Von Sigmund.
Es wird erzählt, dass Sigmund eines Tages im Sommer nach der Insel Dimon fuhr, die sie Klein-Dimon nennen, und Thorer und Einar der Suderöer fuhren mit ihm. Sigmund wollte sich einige Schlachtschafe holen, die auf der Insel weideten; da sahen sie, dass Mannschaft daselbst ans Land auf die Insel kam, und ihre schönen Schilde gaben Wiederschein. Sie zählten sie, und zwölf Mann waren auf der Insel gelandet. Sigmund fragte, was für Leute das wohl sein könnten. Thorer sagte, nach seinem Dafürhalten müssten es die Bewohner von Göte sein, Thrand und dessen Verwandte. „Aber was für einen Beschluss sollen wir nun fassen?“ sagt Thorer. „Das ist nicht schwer,“ spricht Sigmund: „wir müssen ihnen mit unsern Waffen entgegenrücken, und wenn sie uns angreifen, müssen wir alle davonlaufen, doch so, dass wir uns alle an einem Orte sammeln, da wo der Gang auf die Insel hinauf ist. Thrand und die Seinen verabredeten unterdessen, Leif solle dem Sigmund entgegenrücken, und Thorlaks Söhne mit ihm und ein vierter Mann; dieses hörten Sigmund und die Seinen. Sie rückten nun gegen einander; Thrand und sein Haufe drangen sogleich auf sie ein; doch Sigmund und die Seinen liefen sogleich aus einander, der eine hierhin, der andere dorthin; aber sie sammelten sich alle an einem Platz, und liefen nach dem Aufgange, und fanden einen Mann daselbst. Sigmund kam zuerst daselbst an, und machte ihm bald das Garaus. Nun vertheidigte Sigmund den Aufgang, Thorer und Einar aber laufen nach Thrands Schiff: ein zweiter hielt hieselbst das Tau, ein dritter aber war auf dem Schiffe. Thorer lief hin zu dem, der das Tau hielt, und schlug ihn todt; Einar lief unterdess zu Sigmunds Schiff, und machte es flott. Sigmund vertheidigte den Aufgang, und sprang darauf hinab ans Ufer, um auf ihr Schiff zu kommen, und am Ufer erschlug er einen von ihren Leuten, und sie beide, er und Thorer, liefen auf das Schiff. Sigmund warf den, der auf dem Schiffe war, sogleich über Bord. Nun ruderten sie fort mit beiden Schiffen; der Mann aber, den Sigmund über Bord geworfen hatte, schwamm ans Land. Thrand und seine Leute steckten nun Holzhaufen an (= Sie machten Notfeuer.); die Ihrigen ruderten hin zu ihnen, und sie fuhren zurück nach Göte. Sigmund rief seine Leute zusammen, und beabsichtigte Thrand auf der Insel zu greifen, ehe er erfuhr, dass sie schon von dannen wären. Und einige Zeit nachher im Sommer fuhr Sigmund selbdritte zu Schiffe, um seine Pacht zu heben. Sie ruderten in einem schmalen Sunde zwischen einigen Inseln, und wie sie aus dem Sunde heraus kamen, segelte ihnen ein Schiff entgegen, und es war ihnen schon ganz nahe. Sie erkannten die Menschen auf demselben, und es waren die Bewohner von Göte, Thrand mit eilf andern. Thorer sagte: allzu nahe sind sie uns nun gekommen, spricht er, und was willst du nun thun, Vetter Sigmund?“ „Nur wenig ist hier zu thun – aber den Beschluss wollen wir fassen,“ erwiederte Sigmund, „dass wir auf sie los rudern: sie werden dann das Segel streichen; und wann unser Schiff bei ihrem Schiffe vorbeifährt, müsset ihr eure Schwerter ziehen, und die Haupttaue an der Seite, wo das Segel nicht gestrichen wird, zerhauen; ich aber will unterdessen thun, was mir das Beste däucht.“ Nun rudern sie ihnen entgegen, und indem Sigmunds Schiff dem andern zur Seite kommt, zerhauen Thorer und Einar alle Seile an der Seite, wo das Segel nicht gestrichen war. Sigmund ergreift darauf einen Bootshaken, der auf seinem Schiffe lag, und stiess mit solcher Gewalt gegen Thrands Schiff, dass der Kiel desselben umschlug; er stiess nämlich den Haken gegen die Seite des Schiffs, wo das Segel gestrichen war, und nach welcher das Schiff sich schon zuvor hinneigte; wie er nun mit aller Gewalt stiess, so schlug das Schiff eiligst um, und fünf von Thrands Lenten ertranken. Thorer sagte, sie müssten einen jeden, der ihnen nahe käme, totschlagen; Sigmund aber sagte, das wolle er nicht, und er wolle sie lieber auf diese Weise be schämen. So schieden sie nun von einander. Da sagte Sigurd Thorlakson: Dieser Anschlag gegen Sigmund bringt uns eben so viel Schimpf und Schaden als der vorige;“ er richtete das Schiff wieder auf, und barg viele von den Leuten. Thrand sagte, wie er wieder auf das Schiff kam: „Von nun an wird das Glück zwischen uns und Sigmund sich ändern“ – sagt er – „denn er hat in hohem Grade unbedachtsam gehandelt, dass er uns nicht getötet hat, da er die schönste Gelegenheit dazu hatte: wir wollen sie besser benutzen, und nicht eher nachlassen, als bis wir Sigmunden aus der Welt geschafft haben.“ Sie erwiederten, das wollten sie gerne thun. Nach diesen
Verrichtungen fahren sie zurück nach Göte. Der Sommer verging, und für diesmal liessen sie es bei dem, was geschehen war, bewenden.