Die Faerøer-Gruppe. Segelhandbuch 1895 – Teil 8

Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie 1895 (23) Seite 345-354 und 403-414 [FAB-0312]

(Hierzu Tafel 1 und Tafel 2.)

Auf Veranlassung der Direktion der Seewarte aus dem neuesten dänischen Segelhandbuch übersetzt von Kapt. z. See a. D. Broeker.

Naalsø und Strømø.

Thorshavn. Strømø ist die größte und wichtigste der Inseln, hier liegt die Hauptstadt Thorshavn, wo der Amtmann der Faerøer-Inseln mit den meisten Beamten wohnt. Schiffe können hier ärztliche Hülfe, Wasser und frische Nahrungsmittel erhalten, sowie Assistenz bei kleineren Schiffsreparaturen und Ausbesserung kleiner Havarien.

Ansegelung. Wenn man von außen nach Thorshavn hinein will und die gut erkennbare Naalsø (Vertonung No. 9) ausgemacht hat, kann man je nach Umständen Nord oder Süd um diese Insel laufen. Segelschiffen wird die nördliche Einfahrt empfohlen, da der von NO kommende Strom in der Regel stärker ist als der von SSW kommende, so daß man beim „Süd um Naalsø halten“ große Schwierigkeit im Aufkreuzen haben wird.

Naalsø-Feuer. Auf der Südostspitze von Naalsø, innerhalb von Kabelen, ist ein weißes Blinkfeuer eingerichtet, welches jede halbe Minute einen Blink von 5 Sekunden Dauer zeigt. Die Höhe des Feuers ist 220 Fuß, die Sehweite 21 Sm. Der weiße Feuerthurm ist 46 Fuß hoch. Brennzeit vom 20. Juli bis 20. Mai. Errichtet 1893.

Baaren-Feuer. Auf der Südwestspitze von Naalsø Baaren steht ein festes Winkelfeuer, welches weißes Licht von SO bis frei südlich von Kirkebonaes zeigt, farbiges Licht (roth in der südlichen und grün in der nördlichen Hälfte) aber über die Küste zwischen Kirkebonaes und Glovernaes und wieder weißes Licht von recht frei nordöstlich von Glovernaes bis Tjernenaes. Die Höhe des Feuers ist 123 Fuß. Sehweite 11 Sm für das weiße, 9 Sm für das rothe und 7 Sm für das grüne Licht. Das Feuer ist auf einem vierkantigen weißen 12 Fuß hohen Holzgebäude angebracht. Brennzeit vom 20. Juli bis 20. Mai. Errichtet 1893.

Strom. Die Fluth läuft in den Naalsø-Fjord hinein, dem Fahrwasser zwischen Naalsø und Strømø und nach dem Passiren des Fjords südlich. Kurz nachdem sie beginnt, entsteht dort auf der Nordspitze von Naalsø eine Ide längs dem Lande. Diese erweitert sich allmählich gegen Süd und wird gleichzeitig breiter und breiter, im harten Strom kann sie sich sogar über ein Drittel der Fjordbreite erstrecken. Diese Ide kann von Schiffen benutzt werden, welche mit der Fluth durch die südliche Einfahrt hinein wollen, in welcher sie den Strom mit haben, wenn sie sich nahe unter Naalsø halten, dessen Küste rein ist. Wenn man von Süd einkommt mit Ebbe, möge man dagegen nicht zu nahe unter Strømø laufen, weil dort streckenweise von Glovernaes und von Süd eine Ide längs dem Lande läuft. Bei Ebbe kann es zweckmäßig werden, die nördliche Einfahrt zu benutzen, bei welcher man sich den Umstand zu Nutze machen kann, daß die Ebbe außerhalb Naalsø sechs Stunden einläuft, aber in den Fjord hinein kaum vier, während die Fluth dort acht Stunden läuft.

Lootsen. Wenn man in den Naalsofjord hinein gekommen ist, wird man immer durch Setzen der Lootsenfagge Lootsen an Bord bekommen.

Grund. Wenn man sich der Rhede nähert, soll man sich vor den Schären und Gründen, welche südsüdöstlich von Skandseodden (Feuer-Spitze) liegen, hüten. Man läuft frei von diesen, indem man den Bergbach bei Sandegjaerde frei von der nächsten Spitze nördlich davon hält.

Hafenfeuer. Auf der südlichen Ecke der nun niedergelegten Schanze ist ein Hafenfeuer angebracht, welches rund um den Horizont herum leuchtet. Es hat eine weiße Linsenlaterne, welche auf einem Pfahl angebracht ist. Die Höhe des Feuers ist ca 35 Fuß über Wasser. Die Sehweite ist 8 Sm. Es brennt vom 1. September bis zum 30. April.

Thorshavn-Rhede ist eine von den weniger guten Ankerplätzen auf den Faerøer-Inseln wegen der See und wegen der Koller, welche bei harter Kühlte aus NO und SO hineinstehen. Bei westlichem Winde ist der Ankerplatz auch kaum gut, während bei östlichem Winde Naalsø genügende Deckung bietet, aber nicht verhindert, daß Dünung hineinsteht. Man kann streckenweise ankern von Vestre Vaag herunter bis gegen Gløvernaes, da der Grund hier Sand ist, während man von da aus nach Süd Steine findet. Eine gute Ankerpeilung ist der Thurm
des Amtmannshauses in Ostseite von Thingenaes und je nach Schifisgröße „Ostnaes“ mehr oder minder frei von Skandseodden. Hier hat man 9 bis 14 Faden Wasser und guten Haltegrund.

Laternen. Zur Ansteuerung für Schiffe, die nachts einen Ankerplatz aufsuchen, brennen in Vestre Vaag eine rothe und grüne Laterne, so angebracht, daß die rothe Laterne verschwindet, wenn man zu weit westlich, und die grüne, wenn man zu weit östlich ist. Man muß daher beide Laternen gleich klar sehen.

Hafen. Der eigentliche Hafen besteht aus zwei schmalen Buchten, welche Vestre Vaag und Østre Vaag heißen und durch eine vorspringende bebaute Landzunge Thingenaes getrennt sind. Es sind da verschiedene Vertäuungsringe in den Klippen festgegossen, diese können aber nur von kleinen Schiffen benutzt werden. Wenn der Aufenthalt auf der Rhede von Thorshavn durch See und Roller unmöglich ist, so sind Kalbaksfjord und Kongshavn die Ankerplätze, welche
Schiffe aufsuchen können (vgl. diesen Fjord).

Zufluchtsplätze. Im Naalsøfjord findet man verschiedene Plätze, welche beim Ein- und Aussegeln von Thorshavn in Betracht kommen könnten. Man kann auf der östlichen Seite von Strømø ankern, mitten zwischen Kirkebønaes und Gløvernaes in 22 Faden Wasser bei einem gut erkennbaren Bergbach oder Wasserfall in einer Spalte des Felsens. Hier ist guter Sandgrund, aber nördlich und südlich davon findet man Steine.

Nördlich von Arge kann man gleichfalls ankern in ungefähr 15 Faden Wasser, Sandgrund. Auf der nördlichen Seite von Naalsø, ungefähr mitten zwischen der Südhuk, Baaren und Tjørenaes, kann man unter der Küste einlaufen und ankern in ungefähr 18 Faden Wasser, reinem Sand, worunter man Lehm findet. Weiter findet man Ankerplätze in 15 bis 20 Faden Wasser mitten vor dem kleinen Dorf, welches auf dem niedrigen Landstreifen liegt, der den großen und hohen südlichen Theil von Naalsø mit dem kleineren und niedrigeren nördlichen Theil derselben Insel verbindet. Der Haltegrund ist gut. Es soll gleichfalls möglich sein, aut der Ostseite von Naalsø zu ankern, wo der Boden Sand ist; aber es wird nur sehr selten der Fall sein, daß die Umstände es erlauben werden oder hierzu Anlaß geben.

Skjaer. Beim Südende von Naalsø findet man einige Schären, welche indessen nicht über ein paar Kabellängen von der Huk abliegen.

Kalbaksfjord, nördlich von Thorshavn, ist einer der Fjorde, welchen man aufsuchen kann, wenn See und Wind es nöthig machen, Thorshavn-Rhede zu verlassen. Die Fahrt bietet keine Schwierigkeit. Man hat sich nur zu büten vor dem einige Kabellängen von Hoidenaes ausspringenden Riff, sowie beim Kreuzen vor dem mitten im Fahrwasser liegenden Fleeserne; diese sind immer über Wasser, aber in Ost und West erstrecken sich Steinriffe außerhalb von ihnen unter Wasser, so dass die Gesammtlänge des Riffes 3 bis 4 Kabllg. beträgt. Oestlich und westlich von Fleeserne muss man sich in gehörigem Abstande davon halten, gleichfalls von dem vorgenannten Hoidenaes. Diese Huk ist kenntlich an einigen hellen Flecken.

Ankerplätze giebt es innerhalb vorn Dorf Sund in 18 bis 20 Faden Wasser; aber man kann überall im Fjord bleiben, wenn man darauf eingerichtet ist, in grossen Tiefen zu ankern; der Haltegrund ist Sand und Schlick, ausgenommen innen am Ende des Fjords, wo die Tiefen viel geringer sind, aber der Haltegrund schlecht ist.

Kollefjord. Nördlich von Kalbaksfjord kann man gleichfalls ankern; bei steifer Briese ist man hier aber den heftigsten Bergböen ausgesetzt von dem über 2400 Fuss hohen Skjellingefjeld, welcher einer der höchsten Berge der Faerøer ist. Der beste Ankerplatz ist ausserhalb Sjov-Kircbe in 10 bis 14 Faden Wasser und gutem Haltegrund.

Kvalvig liegt noch nördlicher und giebt einen guten und sicheren Ankerplatz. Wohl fallen hier gleichfalls Bergböen ein, aber lange nicht so heftig wie im vorerwähnten Fjord.

Sundene ist der Name für den kleinen Wasserarm zwischen Stroms und 0sterø, welcher unmittelbar nördlich von Kvalvig so klein bleibt und so voll von Schären, dass kein Schiff ihn auf eine Strecke von 1 1/2 Sm passiren kann, um so weniger, als der Strom an dieser Stelle sehr heftig setzt.

Eidefjord heisst so nach dem nördlichen Theil des Wasserarmes zwischen Stromø und Østerø. Die Einsegelung ist nicht sehr in die Augen fallend von See, da der Fjord schmal und durch Land abgeschlossen ist. Er ist jedoch nicht schwierig zu finden, da man auf der einen Seite den vorspringenden Vorberg Kodlen hat (Vertonung No. 4) und auf der anderen Seite die gut erkennbare Huk Myling (Vertonung No. 3) und östlich hiervon die Klippe Stakken dicht unter der Küste. Da Kodlen nur durch einen schmalen Landstreifen mit Øterø vereint ist, erscheint er von Nord aus wie eine Insel. Myling macht sich bemerklich durch seine Höhe, 2200 Fuss und die gegen die See sich kehrende senkrechte Wand.

Sobald man innerhalb Torvenaes-Huk oder der Enge der Einfahrt ist, wo 14 bis 16 Faden Wasser sind, ist der ganze Fjord als Hafen zu betrachten bis nach Sundene. Er ist frei von Seegang und hat guten Haltegrund, aber er hat ziemlich grosse Tiefen fürs Ankern. Der beste Ankerplatz wird innerhalb der Bucht Eide gefunden, weil ausserhalb derselben eine Barre liegt, auf welcher quer über das Fahrwasser nur 6 Faden Wasser sind.

Haldervig liegt knapp 2 Sm innerhalb der Einfahrt bei Eidefjord, ist ein sehr guter Hafen, und kann man von hier leicht seewärts kommen. Man kann ankern mitten vor dem Dorf in ca 12 Faden Wasser und gutem Haltegrund.

Tjørnevig ist eine kleine Bucht, in welcher man ankern kann bei auflandigem Winde. Man liegt am besten in 10 bis 11 Faden Wasser, wo der Haltegrund gut ist

Stakken ist eine hohe freistehende Klippe ausserhalb des Nordendes von Strømø; nur mit Booten kann man innen um sie herum gelangen.

Ider. Vorbei am Nordende von Stromø laufen mehrere Ider und Stromschnellen. Diese können auf einzelnen Stellen einander kreuzen, so daß der entstehende Wirbelstrom besonders in schlechtem Wetter gefährlich für Boote werden kann.

Saxen ist eine kleine Bucht auf der Westseite von Stromø, sie soll in früheren Zeiten ein guter Hafen für kleinere Schiffe gewesen sein, aber die Einfahrt ist jetzt ganz versandet.

Vestmanhavnfjord heisst der Arm zwischen Vaagø und Strømø, dieser wird viel von Schiffen benutzt, die nordwärts oder nach Island bestimmt sind. Der Strom kann in diesem Fjord sehr hart laufen, und ausserhalb der vorspringenden Punkte können dort kleinere Ider entstehen, welche das Schiff für kurze Zeit, selbst wenn es gute Fahrt hat, ausser Gewalt bringen können; da aber der Fjord tief und rein an beiden Seiten ist, so ist er leicht zu befahren. In der Mündung soll man bei schlechtem Wetter nicht der Küste zu nahe kommen, da dort bei Mulen und auf der Nordseite von Slettenaes Steine liegen sollen, worauf die See heftig branden kann.

Vestmanhavn liegt auf der Westseite von Stromø an dem Fjord gleichen Namens und ist sicher der beste Hafen der Faerøers. In der Mündung des Hafens liegt eine Platte mit 3 1/ Faden Wasser, aber mit tieferem Fahrwasser an beiden Seiten. Der Wasserarm auf der Westseite des Hafens ist ca 1 Kabllg. breit mit über 4 Faden Wasser. Innerhalb vor der Platte findet man wieder Tiefen bis zu 12 Faden. Der beste Ankerplatz ist ausserhalb der Kirche in 9 bis 10 Faden Wasser mit vorzüglichem Haltegrund.

Bei Neu- und Vollmond ist das Hochwasser ungefähr um 8 Uhr.

In Vestmanhavn wohnt der Distriktsarzt.

Bue. Ausserhalb der Bucht Velbestad im Hestøfjord liegt ein Stein, weshalb man sich der Küste nicht mehr wie 1/3 Sm nähern darf.

Brandesvig ist ein Ankerplatz zwischen zwei Riffen, welche in südsüdwestlicher Richtung ein paar Kabellängen weit von der Küste ausserhalb der Dörfer Bø und Kirkebø vorkommen. Das letztere ist kenntlich an seiner grossen weißen Kirche mit hohem Thurm. Dicht östlich von dieser liegt eine alte Kirchenruine. Am Ende der Riffe liegen Steine. Das nördlichste Riff geht nicht von derselben Küste aus, aber von einem ausserhalb Kirkebø liegenden Holm, worauf sich eine Eidergans-Koje befindet. Man geht frei südlich um beide Riffe, wobei man die Südspitze von Naalsø gerade frei südlich von Kirkebønaes hält. Von da halte man herein in die Bucht, nur möge man nicht näher dem nördlichen Riffe kommen als Troldhoved in Hestø peilt. Man ankere in 8 bis 10 Faden Wasser dicht unter Land, da aber die Bucht einen schlechten Zufluchtsplatz gewährt, so suche man sie nur in Nothfällen auf.