Sigmund Bresterson wird ermordet und verscharrt.
Nun müssen wir von Sigmund und seinen Genossen erzählen, dass sie eine Zeitlang schwammen, und nach Suderö wollten, wohin es am nächsten war, es war jedoch eine lange Seemeile. Wie sie die Hälfte des Sundes erreicht hatten, sagte Einer: „Hier müssen wir uns trennen.“ Sigmund sagte, das solle nicht geschehen und „lege dich mir auf die Schulter, Einar.“ Und so that dieser. So schwamm Sigmund eine Weile. Da sagte Thorer, der hinter ihm schwamm: „Wie lange willst du, Vetter Sigmund, noch einen todten Menschen hinter dir schleppen?“ „Das halte auch ich nicht für nöthig,“ spricht Sigmund. Nun schwammen sie so weit, dass nur noch ein Viertheil der Meerenge übrig war. Da sprach Thorer: „Unser ganzes Leben hindurch, Vetter Sigmund, sind wir zusammen gewesen, und haben uns beide herzlich geliebt: nun aber scheint es, dass unser Zusammensein aufhört; ich habe mich angestrengt so viel ich vermochte: suche du nun dich und dein Leben zu retten und gieb dir keine Mühe um mich, denn du bringst, Vetter, dein Leben nur in Gefahr, wenn du dich mit mir ziehest.“ „Das soll nimmermehr geschehen, – spricht Sigmund – dass wir so scheiden, Vetter Thorer, entweder müssen wir beide ans Land kommen, oder keiner von uns beiden.“ Sigmund nimmt nun Thorern auf seine Schultern: Thorer war so ermattet, dass er sich nicht im mindesten zu helfen wusste, Sigmund aber schwamm, bis er nach Suderö kam. Die Brandung ging stark an der Insel: Sigmund aber war so matt, dass er bald vom Lande wegtrieb, bald wieder hintrieb. Die Wellen spülten ihm Thorern von der Schulter, und dieser ertrank; aber Sigmunden gelang es endlich hinaufzukriechen, und er war so ermattet, dass er nicht gehen konnte, und er kroch das Ufer hinauf und versteckte sich in einen Tanghaufen. Es war in der Morgendämmerung, und er lag da, bis es Tag wurde. Nicht weit davon war ein kleiner Hof auf der Insel, der Sandvig hiess. Da wohnte ein Mann mit Namen Thorgrim der Böse, ein grosser und starker Mann und Pächter von Thrand zu Göte. Er hatte zwei Söhne, die Ormstein und Thorstein hiessen; sie waren hoffnungsvolle Jünglinge. Am Morgen ging Thorgrim der Böse ans Ufer, und hatte ein Schlachtbeil in der Hand: Er kam dahin und sah ein rothes Kleid aus dem Tanghaufen hervorscheinen; er scharrt den Tang bei Seite, und sieht, dass ein Mann darunter liegt; er frägt ihn, wer er sey. Sigmund nennt ihm seinen Namen. „Niedrig liegt nun unser Gebieter“ – sagte Thorgrim — „und wie hat sich dieses zugetragen!“ Sigmund er zählte ihm Alles, wie es sich begeben hatte. Nun kamen auch Thorgrims Söhne. Sigmund bat sie, sie möchten ihm helfen. Thorgrim übereilte sich hiermit nicht, und spricht heimlich zu seinen Söhnen: „Sigmund hat so viel Reichthum bei sich, wie es mir scheint“ — spricht er — „als wir niemals besessen haben, und der Goldring ist sehr dick: ich halte es für das Gerathenste, ihn todt zu schlagen und hernach zu verstecken; das wird niemals bekannt werden.“ Seine Söhne, widersprechen ihm eine Zeitlang, endlich aber stimmten sie ihm bei, und sie gehen nun hin, wo Sigmund lag, fassen ihn bei den Haaren, und Thorgrim der Böse hauet Sigmunden das Haupt mit dem Schlachtbeil ab, und auf solche Weise kam Sigmund ums Leben, der in jeder Hinsicht so ausgezeichnete Mann. Sie nehmen ihm nun die Kleider und Kostbarkeiten ab, tragen ihn darauf zu einem Erdhügel, und vergraben ihn da. Thorers Leiche war auch angetrieben, die graben sie neben Sigmund ein, und verscharren sie beide.