist: und so wirst du, Leif auch das Geld hier sehen müssen, das mir als Urbede gezahlt worden ist.” Leif trägt nun das Silber zurück, nimmt einen andern Beutel und bringt ihn zu Karl, und sie untersuchten das Geld. Karl fragte nun, was Leifen bei dem Gelde dünke. „Schlecht” spricht er, und ich leugne nicht, dass bei Zahlungen, hinsichtlich welcher vorher nichts besprochen worden ist, man es wohl nehmen kann, aber für König Olaf will ich solch Geld nicht nehmen. Ein Mann, der auf der Bank lag, warf die Mütze von seinem Kopf und sagte: „Es ist doch ein altes wahres Wort: je älter, desto feiger. So geht es auch dir, Thrand; und du kannst es dulden, dass Karl von Möre den ganzen Tag dein Geld tadelt.” Dieser war Gaut der Rothe. Thrand sprang bei Gauts Worten auf, sprach heftig und machte seinen Verwandten starke Verwürfe. Endlich hörte er auf und sagte: Leif solle ihm das Geld wieder geben: „Aber nimm hier einen Beutel, den meine Landbauern mir im Frühling befahlt haben! und obgleich ich nicht gut sehen kann, so ist jedem die eigene Hand doch die getreuste.” Da sprang wieder ein Mann von der Bank auf: das war Thord der Lave (Kleine) und sagte: „Das ist keine kleine Schmach, die wir um dieses Karl von Möre willen leiden müssen, und er verdient seinen Lohn dafür.” Leif nimmt das Silber, und bringt es sofort zu Karl; sie besehen das Silber. Da sagte Leif: „Dieses Silber brauchen wir nicht lange zu besehen; hier ist jedes einzelne Stück besser, denn das andere; dieses Geld wollen wir annehmen; schaffe einen Mann her, Thrand, der darauf sehe, dass es gewogen wird.” Thrand versetzte: ihm scheine es am gerathensten, dass Leif an seiner Stelle darauf sähe. Leif und Karl gingen nun hinaus vor das Zelt, setzten sich daselbst nieder und wogen das Silber. Karl nahm den Helm von seinem Kopf und schüttete das Silber hinein, nachdem es gewogen war. Sie sahen einen Mann neben sich gehen, der hatte einen Speer in der Hand, einen flachen Hut auf dem Kopf, einen grünen Mantel um, und er war barfuss und trug linnene Hosen, die um die Fusse gebunden waren. Er steckte den Speer in die Erde, ging fort und sagte: „Sieh dich vor, Karl von Möre! dass mein Speer dir kein Leid zufüge!“