FÆREYÍNGA SAGA 24

Sigmund stösst auf Thrand.

Nun ist zu berichten von Sigmund und seiner Mannschaft, dass sie günstigen Wind bekamen; und sie segeln nun an die Inseln heran, und sehen, dass sie an die östliche Seite der Inseln gekommen sind, und auf Sigmunds Schiff sind Einige, welche die Gestalt des Landes kennen, und sie waren nahe an Osterö gekommen. Sigmund sagte: er gehe besonders darauf aus, Thrand in seine Gewalt zu bekommen. Aber wie sie dicht an der Insel fahren, kommt ein Sturmwind ihnen entgegen, so dass es lange dauerte, ehe sie an die Insel herankommen konnten; aber endlich erreichen sie Svinö, denn sie hatten erfahrene und tüchtige Männer an Bord: sie kommen in der Morgendämmerung daselbst an. Vierzig Mann laufen sogleich auf den Hof, zehn aber bewachen das Schiff. Sie umringen die Wohnung, brechen sie auf, ergreifen den Bonden Bjarne in seinem Bette und schleppen ihn hinaus. Bjarne fragt: wer der Anführer dieses Zuges sei. Sigmund nannte seinen Namen. „So willst du also grausam gegen den sein, der dir nichts als Böses in dem Treffen erzeigt hat, in welchem dein Vater erschlagen wurde: ich will dir zwar nicht verhehlen, dass ich dabei war, aber ist dir entfallen, was ich hinsichtlich deiner rieth, wie der Vorschlag gemacht wurde dich zu tödten, dich und deinen Vetter Thorer? ich sagte aber, dass man mich eher tödten sollte, als euch.“ „Das weiss ich sehr wohl,“ sagte Sigmund. …Wann soll mir dieses vergolten werden?“ sagte Bjarne. „Jetzt,“ sagte Sigmund, „dir soll Friede gewährt sein; aber für das Übrige will ich allein sorgen.“ „Ja, das sollst du auch,“ sagte Bjarne. „Du sollst mit uns fahren,“ sagte Sigmund, „nach Osterö.“ „Eher kommst du zum Himmel als dahinauf,“ sagte Bjarne, „so lange dieser Wind steht.“ „Dann sollst du mit uns nach Skufö fahren, falls Össur zu Hause ist.“ „Das soll von dir abhängen,“ sagt Bjarne; „ich denke aber, dass Össur dort ist.“ In der folgenden Nacht fahren sie nach Skufö, und kommen wieder in der Morgendämmerung bei der Insel an. Es traf sich für Sigmund so glücklich, dass daselbst auf Skufö gar keine Wache auf dem schmalen Steige war. Sie gehen schnell hinauf, und fünfzig Mann mit ihnen, die Bjarne ihnen gab; sie kommen an die Schanze, und Ossur mit seiner Mannschaft ist auf der Schanze, und Össur frägt, wer die Männer seien, die da gekommen wären. Sigmund nannte sich bei Namen. „Du musst wohl glauben, hier bei uns ein Geschäft zu haben; ich will dir Vergleich anbieten,“ sagte Össur, „und die besten Männer auf den Färöern sollen unsere Angelegenheit schlichten.“ „Nein,“ sagte Sigmund, „von Vergleich kann zwischen uns nicht die Rede sein: ich muss allein bestimmen.“ „Auf diese Weise,“ sagt Össur, „vergleiche ich mich mit dir nicht, dass ich dir die Herrschaft übergebe — ich sehe keinen solchen Abstand weder zwischen uns Männern noch zwischen unsern Sachen, dass ich dessen bedürfte.“ Sigmunds Antwort war, dass er zu seinen Mannen sagte, sie sollten den Spottvogel auf der Schanze angreifen: „ich aber will mittlerweile darüber nachdenken, was ich zu thun habe.“ Harald Jarnhaus war ein harter Rathgeber und verwarf jeden Vergleich. Össur hatte dreissig Mann auf der Schanze, und sie war schwer anzugreifen. Össur hatte einen Sohn mit Namen Leif; dieser war damals noch ein kleines Kind. Nun greifen Sigmunds Mannen die Schanze an, jene aber vertheidigen sie. Sigmund geht unterdess um die Schanze und betrachtet sie. Seine Rüstung war folgende: Er hatte einen Helm auf dem Haupt, und ein Schwert im Gürtel, in der Hand hatte er eine mit Silber beschlagene, an beiden Seiten hakenartig gebogene Streitaxt, das beste Waffenstück, der Schaft war umwunden; sein Rock war roth, und einen leichten Brustharnisch trug er darüber, und Freunde und Feinde sagten, dass solch ein Mann, wie er, niemals auf den Färöern gesehen worden sei. Und Sigmund wird gewahr, dass die Mauer der Schanze an einer Stelle etwas eingestürzt und etwas leichter als an den andern Stellen zu ersteigen war; er geht einige Schritte von der Schanze zurück, macht einen starken Anlauf, und springt so hoch hinauf, dass er die Axt oben an der Mauer der Schanze anhakt, und nun klettert er rasch an dem Schaft der Axt hinauf, und kommt solchergestalt auf die Schanze. Schnell kommt ein Mann ihm entgegen und hauet mit dem Schwert nach ihm. Sigmund wehrt den Hieb mit der Axt ab, und stösst schnell nach ihm mit der Spitze der Axt, so dass die Axt ihm tief in der Brust stecken bleibt und er auf der Stelle des Todes ist. Dieses wird Össur sofort gewahr; er stürzt auf Sigmund los und hauet nach ihm, aber dieser wehrt den Hieb wiederum ab, und hauet nach Össur mit der Axt und hauet ihm die rechte Hand ab, so dass sein Schwert zur Erde fällt; darauf haut Sigmund zum zweitenmal Össurn in die Brust, so dass die Axt tief hineingeht, und Össur niederstürzt. Mehrere Männer dringen nun auf Sigmund ein — er aber springt rückwärts von der Schanze hinab und kommt unten auf den Füssen zu stehen. Nun entsteht ein Zusammenlauf um Össur, bis er völlig todt ist. Hierauf sagt Sigmund zu der Mannschaft, die in der Schanze zurückgeblieben war, eine doppelte Wahl stehe ihnen frei: sie möchten wählen, ob er sie in der Schanze aushungern oder verbrennen sollte, oder ob sie mit ihm einen Vergleich eingehen und sich ihm übergeben wollten. Sie überlassen ihm nun die Obergewalt und übergeben sich ihm. Hinsichtlich Thorers aber muss erzählt werden, dass er nach Suderö kam und mit Sigmund zusammen traf, nachdem dieses Alles vorgefallen war. – Nun gehen Boten zwischen Sigmund und Thorer auf der einen, und Thrand auf der andern Seite zum Vergleich, und es kam zu einem Waffenstillstande, und es wurde eine Zusammenkunft zwischen ihnen anberahmt (sic!) zu Thorshafen auf Stromö, wo die Thingstätte der Färöer war. Hierher kamen Sigmund und Thrand mit einem grossen Gefolge, und Thrand war sehr heiter. Es wurde nun wegen des Vergleichs unterhandelt. Thrand sagte: „Es war ungebührlich, Vetter Sigmund, dass ich bei dem Treffen war, in welchem dein Vater erschlagen wurde“ – sprach er, darum will ich dir einen Vergleich anbieten, der für dich ehrenvoll ist und mit dem du zufrieden sein kannst: ich will nämlich, dass du die ganze Sache zwischen uns abmachest. „Das will ich nicht,“ sagte Sigmund, „ich will, dass Jarl Hakon die ganze Sache abmache, sonst vergleiche ich mich nicht, und so halte ich es für das Beste. Lass uns beide zu Jarl Hakon ziehen und uns dort vergleichen.“ „Lieber sehe ich es, Vetter,“ sagte Thrand, „dass du entscheidest, und ich bedinge mir bloss, auf den Inseln bleiben und die Herrschaft behalten zu dürfen, die ich habe.“ „Dann wird aus dem Vergleich nichts,“ sagte Sigmund, „wenn du auf meinen Vorschlag nicht eingehst.“ Und wiewohl Thrand sahe (sic!), dass das Andere härter war, so verglichen sie sich doch dahin, dass sie beide im Sommer nach Norwegen ziehen wollten. Das eine Schiff fuhr im Herbst nach Norwegen, mit vielen von den Männern, die Sigmund von dort her gefolgt waren. Sigmund blieb nun den Winter über in Skufö, und Thorer, sein Verwandter, mit ihm und Harald Jarnhaus und viele Männer mit ihnen. Sigmund hatte viel Pracht, und schmückte seine Wohnung auf das Herrlichste aus. Der Winter vergeht, und Sigmund legt sein Schiff aus. Auch Thrand rüstet eines seiner Frachtschiffe aus. Jeder von ihnen wartet auf den andern. Sigmund segelt ab, sobald er fertig ist. Mit ihm fuhren Thorer, Harald Jarnhaus und nahe an zwanzig Mann. Sie landen bei Söndmöre in Norwegen; erkundigen sich nach Jarl Hakon; erfahren, dass er nicht fern von dort sei, und gehen sogleich zu ihm. Jarl Hakon empfängt Sigmunden und seine Genossen freundlich. Sigmund berichtet ihm den Vergleich, den er mit Thrand gemacht hatte. Der Jarl erwiedert: „Thrand hat dich überlistet: ich bin überzeugt, dass er sich nicht sehr sputen wird zu mir zu koinmen.“ Der Sommer verläuft, und Thrand kommt nicht. Da kam ein Schiff von den Färöern, und die Leute auf demselben sagten, Thrand sei zurückgetrieben, sein Schiff sei leck geworden und habe nicht See halten können.