Thorkels Erzählung.
Hierauf berahmen die Upländer ein Thing, und Thorkel Barfrost wird auf dem Thing des Landes verwiesen. Als er und sein Vater dieses erfuhren, sprach der letztere: Thorkel könne nicht länger bei ihm bleiben, so lange sie vorzüglich nach ihm suchen würden.
„Du musst dich, Sohn,“ sprach er, „nach dem Bach wenden, der dicht vor unserm
Hofe fliesst; längs dem Bach sind grosse Klüfte, und in diesen Klüften ist eine Höhle, und diesen Zufluchtsort kennt niemand ausser mir; dahin musst du gehen und Speise mit dir nehmen.“ So thut Thorkel; und er ist in der Höhle, während sie am meisten nach ihm suchen; und er wird nicht gefunden. Der Aufenthalt wird ihm aber langweilig, und einige Zeit nachher geht er fort aus der Höhle und hin zu dem Hofe, den Thoralf der Bonde besessen hatte, und entführt nun Ragnhild zum zweitenmal und brachte sie auf Gebirge und in Einöden: und hier, wọ ich mir jetzt meine Wohnung erbaut habe, blieb ich“ – sprach er – „und hier bin ich seitdem gewesen, und Ragnhild mit mir achtzehn Winter, und so alt ist auch meine Tochter Thuride. Nun habe ich euch meine Lebensgeschichte erzählt,“ spricht er. — „Merkwürdig erscheint mir deine Erzählung, Pflegevater,“ sagt Sigmund, „aber nun will ich dir sagen, dass ich deine Wohlthat und Erziehung nicht gut belohnt habe, denn deine Tochter sagte mir, als wir schieden, dass sie schwanger sei, und niemand anders ist Schuld daran als ich; und deshalb besonders zog ich fort, weil ich dachte, dass könnte Spaltung zwischen uns geben.“ Thorkel erwiedert: „Lange habe ich gewusst, dass zwischen euch ein Liebesverständniss war, and ich will es euch auch nicht wehren.“ Sigmund sagte: „Darum bitte ich dich, lieber Pflegevater, dass du Thuride an keinen Andern verheirathest, denn sie will ich zur Frau haben, oder sonst keine. Thorkel erwiedert (sic!): Meine Tochter kann keinen bessern Mann bekommen als dich; aber das verlange ich von dir, Sigmund, dass du, wenn du mit hohen Herren in Verbindung kommst, dich meiner erinnerst, und mich wieder in Friede und Ausgleichung mit meinen Gebietsgenossen bringst, denn ich bin des Aufenthalts in diesen Einöden satt und müde.“ Sigmund versprach dieses, wenn es ihm gelingen würde, und nun trennten sie sich. Die beiden Vettern wandern fort, bis sie zu Jarl Hakon nach Lade kamen; dort hatte er seinen Sitz. Sie treten vor den Jarl und begrüssen ihn; er aber nahm es wohl auf und fragte, wer sie seien. Sigmund sagte, er sei Bresters Sohn; „dessen,“ sprach er, „der eine Zeitlang euer Landvogt war auf den Färöern, und dort erschlagen ist: und ich bin deswegen zu euch gekommen, Herr! weil ich mir eine gute Aufnahme bei euch verspreche, und möchte gern euer Dienstmann sein, ich und dieser mein Vetter.“ Jarl Hakon sagte, er könne nicht wissen; was für ein Mann er sei; „doch du bist Brestern nicht ungleich: du wirst aber schon selbst deine Herkunft bewahrheiten – mittlerweile soll es dir an Speise und Trank nicht gebrechen,“ und er wiess ihnen den Sitz bei den Gästen an; und Svend Hakonson war damals jung, und an dem Hofe seines Vaters.