Treffen zwischen Sigmund und Harald.
Wie aber der Frühling kam, frägt Jarl Hakon Sigmunden, wohin er im Sommer zu heeren gedenke. Sigmund antwortet, das solle von seiner Bestimmung abhangen. „Diesmal will ich dich nicht antreiben, dich aufzumachen und die Schweden zu necken, sondern ich will, dass du nach Westen über das Meer gegen die Orkenöer ziehest. Dort wirst du wohl einen Mann treffen, der Harald Jarnhaus (Eisenhaus/Eisenstirn) heisst; er ist von mir des Landes verwiesen und mein grösster Feind und hat in Norwegen viel Unbill verübt, er ist ein tüchtiger Kerl; ich wünsche, dass du ihn erschlägst, wenn du dazu kommen kannst.“ Sigmund antwortet, er werde ihn schon finden, wenn er ihn erfragen könnte. Nun segelt Sigmund mit acht Schiffen von Norwegen, und Thorer lenkt den von Vandil, Sigmund aber den von Randver erbeuteten Drachen. Sie segeln nach Westen über das Meer, und machen während des Sommers nur kleine Beute. Gegen das Ende des Sommers kommen sie mit ihren Schiffen unterhalb Angulsõ, die im Meer von England liegt. Da sahen sie schon Schiffe vor sich liegen, und ein grosses Drachenschiff war mit darunter. Sigmund erhält sogleich davon Kunde, dass Harald Jarnhaus diese Schiffe befehlige: sie verabreden unter sich die Schlacht zum kommenden Morgen. Die Nacht verstreicht, und Morgens, wie der Tag grauet, greifen sie zu den Waffen, und schlagen sich den ganzen Tag hindurch bis zur Nacht; das Dunkel trennt sie, und sie verabreden das Treffen am Morgen wieder anzufangen. Und am andern Morgen ruft Harald nach Sigmunds Schiff hinüber, und frägt ihn, ob er wolle, dass der Kampf wieder beginnen solle. Er antwortet: er denke nicht anders. „Ich will dir nun sagen,“ spricht Harald, „was ich bisher noch nie gesagt habe, dass es mein Wunsch ist, dass wir Waffenbrüder werden und nicht länger fechten.“ Die Mannschaft auf beiden Seiten rieth hieyu, und sagte, es sei wünschenswerth, dass sie sich vertrügen und gemeinschaftliche Sache machten, dann würden wenige ihnen Widerstand leisten. Sigmund sagte, ein Umstand stehe dem Vertrage im Wege. „Was für einer ist das?“ spricht Harald. Sigmund antwortet: „Jarl Hakon hat mich hieher geschickt, dass ich dich tödten soll.“ „Von dem konnte ich wohl nur Böses erwarten,“ spricht Harald, und ihr seid euch sehr ungleich, denn du bist ein sehr wackerer Mann, aber Hakon ist ein sehr schlechter Mann.“ „Über diesen Punct denken wir sehr verschieden,“ sagt Sigmund. Die Mannschaft von Beiden hatte indess unternommen, sie mit einander zu vergleichen, und das Ende ist, dass sie sich vertragen und alle ihre Beute zusammenwerfen. Und sie heerten nun weit den Sommer über, und Wenige leisteten ihnen nun Widerstand. Aber wie der Herbst kam, sagte Sigmund, er wolle nach Norwegen fahren. „Dann müssen wir uns trennen,“ antwortet Harald. „Nein, das soll nicht geschehen,“ sagte Sigmund. „Ich will, dass wir beide nun nach Norwegen fahren – so habe ich doch zum Theil gehalten, was ich dem Jarl Hakon versprach, wenn ich dich zu ihm bringe.“ „Wie kann ich zu meinem ärgsten Feinde gehen?“ „Dafür lass mich nur sorgen,“ spricht Sigmund. „Beides hat seine Richtigkeit,“ sagte Harald, „dass ich dir traue, und auch, dass du dich auf die Sache verstehst; du magst also dafür sorgen.“ Hierauf segelten sie nordwärts nach Norwegen und kamen nach Hördeland. Da wird ihnen gesagt, Jarl Hakon sei auf Nordmöre und sei in Bergund. Sie steuern dorthin und legen ihre Schiffe in Steenwaag vor Anker. Sigmund macht sich nun hin nach Bergund mit zwölf seiner Mannschaft auf einem Ruderboot, um Jarl Hakon zuerst zu treffen, Harald aber bleibt mitlerweile in Steenwaag. Wie nun Sigmund zu Jarl Hakon kommt, sitzt dieser am Trinktisch. Sigmund tritt alsbald vor den Jarl, und begrüsst ihn mit Ehrerbietigkeit. Der Jarl empfing ihn freundlich und fragt ihn nach Neuigkeiten, und lässt einen Stuhl für ihn hinsetzen: und dieses geschah. Sie sprachen eine Zeitlang, und Sigmund erzählt ihm von seinen Fahrten, aber davon sagt er nichts, dass er Jarnhaus getroffen. Wie aber Hakon die Zeit zu lang däuchte, ehe er hierauf kam, so fragt er: ob Sigmund Haralden getroffen habe. „Ja wohl,“ sagte Sigmund, und erzählt ihm was vorgegangen war, und dass sie sich vertragen hätten. Der Jarl schweigt und ward über und über roth im Gesicht, und sagte nach Verlauf einiger Zeit: „Öfter hast du meinen Auftrag besser ausgerichtet als diesmal.“ „Der Mann ist jetzt hergekommen, Herr,“ spricht Sigmund, „in eure Gewalt, und ich glaube, dass ihr um meinetwegen Haralden Verzeihung gewähret und ihm verstattet frei und sicher an Leib und Leben hier im Lande sich aufzuhalten.“ „Das kann nicht geschehen,“ sagte der Jarl, „ich werde ihn todtschlagen lassen, sobald ich ihn bekomme.“ „Ich biete euch meine Bürgschaft für ihn an, Herr,“ spricht Sigmund, „und so viel Habe und Gut, als ihr nur allermeist fordern möget.“ „Nein, er kann keine Verzeihung von mir erhalten,“ sagte der Jarl. Sigmund antwortet: „Mit gar wenig Nutzen habe ich dir gedient, wenn ich nicht einmal einem Manne Frieden und Verzeihung verschaffen soll – und ich will fort aus diesem Lande und dir nicht länger dienen; aber ich sage dir – es wird dir etwas kosten, bevor er den Tod findet.“ Sigmund springt auf und geht heraus aus der Stube; der Jarl aber bleibt sitzen und schweigt, und Keiner wagt für Sigmund zu bitten. Endlich nahm der Jarl das Wort: „Nun ist Sigmund böse geworden,“ sprach er, und Schade ist es für mein Reich, wenn er fortzieht, und das kann nicht sein Ernst sein.“ „Das ist gewiss sein Ernst,“ sagten seine Mannen. „Eilet ihm nach,“ sagte der Jarl, „und wir wollen uns auf die Bedingung, die er gemacht hat, vergleichen.“ Nun gehen die Leute des Jarls zu Sigmund und sagen ihm dieses; und nun geht Sigmund zum Jarl; und der Jarl grüsst ihn nun zuerst und sagte, sie wollten sich auf die Bedingung, die er früher angeboten habe, vergleichen: „Ich will nicht, dass du von mir ziehest.“ Da nahm Sigmund Frieden und Verzeihung von Jarl Hakon für Harald entgegen, und Sigmund fährt nun hin zu Harald und sagt ihm, wie es sich begeben habe, dass die Verzeihung zu Stande gekommen. Harald sagte, dem Jarl sei schlecht zu trauen; sie fuhren jedoch hin zu dem Jarl, und der Vergleich geschah auf jene Bedingung. Harald fuhr hierauf nordwärts nach Halogeland. Sigmund aber blieb bei dem Jarl den Winter über und war bei ihm in grosser Gunst; und Thorer, sein Vetter, und ein grosser Theil seiner Mannschaft war auch bei ihnen. Sigmund hielt seine Leute gut sowohl an Kleidern als Waffen.