FÆREYÍNGA SAGA 30

Sigmund fährt ab, um das Christenthum auf den Färöern ze verkündigen.

Wie es Frühling wurde, kam eines Tages der König zu Sigmund, um mit ihm zu sprechen, und sagte, er wolle ihn zu den Färöern senden, um das Volk daselbst zum Christenthum zu bekehren. Sigmund suchte diesen Auftrag abzulehnen; am Ende fügte er sich aber in den Willen des Königs. Der König ernannte ihn zum Befehlshaber über die sämmtlichen Inseln, und gab ihm Geistliche mit, um das Volk zu taufen und es in den nothwendigsten Kenntnissen zu unterrichten. Sigmund segelte ab, sobald er fertig war, und er hatte eine glückliche Fahrt. Wie er aber auf den Färöern ankam, berahmte (sic!) er für die Insassen ein Thing auf Stromö; es kamen viele Menschen zu demselben. Wie die Versammlang da war, stand Sigmund auf und hielt eine lange Rede, und sagte darin: er sei östlich in Norwegen gewesen bei König Olaf Tryggveson; sagte auch, der König habe die sämmtlichen Inseln unter seinen Befehl gestellt. Die meisten Bonden nahmen dieses wohl auf. Da sagte Sigmund: „Ich will euch auch zu wissen thun, dass ich meinen Glauben vertauscht habe und ein Christ geworden bin, auch habe ich von König Olaf den Auftrag und Befehl, alle Bewohner dieser Inseln zum wahren Glauben zu bekehren.“ Thrand erwiedert auf diese Rede und sagte, es sei billig, dass die Bonden sich über diesen wichtigen Gegenstand besprächen. Die Bonden sagten, das sei gut gesprochen. Sie gingen darauf nach der andern Seite des Thingplatzes; Thrand nahm nun das Wort und sagte zu den Bonden, es sei das Gerathenste diesen Antrag sogleich abzulehnen, und er brachte es durch seine Überredung dahin, dass sie alle hierin einig waren. Da nun Sigmund sahe, dass alles Volk sich zu Thrand schlug und dass kein einziger bei ihm blieb ausser seine Leute, welche Christen waren, so sagte er: „Ich habe Thranden zu viel Gewalt eingeräumt.“ Hierauf stürzte das Volk haufenweise dahin, wo Sigmund und seine Leute sassen; sie hoben ihre Waffen in die Luft und zeigten sich nicht friedsam. Sigmund und die Seinen sprangen ihnen entgegen. Da sagte Thrand: „Lass das Volk sich niedersetzen und sich nicht so heftig gebehrden: das aber will ich dir sagen, Vetter Sigmund, dass wir Bonden sämmtlich darin einig sind, auf den Antrag, den du gemacht hast, dieses zu erwiedern, dass wir auf keinerlei Weise unsern Glauben verändern wollen, und wir wollen dich hier auf dem Thing angreifen und tödten, wenn du davon nicht ablässest, und uns nicht gelobst von dieser Botschaft niemals auf den Inseln zu sprechen.“ Da nun Sigmund sieht, dass er jetzt für den Glauben nichts ausrichten könne und dass er nicht stark genug sei, um es mit dem ganzen Volk aufzunehmen, das dort zusammengekommen war, so gelobte er nothgedrungen mit Wort und Handschlag Jenes, und hiermit schloss das Thing. Sigmund blieb den Winter über auf Skufö, und war darüber sehr ärgerlich, dass die Bonden ihn hierzu gezwungen hatten; er liess sich jedoch nichts hiervon merken.