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	<title>Reiseberichte &#8211; Lesereise zu den Schafsinseln im Atlantik</title>
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	<description>Auszüge aus der fachlichen und schönen Literatur</description>
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		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 7)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-7/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Oct 2025 11:55:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Erzählungen der Färinger (1/2) Am Sonntag den 29. Juli]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p><strong>Erzählungen der Färinger (1/2)</strong></p>
<p>Am Sonntag den 29. Juli machte ich mich früh am Morgen auf den Weg nach meinem lieben Videnäs, um meinen Katholiken den Sonntagsgottesdienst zu halten. Zu meinem Erstaunen hatten sich viele Leute und zwar von weit her eingefunden, um der Predigt beizuwohnen. Ich wählte ein Thema, welches bei keinem Anstoß erregen konnte und für alle von Nutzen ist, über die Notwendigkeit des Gebetes. Alle zeigten sich mir sehr freundlich und wohlwollend. Überhaupt nehmen die Leute gerne Ermahnungen, selbst, wie ich später bemerkte, scharfe Verweise dankbar an, wenn sie sehen, daß man es gut mit ihnen meint. Die Färinger sind nämlich im Durchschnitt sehr religiös angelegt. Trotz der Trunksucht, der viele anheimgefallen sind, hört man nur selten Gotteslästerungen und Flüche. Die heilige Schrift kennen sie zum großenteil auswendig und bedienen sich gern ihrer Aussprüche, legen aber natürlich oft ihren eigenen Sinn hinein. Für geistliche Gespräche sind sie immer empfänglich und lassen sich oft im höchsten Zorn durch ein wohlangebrachtes frommes Wort besänftigen.</p>
<p>Als ich eben den Rückweg nach Thorshavn antreten wollte, begann es zu regnen. So war ich genötigt, in der Hütte des Jakob das Ende des Regens abzuwarten. Doch bald fand sich mein ganzes Auditorium von vorhin ein. Der eine huschte leise nach dem anderen herein, um seine Neugierde zu befriedigen. Ich aber dachte, es sei besser, wenn ich mir von den Leuten etwvas erzählen ließe, als daß ich stets den Erzähler machen sollte. O, das war Wasser auf ihre Mühle. Jetzt begannen sie, die interessantesten Volkssagen und Volksmärchen zu erzählen, Geschichten, die nur durch alte Traditionen und durch Erzählen aufbewahrt werden. Und wie schön sie zu erzählen verstanden. Der Erzählende stand auf und trug seine Geschichte mit großem Ernst, mit Überzeugung und vollendeter rhetorischer Gestikulation vor. Alle lauschten mit der größten Spannung, obwohl sie gewiß dieselben Geschichten schon unzähligemale gehört oder selbst zum besten gegeben hatten.</p>
<p>Während man gemütlich und vertraulich in der engen Stube sitzt, wird die Luft immer drückender und schwüler, teils durch die Feuchtigkeit der Atmosphäre, teils durch den Rauch des Kamines, teils durch den Qualm der kleinen Pfeifen, die während des Erzählens nicht ausgehen dürfen; selbst die alten Weiblein können einen starken Knaster vertragen. Draußen prasselt der Regen, der allmählich zu sündflutartiger Heftigkeit sich gesteigert hat, unheimlich auf die hölzernen Wände des Hauses. Nimmt man zu diesen Umständen die verschiedenen Erscheinungen der Natur, die der Bauer sowohl wie der Fischer fast täglich vor Augen hat — die phantastischen Gestalten, welche die Wolken und der Nebel in der zerklüfteten Felsnatur der Inseln anzunehmen pflegen, das Heulen des Windes, der in den Winkeln und Höhlungen der Felsen sich verfangend, die ganze Skala menschlicher und tierischer Laute durchläuft, den Wogenprall des Meeres, der von dem steilen, ausgespülten Klippenufer oft mit einem wahren Kanonendonner zurückgeworfen wird — nimmt man dies alles zusammen, so wird man es begreiflich finden, daß bei den zwar religiös gesinnten, aber doch nur wenig durchgebildeten Leuten manche abergläubische Sage den Charakter eines festen Volksglaubens angenommen hat.</p>
<p>So dic Sage vom Seegespenst (Sjodreygil). Dasselbe gleicht bald einem Manne, bald einem Hunde. Es heult oder brüllt, sodaß man es weithin hören kann. Feuer sprüht von ihm aus, wenn man ihm auf dem Lande begegnet, gewöhnlich aber trifft man es auf dem Meere. Oft bittet es um Erlaubnis, im Boote mitzufahren. So lange es dunkel ist, kann dasselbe im Rudern es mit zwei Mann aufnehmen. Damit es den Bootsinsassen nichts zu Leide thue, schneidet man ein Kreuz in den Boden des Bootes ein. Wenn es anfängt zu tagen, wird der unheimliche Gast kleiner und kleiner. Dann fängt er an zu flehen, daß man ihn ans Land setze. Sobald die Sonne erscheint, ist er wie fortgeblasen, aber dort, wo er gesessen, liegt ein Kreuzbein. Die Sage will nämlich, daß das Gespenst sich das Kreuzbein eines Menschen angeschaffen habe. Dieses bleibt zurück, wenn es verschwindet oder getötet wird. Die Deutung dieses Volksglaubens scheint mir auf der Hand zu liegen. Das Gespenst ist nichts anderes als die Furcht, die den abergläubischen Wanderer oder Seefahrer zur Nachtzeit befällt. Dieselbe verdoppelt die Kräfte des Ruderers; im selben Maße als es heller wird, schwindet die Furcht, die Folge der Überanstrengung bei der ängstlichen Fahrt ist aber eine schmerzhafte Ermüdung, die sich hauptsächlich in der Kreuzgegend fühlbar macht; daraus hat die geschäftige Phantasie ein Kreuzbein gemacht, das im Boote zurückbleibt. Hat jemand einen Hund bei sich, so kann das Gespenst ihm nichts anhaben. Dieser Zug der Sage bestätigt die Deutung. Der treue, tapfere Gefährte scheucht die leere Furcht von dannen.</p>
<p>Auch die Sage von den Meermenschen findet leicht ihre natürliche Deutung. Wie oft mögen nicht die Wogen oder die Wolkenballen am Ufer die Gestalt eines Menschen annehmen. Stimmt dann gleichzeitig der Wind sein Sturmlied an, dann ist das Bild der tanzenden, singenden, wimmernden, weinenden, heulenden Meermenschen fertig. Gar viele der bei Jakob anwesenden haben sie gesehen. Sie zeigen dir den Felsen, auf dem sie gesessen. Und wage es nicht, zu sagen: „Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif;&#8220; sonst wirst du für einen halben oder ganzen Ungläubigen gehalten. Ganz abergläubisch ist die Vorstellung vom Ursprung dieser Meermenschen. Die Hütte der Mutter Eva war schon mit einer großen Zahl Kinder, Knaben und Mädchen, bevölkert. Eines Tages, da die Hälfte ihrer Kinder noch nicht gewaschen und gekämmt waren, sah sie den Herrn vom weiten ihrer Hütte nahen. Da sendete sie die ungewaschenen Sprößlinge eiligst zum nahen See und verbarg sie im Uferschilf. Als nun der Herr kam, stellte sie ihm die gegenwärtigen Kinder vor. Auf seine Frage, ob sie noch weitere Kinder habe, antwortete sie verschämt mit Nein. „Gut,&#8220; sagte der Herr, „dann sollen alle bleiben, wo sie sind.&#8220; Seitdem bevölkern die armen Verbannten die Tiefen des Meeres.</p>
<p>Natürlicherweise giebt es auch auf dem Lande sagenhafte Wesen, Hexen und Kobolde, die Hülle und Fülle. Lustig ist die Sage von der Hexe von Grivinar hol. Auf der Insel Sandö findet sich eine tiefe Höhle, Grivinar hol. Darinnen wohnte eine Hexe. Einst schlich ein Mann sich in die Höhle, um die Hexe aufzusuchen. Er fand sie damit beschäftigt, auf einer Handmühle Gold zu mahlen. Neben ihr saß ein Kind und spielte mit einem Goldstock. Die Hexe war blind. Da schlich der Mann sich ganz leise heran und füllte sich die Taschen mit dem Gold, das der Mühle entfiel. Die Hexe sah und hörte nichts, sagte aber doch: „Entweder mahlt die Maus, oder stiehlt der Dieb, oder aber reibt die Mühle nicht recht.&#8220; Da der Mann dieses hörte, entfernte er sich, nahm aber zuvor dem Kinde den Goldstock ab und schlug es damit auf den Kopf, sodaß es jämmerlich zu heulen anfing. Wipps! war die Hexe auf den Beinen und fuhr wie rasend in der Höhle umher. Sie tastete nach rechts, sie tastete nach links, konnte aber den Räuber nicht erwischen; denn dieser war schon draußen und galoppierte auf seinem schnellen Pferde aus allen Kräften seinem Dorfe zu. Die Hexe hört das Getrappel und ruft die Nachbarhexe zu Hilfe, erzählt derselben ihr Leid und bittet sie, den Dieb zu fangen. Diese war nicht faul. Mit einem Sprung setzt sie über das Wasser. Noch sieht man zu beiden Seiten „die Fußstapfen der Hexe&#8220; im harten Stein. Aber der Mann entkam ihr bis gen Volysmyr. Dort war sie ihm so nahe, daß sie den Schwanz des Pferdes ergreifen konnte. Der Mann giebt in seiner Verzweiflung dem Pferde die Sporen — und die Hexe hat das Nachsehen. Denn wohl behielt sie den Schwanz des Pferdes in ihren Händen, aber dem Fliehenden gelingt es mit einigen weiteren Sätzen soweit zu kommen, daß er eine Kirche erblickt. Da kann ihm die Hexe nichts mehr anhaben, und sie muß unverrichteter Dinge zurückkchren. — Man sieht, der Glaube ist in den Augen des Volkes stärker als der Aberglaube, hat aber diesen nicht vollends austreiben können.</p>
<p>Ähnlich verhält es sich mit der Sage von den Kobolden auf Trollenäs. Die Kobolde nisten sich gern in leerstehenden Menschenwohnungen ein, wo sie sich mit Tanz und Sang erfreuen. Ein tolles Treiben aber pflegten sie auf Trollenäs (— Koboldland), dem nördlichsten Bezirk der Insel Kalsö, zu vollführen. Dort kamen jede dreizehnte Weihnachtsnacht so viele Kobolde aus allen Ecken und Kanten hcrvorgekrabbelt, daß die Bewohner des Bezirkes samt und sonders nach Mikladal ziehen und dort verweilen mußten, so lange die fremden Herrschaften sich auf Trollenäs belustigten. Nun geschah es einmal, daß eine alte Frau nicht imstande war, mit den übrigen Leuten davonzuziehen. Sie mußte also in der verhängnisvollen dreizehnten Nacht zu Hause bleiben. Sie legte sich in der Kaminstube unter den Tisch und verbarg sich, so gut sie konnte, damit die Kobolde sie nicht entdecken sollten. Da es nun gegen Abend ging, sah sie die Kobolde dicht gedrängt wie Schafe in der Hürde und so zahlreich, daß ihr ganz schwindlig wurde, zur Thür hereinströmen. Sie begannen sofort zu tanzen und zu johlen, wippelten und trippelten durcheinander und warfen alles drunter und drüber und machten dabei einen solchen Heidenlärm, daß dem armen Weiblein unterm Tisch Hören und Sehen verging. Als sie nun mitten im tollsten Spiele waren, konnte die Alte nicht mehr an sich halten, und in ihrer Angst rief sie laut: „Jesus, sei mir gnädig!&#8220; Kaum aber hörten die Kobolde den süßen Namen Jesus, den sie alle so sehr fürchten und hassen, da wurden sie von einem jähen Schrecken ergriffen. Eilig, wie sie gekommen, machten sie sich alle davon, indem einer dem andern zurief: „Gidja hat uns den Tanz gestört.&#8220; Seither haben sie sich in der Gegend nicht mehr sehen lassen. Nach den Festtagen kamen die Trollenäsleute von Mikladal zurück, sie meinten nicht anders, als die alte Gidja tot zu finden. Diese aber kam ihnen wohl und munter entgegen und erzählte, wie sie die unholden Gäste verscheucht. Seitdem wurde das gute Mütterchen hoch in Ehren gehalten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 6)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-6/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Sep 2025 06:24:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Der färöische Walfisch oder Grind. Als ich nach Hause]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p>Der färöische Walfisch oder Grind.</p>
<p>Als ich nach Hause kam, sagte man mir, es seien Nachrichten vom Grind angekommen. Der Grind(*) ist eine Delphinart (Phocaena globiceps), die in großen Herden die Küsten der Inseln besucht. Sobald eine Herde in die Nähe der Inseln kommt, geht die frohe Botschaft schnell von Ort zu Ort. „Grindabud, Grindabud!&#8220; tönt es von allen Landzungen über das Meer hin. Grindabud rufen sich die Nachbarn zu; und der Vater und die Söhne eilen in die Stube, um die großen Messer zu holen. Grindabud wiederholen die Kinder, und der Kleinste steckt vorwitzig sein Köpfchen mit den weißen, krausen Locken zum Fenster hinaus und ruft dem eilenden Vater nach: Grindabud! Bald sieht man, wie von allen Seiten die Kähne schnell die Wellen durchschneiden, und von allen Kähnen hört man einen färöischen Volksgesang zu Gott, der das Werk segnen möge.</p>
<p>Doch diesmal war man leider unglücklich. Die Herde war ins Meer zurückgegangen. Traurig kehrten die Fischer mit ihren leeren Kähnen wieder heim. Am Abende hörte ich auch den Grund des verunglückten Fanges. Man sagte, ein Kobold habe den Walfisch vertrieben. Es sahen nämlich die Leute am Strande ein schwarzes vierbeiniges Ungeheuer mit langen Zähnen aus dem Wasser an das Gestade kriechen. Ohne Gewehre wagten sie nicht, sich dem Tiere zu nahen, und liefen daher zurück, um im Dorfe solche zu holen. Als sie nun bewaffnet anlangten, war der Kobold verschwunden. Es wird dies wohl ein Walroß (Trichechus Rosmarus) gewesen sein, oder ein sogenannter Seeelephant (Cystophora proboscidea), von dem ich bereits gelesen hatte, daß er zuweilen den Grind verscheuche.</p>
<p>Doch kam nach einigen Tagen wiederum Nachricht von dem Herannahen des Grindes, und diesmal war man glücklicher: 70 wurden getötet. Froh kehrten die Fischer heim, in ihren Boten die reiche Beute. Ich betrachtete mir die Tiere genau und erbat mir zwei Schädel für unser Kabinet.</p>
<p>Die größten Grinde sind 20 Fuß lang: das Maul ist nicht, wie beim gewöhnlichen Delphin, spitz, sondern tritt gar nicht an dem dicken abgerundeten Kopfe hervor. Die Haut ist glänzend schwarz, wie wenn sie gewichst wäre. Der Grind ist für diese Leute eine reiche Erwerbsquelle. Das Fleisch wird sowohl frisch als getrocknet genossen. Ich habe auch davon gegessen, es schmeckt ausgezeichnet, fast wie gekochtes Rindfleisch, dem es auch sonst ähnlich sieht. Der Kopf und die Eingeweide liefern viel Thran. Die Knochen, die Sehnen, kurz, alles wird benutzt.</p>
<p>Der heutige Fang von 70 Tieren war jedoch nur ein unbedeutender. Ein guter Fang ist nicht unter 200; aber es giebt auch Fänge von weit über 200, ja von 800 dieser riesigen Tiere. Jährlich werden 2—3000 dieser Delphine erlegt. Doch in den letzten Jahren hat der Fang zum Schrecken der Färinger bedeutend abgenommen.</p>
<p>Die Art des Fanges soll im höchsten Grade interessant sein, aber sie ist auch nicht ohne Gefahr. Die Kähne müssen die Heerde in einem Halbkreis umgeben. Dann werden sie langsam dem Lande zugetrieben, damit sie am Ufer stranden. Dazu sind aber nur einzelne Stellen geeignet, die man Walwoog nennt. Das Ufer muß dort nämlich sandig oder erdig, nicht felsig sein und nur sanft aufsteigen. Daher muß die Herde oft stundenweit getrieben werden bis zum nächsten Walwoog. Der Hafen von Thorshavn ist auch ein solcher Walwoog, wenngleich nicht einer der besten. Mit Steinwürfen und Schlagen ins Wasser treibt man die Tiere wie eine Schafherde voran. Doch wehe! wenn ein Wal mißtrauische oder leichtsinnige Gedanken bekommt und zu entfliehen versucht; denn dann ist er der Leithammel für die ganze Herde, die dann unaufhaltsam dem Flüchtling nachfolgt. Daher heißt es vorsichtig sein. Je mehr man sich dem Lande nähert, desto mehr werden die Tiere in Furcht gesetzt. Zuletzt fahren sie mit gewaltiger Kraft gegen die Küste, eine große Masse Wassers hoch gegen das Ufer treibend. Fließt nun das Wasser zurück, so sitzen sie auf dem Trockenen.</p>
<p>Hier werden sie überfallen von der Menge, die schon lange mit großen Messern auf sie wartete. Jetzt beginnt eine furchtbare Schlächterei. Alles steht und schwimmt im Blut. Das Wasser wird auch zu Blut, denn die Tiere sind sehr blutreich. Doch auch hier ist die Sache nicht ohne Gefahr. Die Wale setzen sich mit gewaltigen Schlägen ihres Schwanzes zur Wehre, und wehe dem Manne oder dem Boote, das von dieser kräftigen Waffe getroffen wird. Die Walfische, die noch nicht gestrandet sind, entfliehen nicht, wenn sie das Hinschlachten ihrer Brüder sehen, sondern drängen sich immer mehr zu ihnen hin, bis sie in dem blutgefärbten Wasser nicht mehr sehen können und mit Harpunen erlegt werden.</p>
<p>Nun ist die Schlacht beendigt, und der Süsselmann beginnt die Verteilung der Beute. Das geht nun nach altem färöischem Rechte. Ein Teil für Staat und Kirche, ein Teil für die Armen, einer für die Schulen. Das Boot, welchcs zuerst die Herde sah, erhält den größten Wal, und der Mann im Boote, der sie zuerst erblickte, erhält den Kopf. Alles andere wird gleichmäßig verteilt. Dann stimmt man einen feierlichen Dankgesang an; darauf fährt jeder mit seiner Beute heim und hält Festmahlzeit mit frisch gekochtem Walfischfleisch. Ja, manche können in ihrem Appetit nicht so lange warten und beißen voll Freude in die rohen Stücke, so daß ihnen der Saft zu beiden Seiten des Mundes herabfließt.</p>
<p>* Die richtige Bezeichnung für den Fisch ist eigentlich Grindwal, nicht Grind, wie er in deutschen Naturgeschichten genannt wird. Grind bezeichnet die ganze Herde, in der die Tiere zu gemeinsamer Wanderung sich vereinigen.</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Geyer-1900-Abb-06.png" /></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 5)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-5/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 05:36:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Das verlassene Missionsgebäude, Pastor Bauer, zweiter Besuch in Videnäs.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p><strong>Das verlassene Missionsgebäude, Pastor Bauer, zweiter Besuch in Videnäs.</strong></p>
<p>Jenen ersten Ausflug nach Videnäs machte ich am Mittwoch den 18. Juli. Am folgenden Tage besuchte ich den Süsselmann Müller (Süsselmann ist hier soviel wie Bürgermeister — die Inseln sind eingeteilt in sechs Süssel). Dieser Herr befaßt sich viel mit Naturwissenschaft und hat eine recht interessante Fauna der färöischen Vögel geschrieben. Er ist der jetzige Eigentümer der katholischen Kirche und des Missionshauses, welche verkauft wurden, nachdem man sich entschlossen hatte, die Mission auf den Färöern aufzugeben. Auf meinen Wunsch hin begleitete mich sein Sohn nach dem ehemaligen Missionshause, das jetzt als Kaffeehaus vermietet ist.</p>
<p>Wie weh that es mir, die leere Kirche zu sehen, — ach! jetzt war sie Tanzsaal, — in der man 14 Jahre hindurch den Glauben gepredigt hatte, vor einem Volk, welches nicht den Mut hatte, die Gnadenzeit zu benutzen. Jetzt ist die Stätte öde, wo so lange der Born der Wahrheit reichlich floß. Jerusalem, Jerusalem, hättest du doch die Tage deiner Heimsuchung erkannt!</p>
<p>Kirche und Haus liegen überaus schön und zweckmäßig, kaum 15 Minuten von der Stadt entfernt, 15 Schritte von dem Meere und zugleich neben einem ganz imposanten Wasserfall. Diese Stelle suchte Pastor Bauer, der erste Missionär der Inseln, auf und erbaute hier mit vielem praktischen Kunstsinn ein Kirchlein nebst einem Priesterhaus, welches wohl eins der schönsten Häuser der Stadt ist. Er legte auch einen schönen Garten an. Durch ihn kam überhaupt erst Gartenbau, Gemüse- und Blumenzucht nach Thorshavn.</p>
<p>Als Pastor Bauer zuerst zu diesen Inseln kam, konnte er als katholischer Priester in keinem Hause Obdach finden und war genötigt, in kalter Herbstnacht auf dem nackten Felsen zu übernachten. Am andern Morgen erbarmte sich ein Schneider seiner Verlassenheit und nahm ihn in sein Haus auf. Sie wurden dahin einig, daß der Mann ihm sein Haus verkaufte, und auf dieser Stelle wurde die neue Pfarrwohnung erbaut. Dieser anfangs so verachtete Mann gewann durch seine Frömmigkeit und Leutseligkeit nach und nach die Herzen aller. Bei allen war er Freund und Ratgeber. Doch desungeachtet konnte er in den 13 Jahren seines Aufenthaltes nur 7 Personen in den Schoß der katholischen Kirche zurückführen. Viele hatten die Wahrheit wohl erkannt, doch die Menschenfurcht hielt sie von dem Übertritt zur Kirche ab. Es gehört auch wahrhaft eine Heldcnkraft dazu, mit der ganzen Vergangenheit zu brechen, ja zu brechen mit der ganzen Familie und der ganzen Umgebung. Wird jemand katholisch, so ist er wie geächtet; keiner will mit ihm umgehn, keiner mit ihm auf den Fischfang gehn. Und da man den Fischfang nicht allein betreiben kann, so wird der unglücklich Verstoßene auch brotlos. Die wenigen, die die Welt verachteten, um Christus zu gewinnen, hatten, wie oben gesagt, unsägliche Kämpfe zu bestehen, doch jetzt haben sie Frieden, ja, man achtet sie. Dieser geringe Erfolg nun, ja noch mehr der Gedanke, daß vielen die Erkenntnis der Wahrheit, der sie nicht folgen wollten, mehr zum Untergang, als zum Heile gereichte, veranlaßte den frommen Priester, sein Arbeitsfeld zu verlassen. Als nachher zwei andere Priester, die ungefähr ein Jahr lang die Mission fortzusetzen suchten, dieselbe Erfahrung machten, wurde die Mission durch den apostolischen Präfekten Grüder mit Einwilligung des heiligen Stuhles aufgehoben. Dabei wurde aber von Rom aus der dänischen Mission die Verpflichtung auferlegt, jedes Jahr einen Priester zu senden, der die dort lebenden Katholiken besuche. Es waren zur Zeit meines Besuches nur noch diese drei, von denen ich sprach, auf der Insel zurückgeblieben, die andern waren fortgezogen, gleich als Pastor Bauer die Inseln verließ. Pastor Bauer und seinen Nachfolgern gehört das Verdienst, daß der katholische Priester bei den Färingern in hoher Achtung steht; der Name des Pastors Bauer ist wohl der populärste auf den Inseln. Doch leider ist dieses nicht so mit der Religion der Fall, die er verkündet. Diese ist verhaßt infolge des Zerrbildes, welches man dem Volke in Wort und Schrift von der katholischen Kirche beizubringen verstanden hat.</p>
<p>Am folgenden Freitag erfüllte ich mein Versprechen und begab mich zeitig mit dem eingepackten Kirchengeräte mit einem Führer auf den Weg nach Videnäs. Nun konnten die armen Katholiken nach Jahresfrist wieder ihren Heiland in Brotsgestalt anbeten und sich mit ihm vereinigen. Manche Leute in Deutschland haben ihren Heiland so nahe und benützen diese Gnadenquelle so selten, nicht weil sie keine Priester, sondern weil sie kein Herz haben. O, wie rührte mich die Andacht dieser drei Glaubenshelden! Wie muß der Heiland sich gefreut haben, einzukehren in die Herzen, welche die Welt verachtet haben, um ihn zu gewinnen.</p>
<p>Auf dem Rückwege nach Thorshavn wollte ich den Seeweg versuchen. Mit 3 Mann wurde die Fahrt in einem Boote unternommen. Weniger als 3 Mann zu nehmen ist zu gefährlich, da die oft plötzlich auftretenden Strömungen auf dem Meere dem Kahn gefährlich werden können. Zunächst bemerkte ich in der Felsenbucht von Videnäs einen wahren Wald von Algen. Die Färinger haben ihre Wälder nicht auf den Bergen oder in den Thälern, sondern im Meere. Zwei Arten dieser Algen sind eßbar (Laminaria saccarina und digitata). Ich versuchte sie und fand sie ganz wohlschmeckend. Die Felsenwände sind ganz bedeckt von der Patella vulgata, einer Meerschnecke, die kein gewundenes, sondern ein spitzhutförmiges Haus hat. Sie ist eßbar, und so hat der Färinger nie Gefahr zu verhungern, er kann hier sammeln, so viel er will, und alles ohne Mühe. Doch gewöhnlich braucht man diese Schnecke nur als Köder zum Fischen.</p>
<p>Auf dem Meere nun wurden die Angelschnüre niedergelassen und triumphierend zog ich bald meinen ersten Stockfisch herauf. In kurzer Zeit hatten wir 25 Fische, doch nur einen großen, der zum Verkaufe tauglich war. Zur Abwechslung kam auch ein Brosme heraus. Doch wie war ich verwundert, als ich ein großes Stück roten Fleisches in seinem Maule sah. „Was ist denn das?&#8220; fragte ich. „O,&#8220; war die Antwort, „diese Fische speien stets, wenn sie in Gefahr kommen, ihren Magen aus.&#8220; So war es wirklich, denn als ich den Fisch aufschnitt, war er ganz leer, er hatte alles ausgespieen, alles war weg, nur der Magen stak umgewendet im Maule. Trotzdem war die Erklärung der guten Fischer etwas unwissenschaftlich. Es giebt mehrere Arten Fische, die dasselbe thun. Diese Arten leben nur in den Tiefen des Meeres, wo der Wasserdruck bedeutend ist. Dieser ihrer Bestimmung gemäß hat der Schöpfer dieselben auch so eingerichtet, daß ihre innern Organe jenem äußern Druck gewachsen sind, indem sie demselben durch einen gleich starken Gegendruck das Gleichgewicht halten. Kommen sie nun an die Oberfläche, wo der Wasserdruck viel schwächer ist, so müssen ihre Eingeweide auseinanderreißen und heraustreten. Es beruht dieses auf einem und demselben Prinzip mit jenem Austreten des Blutes aus allen Poren, welches die Luftschiffer erfahren, wenn sie in zu dünne Luftschichten geführt werden. Später vernahm ich, die Fischer hätten auf ihrem Rückwege noch 70 Fische dazu gefangen; und das war an einem Tage, der, wie sie vorher behaupteten, nicht günstig sei für den Fischfang.</p>
<figure style="width: 499px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Geyer-1900-Abb-05.png" alt="" width="499" height="680" /><figcaption class="wp-caption-text">Pastor Bauer</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 4)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-4/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 07:41:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Besuch der Katholiken in Videnäs. Der Weg nach Bidenäs]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p><strong>Besuch der Katholiken in Videnäs.</strong></p>
<p>Der Weg nach Bidenäs ist schwer zu finden; denn — es giebt eben keinen solchen. Es giebt hier überhaupt keine Wege; man geht nur auf den Klippenwiesen, bergigen Triften der Richtung nach, die hie und da durch kleine Steinhaufen bezeichnet wird. In der Nähe der Ortschaften giebt es gute, fette Wiesen, auch einige Kartoffel- und Gerstenfelder; doch wird die Gerste auf den Feldern nicht reif, sondern muß zum Nachreifen in Scheuern aufgehängt werden. Alles übrige Land der Inseln liegt wild und unbebaut und bietet nur Nahrung für die Schafe, die hier Sommer und Winter hindurch wild herumlaufen. Im Frühjahr werden dieselben mit Hilfe großer Hunde eingefangen, und wird ihnen dann die Wolle abgerissen. Die mitleidigen Dänen haben wohl Scheren herübergeschickt, um dieser Tierquälerei Einhalt zu thun. Doch der Färinger läßt sich auf solche Finessen nicht ein. Was beim Reißen noch hängen bleibt, darf das Schaf bis auf weiteres behalten. So bieten die zerzausten, oft blutenden Tiere einen abscheulichen Anblick dar. Nach einiger Zeit fallen die langen Wollstreifen von selbst ab, und dann wird auf den Triften eine Nachlese abgehalten zur Einsammlung der kostbaren Wolle.</p>
<p>Diese Wolle ist nämlich von vorzüglicher Güte und bildet eine einträgliche Erwerbsguelle für die Bewohner. Es heißt hier: Förja ull er Förja gull, färöische Wolle ist färöisches Gold. Alles, was der Färinger am Leibe trägt, hat er sich von dieser Wolle selbst gewebt; außerdem aber gehen ganze Ladungen von Unterjacken, Strümpfen u. s. w. in den Handel in die weite Welt. Auch fängt man Schafe zum Schlachten; das Fleisch wird eingesalzen und bildet auch einen ziemlich bedeutenden Handelsartikel. Der Todfeind der Schafe ist der Rabe. Auf unserm Wege sahen wir einer mörderischen Schlacht zwischen einem Raben und einem Schafe zu, und nur durch unsere Vermittelung wurde der böse Räuber vertrieben.</p>
<p>Auf unserer Wanderung erfreute kein Baum, kein Strauch unser Auge; dafür liegen Felsblöcke umher, so gewaltig, als hätten Riesen hier ihr wildes Würfelspiel getrieben. Überhaupt ist der Baumwuchs auf der ganzen Inselgruppe äußerst spärlich. Die drei Baumarten, die man in den Gärten bei Thorshavn hat, Weide, Ahorn und Vogelbeere, werden nur etwa 12 Fuß hoch; dann kränkeln sie und sterben ab. In der letzten Zeit hat man auch Johannis- und Stachelbeeren angepflanzt, die auch zuweilen reif werden. Der Wachholder kriecht über den felsigen Boden.</p>
<p>In alter Zeit, so erzählte mir mein Begleiter, da war es freilich anders. Da prangten die jetzt so öden Inseln im herrlichsten Waldschmuck. Zumal auf Myggenäs stand ein Wald mit Bäumen, so hoch und regelmäßig wie die Säulen eines gewaltigen Domes. Aber da kam einmal ein Bauer von dieser Insel zu Olaf, dem König von Norwegen, um ihm die schuldige Abgabe zu entrichten. Der König fragte den Bauer, ob es auch Wälder auf seiner Insel gäbe. Dieser leugnete es aus Furcht, die Abgaben möchten vermehrt werden. Da sprach Olaf: „Nun, so sei es!&#8220; Als der Bauer nach Myggenäs zurückkehrte, siehe! da war der schöne grüne Wald versteinert, und wo vorher die hohen Eichenkronen rauschten, da stehen nun Basaltsäulen, kalt und regungslos. So erzählte mir der gute alte Färinger. Doch in Wirklichkeit mag wohl jener „steinerne Wald&#8220; tausende von Jahren weiter in die graue Vorzeit hinabreichen, als die Volkssage glaubt.</p>
<p>Der Weg nach Videnäs, den ich zu erzählen begann, wird wegen der vielen Bemerkungen, die ich einstreue, etwas lang. Nun, er wurde aber auch in Wirklichkeit lang; denn ich fand so viele interessante Pflanzen und Steine, daß ich nach jedem Schritt Halt machen mußte. Was mich am meisten freute, war, daß ich unter den Blumen gar manche wiedersah, die ich früher auf den Bergen von Vorarlberg und Tyrol gesammelt hatte. Auf Island fand ich später noch viel mehr Formen der Alpenflora wieder. Auch die herrliche Aussicht auf das Meer, über dem ich mich etwa 300 Fuß befand, und auf die naheliegenden Inseln hemmte bisweilen den Schritt. Dazu kamen nach die schlichten Erzählungen meines Jakob, der, wie die Färinger überhaupt, eine Menge schöner aller Sagen ivußte. Er kannte sogar wenigstens ein Dutzend Prophezeiungen, denen gemäß die Inseln bald wieder zur katholischen Religion zurückkehren sollten. Und von jedem Pflänzchen, welches ich betrachtete, wußte er mir haarklein zu erzählen, wozu dieses Kraut benutzt wurde. Mit dem einen gerben sie das Schafleder, auf dem sie laufen, ein anderes giebt rοte, ein anderes gelbe Farbe, womit sie ihre Wolle färben, wieder andere dienen ihnen zu Arzneien.</p>
<p>Endlich hatten wir unser Fischerdörfchen erreicht, und der gute Katholik Paul wankte mir entgegen und begrüßte mich mit dem allen Katholiken so wohlbekannten Gruße: „Gelobt sei Jesus Christus!&#8220; Diese wackern Leute, die unter dem ersten Missionär, Pastor Bauer, katholisch geworden, hatten wirklich große Kämpfe zu bestehen von σeiten ihrer Angehörigen, selbst ihrer Kinder, uμ ihrer Überzeugung folgen zu können. Nun aber schätzen sie mit rührender Liebe die Gnade, für die sie so viele Opfer gebracht haben. Ich begrüßte im Hause die Frau des alten Paul, die dritte im kleinen Bunde. An das Haus Pauls war ein kleines Kapellchen angebaut, so klein und arm, wie die Verhältnisse es mit sich brachten. Dorthin gingen wir nun und dankten Gott für die Gnade des wahren Glaubens. O wie war es mir zu Mute inmitten dieser einfachen Glaubenshelden! Ich fühlte mit ihnen den Trost der hl. Religion. Kein Wunder, wenn Thränen der Freude und Dankbarkeit sich auf den Wangen zeigten, und das Gebet durch häufiges Schluchzen unterbrochen wurde.(*)</p>
<p>Hernach führte Jakob mich in den übrigen Häusern des Dorfes herum: überall wollte er seinen Priester zeigen und der Freude seines Herzens Luft machen. Ich versprach nun, übermorgen wiederzukommen, um die hl. Messe bei ihnen zu lesen; sie sollten sich daher gut auf den Empfang der hl Sakramente vorbereiten.</p>
<p>Es bot sich mir bei meinem Besuche so recht Gelegenheit, mir die Wohnungen der Färinger etwas näher anzusehen. Zuerst gelangt man in die Küche. Dort traut man seinen Augen nicht, wenn man den hölzernen Herd und den hölzernen Kamin erblickt. Und doch ist es selten, daß Brandunglück geschieht. Das Brennmaterial ist nämlich ein schlechter Torf, der nur glimmt, aber nicht flammt. Darin liegt die Lösung der ganzen Schwierigkeit. Aus der Küche kommt man in das Wohnzimmer. Dieses ist in der Regel sehr reinlich. Die Wände sind rohe Tannenbretter, wie ja auch das ganze Haus nur aus Brettern besteht, die alle aus Norwegen bezogen werden. Häuser aus Stein giebt es keine, nicht einmal in Thorshavn. Nur der Amtmann hat in diesem Jahre ein schönes Haus aus Stein erhalten; ob es sich aber in dem feuchten und stürmischen Inselklima bewähren wird, das muß die Zukunft zeigen. Wären Mauern von Stein praktisch, so würde man nicht Jahrhunderte lang das Holz mit so großer Schwierigkeit aus Norwegen eingeführt haben.</p>
<p>Rings um das Haus hängt eine gar merkwürdige Verzierung. Dort wird nämlich der ganze Fischfang aufgehängt und getrocknet. Man sieht daselbst den Kabeljau (Gadus morrhua), den Schellfisch (Gadus aeglefinus), den Leng (Lota molva), den Brosme (Brosmius brosme), den kleinen Sei oder Köhler (Gadus carbonarius), den Seewolf (Anarrhichas lupus) mit seinen gewaltigen Zähnen, dann den schönen roten Königsfisch (Sebastes norwegicus), auch wohl den großen Heilbutt (Hippoglossus maximus). Außerdem hängen dort noch lange schwarze Streifen Walfischfleisch, die freilich nicht gerade appetitlich aussehen. Diese Fische bilden die gewöhnliche Nahrung der Inselbewohner; Fisch am Morgen, Fisch am Mittag, Fisch am Abend, bald in frischem, bald in getrocknetem Zustande, dazu, wenn&#8217;s hoch geht, das Brot von der unreifen Gerste, das ist hier der Küchenzettel.</p>
<p>Doch nicht alle Fische werden in der Haushaltung verbraucht. Der Fischer fährt mit seinen größten Fischen nach Thorshavn oder nach einem andern Ort, wo sich eine Faktorei befindet, und verkauft sie an den dortigen Kaufmann. Dort werden sie eingesalzen und getrocknet, von da unter dem Namen Klippfisch (weil auf Klippen getrocknet) kopflos in die weite Welt gesandt. So werden im Jahre 40 000 Centner und noch mehr Klippfisch exportiert. Seitdem der Handel nicht mehr Staatsmonopol ist, hat der Wohlstand auf den Inseln zugenommen. Früher waren die Faktoreien alle königlich, und die Fische wurden daselbst nur zu geringem Preise angekauft. Jetzt bekommen die Leute ihre Ware besser bezahlt.</p>
<p>Da mein Hauswirt in Thorshavn der bedeutendste Faktoreiverwalter ist, so hatte ich oft Gelegenheit, die schönen Fische zu betrachten, die dorthin zum Verkaufe gebracht wurden. Da ich wußte, daß sich im Fischmagen sehr oft die schönsten Seemerkwürdigkeiten finden, suchte ich gewöhnlich beim Ausnehmen der Fische zugegen zu sein, um des Magens habhaft zu werden und dessen Inhalt zu untersuchen. So sah ich einmal in einem Kahne sechs außergewöhnlich große Stockfische. Als ich den Magen öffnete, fand ich, so unglaublich dasselbe lauten mag, in jedem derselben einen großen Seewolf, der wenigstens ein Drittel so groß war, wie der Stockfisch selber, der ihn ganz mit Haut und Haaren, Pardon, Schuppen, verschlungen hatte. Wenn man den Stockfisch mit Buttersauce und Kartoffeln auf dem Freitagstische sieht, sollte man nicht glauben, daß derselbe ein so böser Raubfisch sei.</p>
<p>Die Färinger sind naiv und vorwitzig. Daher stellten sie, so oft ich kam, um ihre Fische zu besehen, allerhand Fragen an mich, wer ich denn sei, und woher ich komme, und was ich wolle. Auf diese Weise wurde denn das Gespräch oft von den Fischen auf ernstere Gegenstände hinübergeführt. Doch ich ließ mich mit den Leuten in keinen Disput ein, was unter den obwaltenden Umständen mehr geschadet als genutzt haben würde; ich ermahnte sie nur, ernst an ihr Seelenheil zu denken, die Gebote zu halten und zu beten. So schieden wir gewöhnlich als gute Freunde. Nur einer schimpfte in hellem Zorne gegen mich; als er mir jedoch nach einigen Tagen begegnete, bat er mich um Verzeihung, indem er sich damit entschuldigte, daß er angetrunken gewesen sei.</p>
<p>*) Als ich im Jahre 1883 aus meiner Reise nach Island mit Ü. Baumgartner die Katholiken in Videnäs besuchte, fand ich den 80jährigen Paul todkrank im Bette. P. Baumgartner gab ihm die hl. Wegzehrung, nachdem ich seine Beichte gehört: ich hielt dann den Leuten, die sich im Zimmer zahlreich eingefunden hatten, eine Rede, worin ich unter anderm sagte: „Dieser Mann hat große Opfer gebracht, um seiner Überzeugung folgen zu können. Ihr seid Zeugen gewesen, wie er verfolgt wurde, und wie standhaft er war, alles, selbst sein Leben, zu opfern für seine Überzeugung; daher stirbt er glücklich und in der sicheren Hoffnung auf den ewigen Lohn.&#8220; Da erhob sich der Kranke, und mit lauter Stimme sagte er: „Ja, das ist alles wahr, was der Pastor sagt; ich sterbe sehr glücklich, und ich sage euch, ihr müßt alle katholisch werden.&#8220;</p>
<p>Als wir von Island zurückkamen, fanden wir ihn tot und begraben. Sterbend hatte er noch sich nach unserer Rückkehr gesehnt. Er war aus dem Kirchhof von Thorshavu beerdigt. Wir kamen spät am Abend in Thorshavn an und begaben uns bald auf den Gottesacker; denn das Scdiff sollte noch in derselben Nacht weitcrfahrcn. Bald hatte sich in der Stadt und auf dem Schiffe die Nachricht verbreitet, daß wir zum Grabe ginge», um es einzusegncn. Bon allen Seiten kamen die Leute mit Laternen und Fackeln. Im Fackelschein und unter dem Brausen des nahen Meeres hielt ich eine Leichenrede, Nicht bloß ich, nein, alle waren tief ergriffen. Die Touristen vom Schiff sagten: „Das war doch das schönste Erlebnis auf unserer ganzen Reise.&#8220;</p>
<figure style="width: 1432px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Geyer-1900-Abb-04.png" alt="" width="1432" height="1005" /><figcaption class="wp-caption-text">Myggenäs</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 3)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Sep 2025 04:59:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Ankunft in Thorshavn. Thorshavn liegt ungefähr in der Mitte]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p><strong>Ankunft in Thorshavn.</strong></p>
<p>Thorshavn liegt ungefähr in der Mitte der Inselgruppe, auf der Insel Strömö. Strömö ist die größte der 23 Inseln und hat einen Flächeninhalt von circa 7 □Meilen. Alle Inseln zusammen haben 24 □M. mit 10000 Einwohnern. Doch sind nur 17 Inseln von Menschen bewohnt, die anderen, für Menschen unbewohnbaren, sind für die Seevögel desto bessere Nistplätze. Die Inselgruppe liegt zwischen dem 62ten und dem 63. Grad nördlicher Breite, also nördlicher, als die Südspitze von Grönland, und 2 Grad nördlicher, als Petersburg. Trotzdem ist es hier, dank dem Golfstrome, nie sehr kalt, und der Schnee wird gleich wieder durch Tauwetter weggeschmolzen. So können die Schafe den ganzen Winter hindurch draußen auf den felsigen Triften bleiben. Während in Dänemark das Meer bisweilen so zufriert, daß man zu Fuß nach Schweden gehen kann, behält es hier immer ungefähr 5 Grad Wärme, so daß der Fischer, wenn Nebel, Sturm und Dunkelheit ihn nicht hindert, selbst im Winter auf den Fang ausgehen kann.</p>
<p>Thorshavn bietet einen merkwürdigen Anblick. Es hat fast nur kleine Häuser, die mit grünem Rasen gedeckt sind, so daß der Ort mehr einer Wiese als einer Hauptstadt gleicht. Die Stadt zählt 1000 Einwohner. Dort wohnt der Amtmann, der Statthalter über alle Inseln. Seine 24 Soldaten bewohnen die kleine Citadelle, welche früher zum Schutze gegen Seeräuber erbaut wurde. Bei unserer Ankunft im Hafen kam sogleich ein Boot mit 8 Soldaten an unser Schiff; es brachte den Arzt, der sich erst überzeugen mußte, ob Kranke an Bord seien. Ich meldete mich als Seekranker. Für diese Krankheit kannte er kein besseres Mittel, als schleunig ans Land zu steigen. Er hatte die Freundlichkeit, mich sofort in sein Boot zu nehmen, und so verließ ich nach 1Otägiger Reise wohlbehalten unter militärischer Begleitung das Schiff, nachdem ich von meinen Reisegefährten herzlichen Abschied genommen hatte. Ich war mit allen Freund geworden, und als das Boot abstieß, riefen sie mir ein donnerndes Hoch nach. Daß es ihnen von Herzen kam, dafür zeugte mir ein Wort, daß mir gelegentlch zu Ohren gekommen war: „Wenn er auch katholischer Priester ist, so ist er doch ein guter Kerl.&#8220;</p>
<p>Bei der kurzen Bootfahrt wie nach der Ankunft am Lande hatte ich Gelegenheit, mir das freundliche Städtchen von außen wie von innen anzusehen. Zur Rechten liegt auf einer vorspringenden Landzunge, der Schanzenzunge, die vorerwähnte Citadelle, die seinerzeit gute Dienste leistete in der Verteidigung der Färöer gegen die Überfälle der Seeräuber. Im Jahre 1808 aber mußte sie sich einem englischen Kriegsschiff ergeben, da der dänische Amtmann seinen Soldaten das Schießen verbot. Jetzt dient sie nur noch Zwecken des Friedens. Die einzige militärische Übung, die der kleinen Besatzung obliegt, ist der Zapfenstreich, den sie jeden Morgen und Abend lustig über Stadt und See hinausblasen.</p>
<p>Nach links schiebt sich eine andere Landzunge in die Bucht Thorshavns vor und teilt dieselbe in zwei Hälften. Diese Zunge hat den Namen Thinganäs, da hier in der alten Zeit die Färinger ihre Volksversammlung (Thing) abzuhalten pflegten. Jetzt findet sich daselbst statt dessen eine Auflage wohlpräparierter Stockfische. O tempora. o mores! Hier liegen nämlich einige von den wenigen größeren Gebäuden, die in Thorshavn zu sehen sind. Sie dienten dem königlichen Handelsmonopol, das bis zum Jahre 1856 auf den Färöern herrschend war, und werden noch jetzt als Warenhäuser benützt.</p>
<p>Außerdem findet sich nur noch ein Gebäude, das sich einigermaßen vor den andern bemerklich macht, nämlich die Kirche, die hoch und schön auf einem Felsen gelegen, mit ihrem blauschimmernden Schieferdach weithin sichtbar ist. Die übrigen Häuser der Stadt sind unansehnliche, aber doch zum Teil recht hübsche geteerte Holzhäuser, die in malerischem Durcheinander auf den Felsen aufgebaut, an den Felsen angelehnt, bald dicht zusammen, bald in größeren Abständen von einander umherliegen. Auf irgend eine Regelmäßigkeit im Straßenbau wurde bei ihrer Anlage keine Rücksicht genommen; bald weitet die Straße sich aus, bald engt sie sich zusammen, daß kaum zwei Personen nebeneinander gehen können, bald verschwindet jede Spur einer Straße.</p>
<p>Am Landungsplatz wurden wir von einer Menge Leute begrüßt, die der Ankunft des Schiffes mit Sehnsucht geharrt halten. Es waren frische Gestalten, ihre Kleidung aber schien eher für die sonnigen Gefilde Italiens berechnet als für den barschen Norden; denn wenn auch die Temperatur nur selten unter 0 sinkt, so scheint eine armselige braune Wolljacke, ein Paar dünne schwarze Kniebuxen, ein Paar Schafsfellschuhe, die so dünn sind, daß man jedes Sandkorn hindurchfühlt, doch kaum geeignet, dem Körper genügenden Schutz zu gewähren. Und doch fühlen die Leute sich wohl und zufrieden. So sind sie es gewohnt seit vielen Generationen. Wohl ihnen, wenn sie sich möglichst lange von der Verweichlichung der modernen Welt reinbewahren! Leider sind einige gute alle Sitten schon im Begriffe zu verschwinden, wenn man auch nicht sagen kann, daß „Europas übertünchte Höflichkeit&#8220; sich schon in irgend einem hervorragenderen Grade breit mache. Aber man merkt es doch, die Inseln fangen an, von der Kultur beleckt zu werden.</p>
<p>Ich sollte bei einem Kaufmann meine Wohnung aufschlagen, bei dem auch früher schon die Priester zeitweilig gewohnt hatten. Ich fand bei ihm eine recht liebevolle Aufnahme. Man wohnt hier stets bei einem Kaufmann. Hotel, Wirtshaus giebt es nicht. Die hl. Messe mußte ich auf meinem Zimmer lesen, wo ich nicht nur als Priester und Ministrant fungierte, sondern auch das Volk vertreten mußte.</p>
<p>In Thorshavn selbst gab es keine Katholiken. Die einzigen drei Katholiken(*) der Inseln wohnten nämlich in einem kleinen Dorfe, eine Meile von der Stadt entfernt. Früh am Morgen des folgenden Tages war der eine derselben, Jakob mit Namen, ein alter Schmied, im Hause unseres Kaufmanns, um seinen Priester zu begrüßen. Er jubelte vor Freude und anerkannte mit gerührtem Herzen die Sorgfalt und Liebe der katholischen Kirche, die so weit ihre Priester schickt, um den einzelnen treuen Schäflein die hl. Sakramente zu spenden.</p>
<p>Ich machte mich mit ihm auf den Weg nach dem Dörfchen Videnäs, um auch die beiden andern alten Leutchen zu begrüßen. Jakob führte mich in Thorshavn zuerst noch zu verschiedenen ihm bekannten Familien. Alle sollten seinen Priester sehen und Zeugen seiner Freude sein.</p>
<p>*) Inzwischen sind sie alle der Reihe nach hinweggeftorben.</p>
<figure style="width: 1667px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Geyer-1900-Abb-02.png" alt="" width="1667" height="1136" /><figcaption class="wp-caption-text">Torshavn</figcaption></figure>
<figure style="width: 1012px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Geyer-1900-Abb-03.png" alt="" width="1012" height="1416" /><figcaption class="wp-caption-text">Straße in Torshavn</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 2)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 05:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Von Leith bis Thorshavn. Nach zweitägigem Aufenthalt in Edinburg]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p><strong>Von Leith bis Thorshavn.</strong></p>
<p>Nach zweitägigem Aufenthalt in Edinburg ging die Reise weiter an der schottischen Küste entlang; anfangs mit gutem Wetter und günstigen Winde. Wir bekamen noch den herrlichen Leuchtturm Bell-Rock in Sicht. Derselbe steht mitten im Meere und hebt sich aus den Wogen empor. Der Felsen, auf dem er steht, versteckt sich unter den Wogen und ist nur zur Zeit der Ebbe und bei ruhigem Wasserstande sichtbar. Das ist der verborgene Mörder, der gar vielen Schiffern den Garaus gemacht. In alten Zeiten hatte der Abt des gegenüberliegenden Klosters einen Turm auf diesem bösen Felsen erbauen lassen, und durch eine beständig läutende Glocke wurden die Schiffer gemahnt. Seit dem Anfang dieses Jahrhunderts erhebt sich dort ein schlanker, 94 Fuß hoher Leuchtturm, der bei Nacht abwechselnd weißes und rotes Licht über das Meer hinausstrahlt. So muß der böse Felsen zur Strafe für seine vielen Verbrechen jetzt den Schiffern ein freundlicher Wegweiser sein. Bei Nebel werden dort zwei große Glocken beständig geläutet. Es muß ein schlechtes Vergnügen sein, da droben zu wohnen, und doch müssen beständig 3 Mann dort aushalten. Sie haben über eine Stunde zu rudern bis zum Lande.</p>
<p>Bis hierher hatten wir gutes Wetter gehabt; doch ach! nun änderte es sich. Bald schließt ein dichter Rebel uns ein. Ach, Nebel! Den fürchten die Seeleute noch mehr als den Sturm. Man war gezwungen, ganz langsam zu fahren. Alle 3 — 5 Minuten ertönte die schrille Dampfpfeife und benachrichtigte die andern Schiffe von unserer Gegenwart. Mittlerweile waren wir in die Nähe der Insel Fär-Hill gekommen, die zwischen den Orkney- und den Shetlands-Inseln liegt, und die von gefährlichen Klippen weithin umgeben ist. Es war nun im Nebel und zugleich in der Dunkelheit der hereinbrechenden Nacht zu gefährlich, sich in ihre Nähe zu wagen, und wir fuhren deshalb zurück, &#8211; 15 Meilen weit in die Nordsee. Erst gegen Mitternacht, als sich der Nebel hob, wagte der Kapitän die Richtung wieder aufzunehmen. Um 10 Uhr morgens bekamen wir die gefürchtete Felseninsel in Sicht. Nun sind wir auf dem eigentlichen Ocean. Man fühlt es an den Schwankungen des Schiffes, die trotz der Windstille stark und unregelmäßig sind. Ob sie ihre Ursache haben in weit entfernten Stürmen, die weithin das Meer in Bewegung setzen, oder in Strömungen, vielleicht des Golfstromes, kann kaum klar dargethan werden. Kurz und gut, sie waren sehr lästig, und waren sogar einmal so unartig, uns Suppe und alles, was schon unseren Appetit reizte, glattweg vom Tische zu rasieren.</p>
<p>Als wir am andern Tage den Färöern bereits nahe waren, kam die alte Verlegenheit, der Nebel, wieder. Die langsame Fahrt, der Lärm mit der Dampfpfeife ging wieder los. Ach! und wir müssen wieder zurück. Wir hatten schon die Bergspitzen der Inseln gesehen, die wie Meerungeheuer über dem Nebel-Meer sich erhoben. Nun sollten wir wieder zurück. Es war zu gefährlich, bei Nacht und Nebel den Inseln so nahe zu sein. Auch wußte keiner, nicht einmal der Färinger, der zur Beratung herbeigezogen wurde, welcher Insel diese Berge, die vor uns lagen, angehörten; so unkenntlich waren diese gigantischen Nebelgestalten. Über 24 Stunden lagen wir so vor den Inseln. Der Nebel trieb sein Spiel mit uns; bald hob er sich, und wir versuchten den Inseln näher zu kommen; dann senkte er sich wieder, und wir mußten wieder zurückfahren. Es ging schon gegen Abend, und wir hatten uns bereits auf eine weitere Meer-Nacht gefaßt gemacht, als plötzlich der Nebelschleier von der Abendsonne durchbrochen wurde: und siehe da — leuchtend stehen die Inseln vor uns.</p>
<p>Da liegt zur Linken die südlichste Insel Suderö, von der es eine Zeitlang schien, als sollte sie wegen der daselbst entdeckten Kohlenlager zu einer gewissen Bedeutung gelangen. Indessen hat sich die Hoffnung als trügerisch erwiesen, da das bislang bebaute Flötz zwar eine gute Kohle lieferte, aber nur eine geringe Mächtigkeit besaß.</p>
<p>An dieser Insel erlebte ich auf meiner dritten Fahrt ein putziges Abenteuer. Unser Schiff wurde von einem Kapitän kommandiert, der die Fahrt nach den Färöern zum ersten Mal machte. Wir waren vom klarsten Wetter begünstigt. Plötzlich tauchte zu unserer Rechten ein hoher einsamer Felsen und gleich darauf eine langgestreckte Insel aus. Der Kapitän schaute zweifelnd die Mannschaften und die Passagiere an. „Was ist das für eine Insel? Davon steht nichts auf meiner Karte.&#8220; „Das ist die Insel Suderö&#8220;, wagte ich zu bemerken; „der Felsen ist „Munken&#8220;, der Mönch.&#8220; Diesen Namen trug der Felsen, der bis vor wenigen Jahren südlich von Suderö aus dem Wasser hervorragte. „Ach was,&#8220; sagte der Kapitän ärgerlich, „Sie sind selbst ein Mönch.&#8220; Aber ich hatte doch recht, und der Kapitän mußte nolens volens wenden und südlich um den „Mönch&#8220; Herumsteuern, um in die rechte Bahn zurückzukehren.</p>
<p>An diese Insel schließen sich die beiden kleinen Felseninseln: der große und der kleine Dimon. Auf der ersteren wohnt nur ein Bauer, der Herr der ganzen Insel und der Herden, welche die Insel beleben. Der kleine Dimon ist nur von Schafen und Vögeln bewohnt. Es folgt die vierte Insel zur Linken: Sandö.</p>
<p>Alle diese Inseln machen einen eigentümlichen Eindruck. Während man im Süden die Anhöhen mit Wäldern und Villen und Anlagen geschmückt findet, ist hier alles kahl. Kein Baum, kein Strauch, kein Haus, nichts ist zu sehen, nur erscheinen die Inseln in einem einfachen Grün; das ist Gras und Heidekraut. Die kleinen Dörfchen am Meeresstrande sind nur durch das Fernglas zu entdecken.<br />
Nun kommt auch zur Rechten eine Insel in Sicht. Es ist Naalsö oder Nadelinsel. Zur Linken beginnt Strömö, die größte aller Inseln, auf der Thorshavn liegt. Doch bald macht mich der Kapitän aufmerksam, rechts nach Naalsö zu sehen: Ein eigentümliches Phänomen! Man kann ganz unter der Insel Naalsö hindurch sehen. Eine Höhle nach Art eines Tunnels zieht sich unter der ganzen Insel her, so daß man durch den Tunnel hindurch das Meer auf der anderen Seite sieht. Daher heißt die Insel Naalsö (Nadelinsel), weil sie langgestreckt ist und ein Öhr hat wie das Öhr einer Nähnadel.</p>
<p>Da weht die Flagge auf der Citadelle von Thorshavn, uns zu begrüßen. Der schwere Anker wird niedergelassen. — Wir sind am Ziele.</p>
<figure style="width: 1135px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Geyer-1900-Abb-01.png" alt="" width="1135" height="726" /><figcaption class="wp-caption-text">Der Mönch</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meine Reise nach den Färöern (Teil 1)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/meine-reise-nach-den-faeroeern-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Sep 2025 06:55:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geyr 1900]]></category>
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					<description><![CDATA[Albert von Geyr-Schweppenburg Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [FAB-0867] Von Kopenhagen bis Leith. Es war am 8. Juli]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Albert von Geyr-Schweppenburg</p>
<p><em>Meine Reise nach den Färöern, Paderborn 1900 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0867</a>]</em></p>
<p><strong>Von Kopenhagen bis Leith.</strong></p>
<p>Es war am 8. Juli 1877 in der Frühe, als ich im Hafen von Kopenhagen mit frohem, aber, wie es bei einer längeren Seereise zum ersten Mal geht, etwas beklommenem Herzen das Schiff „Valdemar&#8220; bestieg. Das Ziel der Reise waren die Färöer, woselbst ich die wenigen dort wohnenden Katholiken besuchen sollte, um ihnen die Tröstungen der Religion zu spenden.(*)</p>
<p>Der Kapitän war pünktlich. Schlag 9 Uhr setzte sich das Schiff in Bewegung. Ich machte bald mit den wenigen Passagieren Bekanntschaft. Bei einer derartigen Tour sind ja die Reisenden mehr aufeinander angewiesen, als sonst auf Reisen, wo jede halbe Stunde die Gesellschaft wechselt. Auch mit dem Kapitän, den beiden Steuermännern, ja mit allen Matrosen wurde ich bald bekannt und befreundet. Die Besatzung des Schiffes bestand aus 24 Mann.</p>
<p>Die Fahrt durch den Sund mit seinen anmutigen Gestaden, den Städten und Flecken, den Dächern in glänzender Morgenbeleuchtung war herrlich. Große und kleine Schiffe durchschnitten bald in schneller, bald in langsamer Fahrt, bald von der Kraft des Dampfes, bald vom Winde getrieben, die freundlich spielenden Wellen. Bei Helsingör geht&#8217;s mit vollem Dampf hinaus in das Kattegat: die Türme der herrlichen, ehrwürdigen Veste Kronborg winken uns lange wie zum Scheidegruße nach.</p>
<p>Das Kattegat ist ein böses Ding. In meinem Tagebuche lese ich: „Im Kattegat: — Die Wellen nehmen zu, doch ich halte mich standhaft.&#8220; Dann aber kommt ein großer Gedankenstrich. Ja, ja, der sagt viel, der sagt Seekrankheit und alles, was drum und dran hängt. Zu welcher Prosa ist die poetische Fahrt allbereits geworden!</p>
<p>Nach 20 Stunden legte sich der Wind und mit ihm auch die Krankheit. Ich war wie neugeboren. Ich glaubte schon einen Seesturm durchgemacht zu haben. &#8222;Wasm Seesturm!&#8220; sagte lachend der Kapitän, „das war nur eine Brise. Einen Seesturm müssen Sie noch mitmachen, sonst haben Sie nichts erfahren.&#8220;</p>
<p>Auf meiner zweiten Fahrt habe ich mich wieder mit dem Kattegat ausgesöhnt. Es war ruhig und friedlich und zeigte uns auch seine beiden Schoßkinder, die Inseln Anholt und Lässö. Wir überholten bei der Insel Anholt die dänische Nordpol-Expedition, das Schiff „Dymphna&#8220;, geführt von Kapitän Hovgaard, dem einstigen Gefährten Nordenskjölds, das Tags zuvor Kopenhagen verlassen batte. Bekanntlich scheiterte die Expedition daran, daß sie sich der Rettung zweier holländischer Schiffe widmen mußte. Es war mir ein eigenes Vergnügen, meine letzte Färöerfahrt unter demselben Kapitän Hovgaard zu machen und in ihm einen äußerst liebenswürdigen und jovialem Mann kennen zu lernen.</p>
<p>Inzwischen hatten wir Skagen, die nördlichste Spitze von Jütland, passiert und befanden uns in der Nordsee. Zwei Tage lang sahen wir nichts als Himmel und Wasser. Auf unserer einsamen Fahrt hatten wir nur den kurzen Besuch von drei Delphinen, die im Vorübergebcn einmal nachsehen wollten, ob für sie etwas abfiele.</p>
<p>Am Vormittag des vierten Tages zeigte sich die schottische Küste. Ern herrlicher Anblick! Im Vordergrund imposante Felseninseln, die bald mit Leuchttürmen, bald mit ehrwürdigen Burgruinen, bald mit Festungswerken geziert sind. Eine der Felseninseln trägt keinen Sckhuck von Menschenhand erbaut, auf ihr herrscht nur das Scepter der wilden Natur. Sie bildet einen großen Gegensatz zu den andern Inseln, und doch nimmt sie es an Schönheit mit ihnen auf. Es ist die interessante Insel Baß. Als wir in ihre Nähe kamen, sahen wir, daß diese menschenleere Insel doch nicht unbewohnt war. Ja, Tausende von großen weißen Vögeln umschwebten sie. Es war der erste Vogelberg, den ich auf meiner Reise traf. Solcher Vogelberge werden wir später noch manche sehen. Hier ist Nest an Nest, an den Felsen hinauf, wie auf vielen Etagen. Es ist ausschließlich die Bassangans, welche hier wohnt. Den Namen Bassan hat sie eben von dieser Felseninseh, wo sie gleichsam ihre Hauptstadt hat, erhalten. Der Name &#8222;Gans&#8220; ist sehr unwissenschaftlich; denn sie hat von der Gans nur die Größe. Wissenschaftlich heißt sie Sulla alba und gehört zum Pelikangeschlecht. Es ist herrlich, dem Vogel zuzusehen, wie er hoch aus der Luft plötzlich wie ein Pfeil herunterschießt tief unter das Wasser. Nach ewiger Zeit hebt er sich flieend aus dem Wasser empor, die Beule in dem langen Schnabel siegreich mit sich führend. Diesen so gewandten Vogel nennt man auch Tölpel, und so ganz unrecht hat man dabei nicht. Schießt man nämlich fehl auf ihn, so läßt er sich gar nicht stören, sondern wartet ruhig einen bessern Schuß ab. Ebenso tölpelhaft benimmt er sich, wenn man ihm die Eier wegnimmt. Er läßt sich dadurch gar nicht stören, brütet ruhig auf dem leeren Neste weiter, bis die Zeit kommt, wo die Eier aufbrechen sollten; dann holt er Futter und wirft es den eingebildeten Jungen vor und zeigt mit Würgen den Kindern, die nicht da sind, wie sie schlucken sollen.</p>
<p>Am Nachmittag warfen wir vor dem Hafen von Leith Anker. Dort mußten wir die Zeit der Flut abwarten, um in den Hafen einlaufen zu können. Hier an der schottländischen Küste ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut sehr groß, 18 Fuß und darüber. Erst in der Nacht liefen wir ein. Nun setzte ich früh morgens meinen Fuß zum ersten Mal auf Schottlands Boden. Das ist das so vielfach besungene Schottland, das Land mit seinen alten Helden und Heiligen. Ich suchte den Weg nach Edinburg und zu dem Hause der Jesuiten. Es ist dort ein kleines Haus mit nur 3 oder 4 Patres. Dieselben haben eine große, recht schöne Kirche, in der sie zugleich den Pfarrgottesdienst versehen. Dort hatte ich das Glück, nach dem ich sehnlichst verlangte, wiederum die hl. Messe lesen zu können. Nachher begleitete mich Pater Charnley, den ich schon vor vielen Jahren in Deutschland kennen gelernt hatte, durch die Stadt, um mir alle Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Aber welch eine Stadt! Ich war ganz überrascht von der Großartigkeit derselben. Das Denkmal von Walter Scott ist ein großer gotischer Turm, wie der Turm eines Domes. Nelsons Statue steht auf einer Säule, die hoch über alle Gebäude emporragt. Allenthalben sieht man große, schöne Monumente berühmter Männer. Ja, der Brite, man sieht es, ist stolz auf seine Nation und auf seine Helden. Die Stadt umschließt drei beträchtliche Hügel. In den Thälern liegen die Straßen der Armut und des Elendes — ein furchtbarer Gegensatz zu den vielen Palästen und reichen Monumenten. Nirgends noch traf ich eine solche Armut, nirgends sah ich so schmutzige, so unanständige Kinder auf den Straßen herumliegen. Ich sah das königliche Schloß (holyrood palace) und die Zimmer, die von Maria Stuart bewohnt waren. In diesen befinden sich noch dieselben Möbel, die der unglücklichen Königin zum Gebrauche dienten. Auf einem der Hügel liegt die Citadelle, das uralte frühere königliche Schloß. Hier sah ich die Reichsinsignien der schottischen Könige und eine kleine, alte Kapelle der heiligen schottischen Königin Margaret. Doch sie dient nur noch als Monument, nicht mehr als Gotteshaus. Kein Altar ist mehr zu sehen; nur ein altes Weib sitzt darin mit ihrem Bilderkram, um den Reisenden einige Photographien von Edinburgs Herrlichkeiten feil zu bieten. Die Citadelle wird von dem Regiment der Hochschotten bewacht. Wahrhaft merkwürdige Soldaten! Das sind gewaltige, schöngewachsene Leute mit Bärenmützen. Lange Troddeln sieht man zur Seite herunterhängen. Den Gürtel schmücken vorn 5 verschiedenfarbige Roßschweife. Die Hosen sind kurz, die Kniee nackt. Dazu haben sie ganz leichte Schuhe, so daß man ihr Auftreten kaum hören kann. Ihre Regimentsmusik ist ein Dudelsack. Es ist ein köstlicher Anblick, sie so mit dieser ihrer Musik an der Spitze durch die Straßen ziehen zu sehen. Die Hochschotten sind ganz verschieden von dem anderen Teil der schottischen Bevölkerung. Es sind die Abkömmlinge der alten Celten. Sie haben ihre eigene, vom Englischen ganz verschiedene Sprache, haben ihre alten celtischen Sitten und zeichnen sich aus durch ihren hohen kräftigen Wuchs und blondes Haar.</p>
<p>Edinburg hat über 160 Kirchen, die zum größten Teil neu sind und sich in ihrem schönen romanischen oder gotischen Stile wirklich gut präsentieren. Diese große Zahl von Kirchen rührt von all den vielen Sekten her, die sich hier gegenseitig zu überbieten suchen. Die alten Kirchen wurden alle in der Reformationszeit zerstört, mit Ausnahme der Domkirche, die jetzt leider von drei verschiedenen Sekten benutzt wird. Sie wurde gerade in diesem Jahre renoviert. Aus diesem Grunde hielt man ganz ungeniert den Gottesdienst auf der Straße ab; — sich genieren aus Menschenfurcht kennt der Schotte überhaupt nicht.</p>
<p>Unter den vielen palastähnlichen Gebäuden fiel mir eines ganz besonders auf, welches, von großartigen Anlagen umgeben, ein ganz königliches Aussehen hatte. Auf mein Befragen erhielt ich die unerwartete Antwort: das ist eine Elementarschule. Solche kolossale Stiftungen finden sich hier in Schottland. Die alten katholischen Stiftungen wurden hier erhalten, wohingegen sie anderswo in den Staatssäckel flössen. Der Fonds für diese eine Schule war so groß, daß davon noch 60 andere Schulen auf dem Lande gegründet werden konnten. Die Kinder dieser Schule haben nicht nur freien Schulbesuch, sondern auch freie Bücher und freie Kleidung, und erhalten später noch eine bedeutende Mitgift.</p>
<p>Die Stadt hat 200 000 Einwohner, darunter sind 22 000 Katholiken. Bald hätte ich meinen Besuch in den Gerichtssälen vergessen, wo ich doch einen höchst überraschenden Eindruck erhielt. Ich sah dort die Herren zum Gericht versammelt. Ernst und würdevoll saßen sie da — in weißen Puderperücken und mit langen Zöpfen! So ist es Sitte in Schottland.</p>
<p>*) Alljährlich mußte bis vor kurzer Zeit diese Fahrt von einem Priester der dänischen Mission unternommen werden, da man die einzige noch lebende Katholikin nicht hatte bewegen können, nach Kopenhagen überzusiedeln. Ich selbst habe inzwischen noch sechsmal die Tour gemacht. In den nachfolgenden Blättern biete ich dem freundlichen Leser die Erlebnisse und Eindrücke der ersten Reise, indem ich jedoch aus den späteren hie und da eine Reihe ergänzender Züge einflechte. Außerdem habe ich meine Notizen an manchen Stellen ergänzt aus P. A. Hosm&#8217;s Skildringer og Sagn fra Färöerne.</p>
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		<title>Heimreise von Island über die Färöer</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/heimreise-von-island-ueber-die-faeroeer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2025 05:34:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Gustav Georg Winkler Island, Braunschweig 1861, Seite 296-308 [FAB-3389] Die ersten drei Tage hatten wir eine für so späte Jahreszeit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gustav Georg Winkler</p>
<p><em>Island, Braunschweig 1861, Seite 296-308 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-3389</a>]</em></p>
<p>Die ersten drei Tage hatten wir eine für so späte Jahreszeit prächtige Fahrt. Es war unter Tags der Aufenthalt auf dem Decke möglich und ich konnte mich eben so ungestört wie auf der Herreise meinen Betrachtungen hingeben, da Alles seekrank in der Cajüte darniederlag. Am dritten Tage Abends begann sich der Himmel zu umwölken und ein heftiger Wind blies. In der Nacht, wo wir uns den Färöerinseln nähern sollten, ließ mich die Besorgniß, wir möchten an den schwarzen Klippen scheitern, nicht zum Schlafen kommen. Doch ging Alles gut und wir kamen, wenn auch bei sehr bewegter See, glücklich durch die Jnselpforte und warfen Mittags vor Thorshavn Anker. Der Capitän erklärte, hier so lange warten zu wollen, bis sich das Wetter besserte, und dagegen hatte Niemand etwas einzuwenden, am wenigsten ich, der in Thorshavn ja schon alte Freunde fand. Der Leser soll aber nun mehr über die Färinseln erfahren, wo ich mich, wie er weiß, im Frühjahr fünf Wochen aufgehalten habe.<br />
Der Färinseln (dänisch Färöerne) sind achtzehn, aber von sehr ungleichem Umfange, dreizehn davon bilden, nördlicher, eng zusammengedrängt eine Gruppe. Eine der größern liegt isolirt weit nach Süden herabgeschoben und heißt die Südinsel, Suderöe. Zwischen der nördlichen Gruppe und der Südinsel liegen vier andere, von denen zwei nur mit je einem Hause besetzt sind und die dritte ein unbewohnter Bergkegel ist. Alle Inseln zusammen nehmen einen Flächenraum von circa achtzig bis neunzig Geviertmeilen ein. Die größte mißt ungefähr dreißig, die kleinste aber kaum eine Viertelmeile.</p>
<p>Diese Eilande sind ein Gebirge und kein Land. Sie bilden mehrere von Südost nach Nordwest laufende einfache Bergketten mit gleich gerichteten Längen- und kurzen Seitenthälern. Statt einer festen Thalsohle ist aber hier Meer und die Inseln sind nothwendig lang und schmal.</p>
<p>Ihre Gebirge steigen immer steil, ohne ebenen Saum aus der See heraus, nur allmäliger mit breiten Terrassenabsätzen an der Nordostseite, als an der entgegengesetzten, wo sie oft von nahe 3000 Fuß hohen Gipfeln grade zum tiefblauen Ocean hinabstürzen. Es gibt nur wenige Buchten mit flachen sandigen Ufern, auf zwei Inseln finden sich kleine Strecken hügeligen Bodens, sonst ist alles Gebirge oder Meer.</p>
<p>Die Färöerne zählen 8000 Einwohner, gehören zu Dänemark und bilden einen eigenen Regierungsamtsbezirk. Die Orte, welche höchstens aus sieben bis acht Häusern bestehen, liegen in Buchten oder auch hoch über dem felsigen Strande an den Fuß der Berge hinangebaut. Thorshavn, der Hauptort, liegt auf einer der größern Inseln der nördlichen Gruppe. Der Ort ist auf eine in eine Bucht hinaustretende Felszunge gebaut und scheint in der Ferne mit seinen amphitheatralisch ansteigenden Häusern, Häuschen und Hütten viel ansehnlicher, als er in Wirklichkeit ist. Thorshavn zählt 900 Einwohner, ist der Sitz des Amtmannes, des Richters, des Polizei- und Steuerbeamten, einer Elementarschule und mehrerer Handelsetablissements.</p>
<p>Die Wohnungen auf den Färinseln sind viel besser als die auf Island, obwohl auch hier weder Kalk, noch Holz zu haben ist. Jedes Haus hat einen Ofen. Die Inseln bringen alle Torf hervor und merkwürdig, an ein paar Punkten der Südinsel, wo sich kein Torf findet, gibt es Braunkohlen, die von den Anwohnern benutzt werden. Das Klima ist nicht kalt, aber höchst unregelmäßig feucht, windig und neblig. Im strengsten Winter geht die Temperatur nicht über 8 Grad Kälte herab. Bäume können nicht fortkommen, aber Gerste wird gebaut, reift und gedeiht. Ueber die Berge verbreiten sich fette Weiden, von welchen und dem Meere die Färinger ihren Unterhalt ziehen. Sie leben von Schafzucht und Fischfang. Ihre Schafe liefern nur eine grobe Wolle, welche sie selbst zu Matrosenjacken und Strümpfen verarbeiten. Zum Färben bedienen sie sich zweier Flechtenarten, welche ebenfalls auf ihren Inseln wachsen. Die gewöhnlichen Lebensmittel der Insulaner sind Seefische. Für eine Delicatesse halten sie rohes, an der Lust getrocknetes Schaffleisch.</p>
<p>Die Tracht der Männer ist originell. Ihre Schuhe sind eben so einfach und kunstlos wie die der Isländer. Diejenigen für den Gebrauch im Hause werden aus Schafleder und die zum Begehen der nassen schlüpfrigen Berge aus starkem Rindsleder gefertigt. Die letztern müssen beständig in Seewasser liegen, um weich zu bleiben, und werden erst unmittelbar vor dem Gebrauch herausgenommen, wo sie dann, über einige Paare von Strümpfen angezogen, mit diesen eine für Wasser undurchdringliche Hülle bilden. Die übrigen Kleidungsstücke bestehen in braun gefärbten Strümpfen, bis an die Knie reichenden schwarzen Hosen, des Sonntags einem langen schwarzen Rock und Werktags einer juppenartigen braunen Jacke. Den Kopf bedecken sie mit einer blau und weiß gestreiften sackartigen Haube.</p>
<p>Auf den Färinseln haben sich noch manche Bräuche aus alter Zeit erhalten, zum Beispiel symbolische Tänze, eine Art von Reigen, welche die Tanzenden selbst mit ernsten Heldengesängen begleiten, so daß, wie die Färinger sagen, der Priester im Ornate eben so wenig als die züchtigste Jungfrau Anstand nehmen dürfen, einzutreten. Die Sprache ist eigenthümlich färingisch und klingt ganz verschieden von den andern nordischen Idiomen. Sie enthält viele Zischlaute und wird von den Leuten, besonders wenn sie genug des Feuerwassers genossen haben, sehr schnell gesprochen. Die Färinger sind ein sehr gutmüthiges Völkchen, nicht reich und auch nicht arm, ohne viele Bedürfnisse, wenig vertraut mit dem Werth des Geldes. Ein Pastor versicherte mich, er könnte einem Färinger eher seine Geldkiste als seine Kartoffeltruhe anvertrauen, denn in Bezug auf letztere möchte derselbe der Versuchung nicht widerstehen können.</p>
<p>Wie leicht dieses Völkchen zu regieren ist, mag beweisen, daß im Winter, bevor ich dorthin kam, kein Regierungs- und kein Gerichtsbeamter im Lande war und doch nicht die mindeste Unordnung vorfiel. Ein paar Thatsachen mögen seinen Charakter noch mehr in&#8217;s Licht bringen.</p>
<p>Die Färinger sollen sich namentlich nicht durch Courage auszeichnen. Wohl kann man sie unter einander lärmen, schimpfen und fluchen hören, daß es den Anschein hat, als müßte gleich Mord und Todtschlag folgen, während es doch nie so weit kommt, daß Einer den Andern berührt. Sie müssen sich von den Matrosen fremder Schiffe, die in ihre Buchten flüchten, oft manche Unbill gefallen lassen, weil sie nicht den Muth haben, sich zu wehren, obwohl es so viele große, schöne und starke Männer unter ihnen gibt. Den Bewohnern eines kleinen Ortes auf der Insel Oesteröe wurde einmal arg mitgespielt, ein Fall, welcher auch zeigt, wie orthodox die Färinger in ihren religiösen Ueberzeugungen sind.</p>
<p>Im Sommer 1856 machten zwei junge Engländer mit einer Pacht eine Vergnügungsfahrt in das nördliche Meer und trieben sich sehr lange an den Färöern herum. Eines Tages gab das englische Schiff an einen Küstenort Signale um einen Lotsen. Auf der Insel wurden diese Zeichen bemerkt und alsbald machten sich sechs Männer auf den Weg.</p>
<p>Jetzt ließen auch die Engländer ein Bot nieder, in welches die zwei in Teufelsmasken gekleideten Gentlemen stiegen und den Färingern entgegenruderten. Als man sich so nahe kam, daß die Insulaner die Gestalten der Andern erkennen konnten, ließen sie von Schrecken gelähmt die Ruder fallen und einige stürzten rücklings von den Sitzen. Kaum daß sie sich wieder ermannten, um ihr Schifflein zu wenden und eiligst nach der Küste zurückzuflüchten. „In dem Schiffe draußen sind Teufel, ihrer zwei kommen schon herangerudert,&#8220; so geht alsbald die Kunde von Haus zu Haus. Das ganze Dorf geräth in Angst und Schrecken; Alles verschließt sich in die Häuser, nichts weniger als des jüngsten Gerichts gewärtig.<br />
A<br />
ls die Engländer die Wirkung ihres Spaßes sahen, kehrten sie zu ihrem Schiffe zurück und gingen wieder unter Segel. Die Färinger aber waren erstaunt, daß, nachdem sie sich wieder aus den Verstecken hervorgewagt hatten, der Spuk spurlos und ohne Schaden für sie verschwunden war. Später erfuhren diese Leute, wie sie zum Besten gehalten wurden und stellten dann wegen der ausgestandenen Angst beim Amtmann Klage auf Schmerzensgeld.</p>
<p>Aus einem andern Falle, den ich selbst erlebt habe, sieht man, wie das sonst so einfache und natürliche Völkchen doch auch der Hinterlist fähig ist. Für alle Dienste, die man von den Leuten in Anspruch nimmt, so Beförderung über die See, Wegweisen, Lasttragen auf dem Lande, bestehen feste Taxen, welche an sich niedrig wären, wenn nicht die Färinger die Gewohnheit hätten, besonders dem damit unbekannten Fremden gegenüber, dieselben mit ihren Forderungen zu überschreiten und sollte es nur um den Werth einiger Schnapsgläser sein.</p>
<p>Als ich von der Südinsel nach Thorshavn zurückkehren wollte, erbot sich Herr Pastor Krog von Hvalbö, bei dem ich zu Gast gewesen, mir ein Bot mit den nöthigen Leuten zu bestellen und zwar, wie er es selbst bemerkte, um zu verhüten, daß ich übernommen würde. Bei der Abreise rief er mir noch nach: „Also so viel haben Sie zu bezahlen und nicht mehr.&#8220;</p>
<p>Wir waren kaum einige hundert Schritte vom Lande entfernt, so begannen die Färinger ein Gespräch unter sich, von dem ich bald merkte, daß es meinen Ueberfahrtspreis zum Gegenstand hatte. Ich hörte öfter das Wort Thaler, Ein und der Andere warf Blicke auf mich, zu erkennen gebend, daß man eigentlich mit mir reden wollte. Sie schienen aber unter sich nicht ganz einig zu sein, und wie ich wohl bemerkte, so genirte es Einige, daß ihr Pastor beim Handel im Spiele war. Wir kamen endlich zum Busen hinaus in die offene See, rechts ragte der kleine Timon, ein nach allen Seiten steil abstürzender, 1200 Fuß hoher Bergkegel, die einzige unbewohnte Insel, aus dem Meere auf, vor uns im Norden lag der große Timon, ebenfalls nur ein Bergrücken, jedoch mit Platz für ein Haus an einer Bucht der Südküste. Jetzt sprach der Wortführer und Hauptschreier mich an. Ich verstand von seiner Rede genug, daß sie nämlich, wenn ich nicht ihren Willen thue und sieben statt sechs Thaler bezahle, mich keineswegs, wie bedungen, nach Sandöe, sondern nur nach Skuöe, einer nähern Insel, auf der auch nur ein Haus stand, führen wollten. Also ausgesetzt sollte ich werden! Da blieb mir denn keine Wahl und ich versprach mich zu fügen. Die Leute waren jedoch nicht so klug, das Geld gleich ausbezahlt zu verlangen, während ich nur auf der See ihrer Willkür preisgegeben war, worauf sie doch gerechnet hatten. Aus Sandöe angekommen, erfuhr ich von dem dortigen Pastor, daß der Preis wirklich zu gering gestellt gewesen sei, indem der Färinger, welcher den Handel abgeschlossen, sich seinem Geistlichen nicht zu widersprechen getraut hatte.</p>
<p>Die färing&#8217;schen Bote sind lang und schmal und fassen die größten nicht mehr als sieben Mann. Die See ist an und zwischen diesen Inseln nie ganz ruhig, denn Ebbe und Fluth veranlassen in diesen engen Meeresstraßen die heftigsten Strömungen, die sich bei geringem Winde mit einem Wellengang äußern, wie anderswo bei Sturm. Das Meer ist die einzige Straße, welche der Beamte, der Geistliche, der Arzt jede Stunde der Nacht zu nehmen gewärtig sein muß. Es gibt wohl kaum einen beschwerlichern und gefahrvollern Beruf, als den des praktischen Arztes auf den Färöern. Solch&#8216; ein Bot vom Ufer im Kampfe mit den Wellen zu sehen, ist schon schaudererregend, und erst selbst darin zu sitzen, wenn bald die Wellenberge um und um die Aussicht versperren, hoch über Schiff und Segel hinausragend, bald dasselbe auf ihrem Rücken schaukelt und dann auf die nächst herbeigekommene mit einem Gepolter hinabstürzt, als ob es aus den Fugen ginge, und dazu das Gezänke und Geschrei der Schiffsleute, mit dem sie jede am Segel nothwendige Verrichtung begleiten, da meinte ich oft, besonders während der Fahrt nach Suderöe am 25. April bei intermittirenden Schneestürmen, es sei mein letztes Ende und ich sähe die deutsche Heimath nimmer wieder. In einein solchen Bote lernte ich zuerst das Weltmeer kennen.</p>
<p>Ueberall auf den Färöern findet man die großartigste Natur, aber fast nichts Merkwürdiges von Menschenhand. Nur eine Ruine macht hierin eine Ausnahme und es ist das ein Werk, welches nicht nur Bewunderung und Wohlgefallen erregt, weil es auf einsamem Felsriff im weiten Ocean steht, sondern auch durch das ihm aufgedrücktc Kunstgepräge. Ich kann mich daher nicht enthalten, meinen Bericht über diese Inseln mit der Erzählung des Besuches der „Mauern,&#8220; wie von den Färingern die Ruine genannt wird, zu beschließen.</p>
<p>[<a href="https://schafsinseln.areion.org/eine-ruine-auf-den-faroeern/">Eine Ruine auf den Faröern</a>]</p>
<figure style="width: 2100px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/winkler-3889-thorshavn.jpg" alt="" width="2100" height="1255" /><figcaption class="wp-caption-text">Thorshav, Hauptort der Färöerne.</figcaption></figure>
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			</item>
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		<title>Eine Ruine auf den Faröern</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/eine-ruine-auf-den-faroeern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Aug 2025 05:11:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Gustav Georg Winkler Ausland 1858 (31), Seite 679-681 [FAB-3388] Island, Reykjavik am 10 Junius 1858. Ein Reisender, welcher zur Zeit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gustav Georg Winkler</p>
<p><em>Ausland 1858 (31), Seite 679-681 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-3388</a>]</em></p>
<p>Island, Reykjavik am 10 Junius 1858.</p>
<p>Ein Reisender, welcher zur Zeit die Faröer-Inseln besucht, wird dort allwärts nichts anderes finden, worin ihm so zu sagen etwas besseres Menschliches sich offenbarte als das, was der Mensch dort gethan hat um eine Existenz, auf Berg und Meer gegründet, gegen die Feindseligkeit anderer Naturgewalten möglich zu machen, d. h. er findet den Boden bebaut, so weit es eben Fels und Meer zulassen, auf daß er einen magern Ertrag an Gerste abgebe; er findet Häuser, die gut genug sind um ihre Bewohner gegen das wenig rauhe insularische Klima zu schützen, und deren Dächer mit Rasen gedeckt sind, auf daß sie nicht von den furchtbaren Stürmen fortgetragen werden, welche die Inseln im Winter heimsuchen; er findet bei den Bewohnern eine Kleidung, die für einen beständigen Aufenthalt auf Meer und Bergen die größte Vollkommenheit besitzt, wie man sich bei einigen Wanderungen auf den Inseln bald überzeugen wird, sobald man sich genöthigt sieht sie selbst zu gebrauchen; in Häusern der Beamten und Pastoren, die äußerlich sich nicht von denen der Bauern unterscheiden, findet er Tapeten, polirte Möbel und andern Comfort, den Kopenhagen stellen kann, kurz er findet, man lebt auf den Faröern, wenn auch manchmal ein Leben, welches einerseits Muth und Entschlossenheit, andrerseits Menschenliebe und Pflichttreue in einem Grad in Anspruch nimmt, daß sich so etwas ein behäbiger Beamter oder Bürger einer guten deutschen Stadt nie wird auch nur träumen lassen; so gibt es wohl kaum einen beschwerlichern, gefahrvollern Beruf auf der ganzen Erde als den eines praktischen Arztes auf den Färöern. Auch ist nicht in Abrede zu stellen, daß neben diesem äußern Leben auch ein, wenngleich nicht augenfälliges geistiga« Leben einhergeht; der faröersche Bauer ist wohl bis zum letzten eben so gut unterrichtet als der deutsche; aber eine größere Offenbarung des menschlichen Geistes, irgend ein öffentliches Denkmal, das über der Gewöhnlichkeit des Lebens stünde, findet der Fremde auf den Färöern nicht anders als in einer „Ruine,&#8220; stammend aus einer längst verklungenen Zeit. Es ist aber auch das eine Ruine, die bei dem denkenden Reisenden nicht nur deßwegen Bewunderung und Wohlgefallen erregen muß, weil er sie auf jenen einsamen Felsriffen im weiten Ocean, so entfernt von Werken derselben Art und in einer Natur findet, welche nur Feindschaft in sich zu tragen scheint gegen alles was der Mensch dort unternehmen will, und weil sie so sehr contrastirt mit wirklich durch Menschenhand auf diesen Inseln bestehenden, sondern auch an und für sich durch das Kunstgepräge das ihr aufgedrückt, und die historischen Erinnerungen die sie erweckt, sein Interesse aufs höchste in Anspruch nehmen wird.</p>
<p>Auf der Insel Stromöe, an deren südöstlicher Küste und ziemlich im Mittelpunkt derselben liegt Thorshavn, der Hauptort auf den Färöern; auf derselben Insel, an ihrer südlichen, dort kaum eine Meile breiten Küste und eine halbe Meile von Thorshavn entfernt, liegt ein anderer Ort, Namens „Kirkeböe&#8220;. Die färingischen Orte, oder Bygden, nach der Sprache des Landes, sind nach der Natur des Bodens auf dem sie sich meist befinden, eigenthümlicher Art. Die Faröer-Inseln sind nämlich nur Berge, die mitten in den Ocean hineingesetzt sind, und nur ein schmaler Saum, an dem auch nur manchmal, allmählich verlaufenden Fuß dieser Berge, ehe sie mit steilem Rand in die tiefblaue See niedertauchen, gibt den Raum für die färingischen Orte mit den sie umgebenden Feldern; deßwegen finden sich viele einzelne Gehöfte, und selten mehr als 8, höchstens 10 Häuser au einem Platz und amphitheatralisch über einander aufgebaut; auf einem solchen, und zwar sehr schmalen Saum der südlichsten Berge von Stromöe steht der Ort Kirkeböe; derselbe besteht nur aus einem Bauernhofe, bei dem eine kleine gegenwärtig im Gebrauch stehende Kirche und unsere zu besprechende Ruine liegen.</p>
<p>Es ist hier nicht der Ort, und ich wäre auch nicht im Stande Ihnen auch nur einen Abriß der färingischen Kirchengeschichte zu geben, nur so viel sey bemerkt, daß sie mit der norwegischen zusammenfällt; im 11ten Jahrhundert wurde auf den Faröern ein katholisches Bisthum gegründet, über welchen Hergang sich noch eine sagenhafte Erzählung im färingischen Volke erhalten hat; in Mitte des 16ten Jahrhunderts mußte dieses Bisthum sammt dem Katholicismus der Einführung der Reformation weichen. Der katholische Bischof hatte zur Zeit seinen Sitz in Kirkeböe, und die noch im Gebrauch stehende kleine Kirche war seine Kathedrale; diese Kirche unterscheidet sich von den andern schmucklosen Bretterkirchen des Landes dadurch, daß sie von Steinen aufgemauert und selbst weiß betüncht ist, wie dort kein anderes Gebäude auf den Inseln; in ihr sollen sich auch noch verschiedene Reste der katholischen Zeit finden, als da sind geschnitzte Stühle, Grabsteine und anderes. Im Anfang deS 16ten Jahrhunderts begannen nun die färingischen Bischöfe den Bau einer größern Kathedrale, über dessen Ausführung sie aber und nahe vor deren Bollendung von der Reformation überrascht wurden; das hätte ein Dom werden sollen, der sich mit jedem andern der Christenheit messen könnte.</p>
<p>Ich hatte mir schon vorher öfter sagen lassen, daß auf Kirkeböe noch Reste einer alten katholischen Kirche stehen, „die Mauern,&#8220; wie sie die Färöer schlechtweg nennen, bezeichnend genug, denn es ist auf allen Inseln sonst keine „Mauer;&#8220; auch hatte mir der katholische Missionär in Thorshavn etwas gezeigt, das eine Zeichnung davon seyn sollte, aber nur wie ein Stück rohen Mauerwerks erschien, und ich wäre, da mich meine eigentlichen Interessen nicht hinführten, gar nicht an Ort und Stelle gekommen, wenn ich nicht meinem Reisegefährten, Prof. Maurer, versprochen gehabt hätte mir den Sachverhalt zu besehen; ich bestimmte darum auch für den Besuch einen der letzten Nachmittage meines Aufenthalts auf den Faröern, bevor mich das Dampfschiff nach Island weiter bringen sollte, aber wie war ich erstaunt als ich vor den „Mauern&#8216; stand!</p>
<p>Ich wanderte am 25 Mai Nachmittags 4 Uhr mit einem Führer von Thorshavn ab zu Land über das Gebirg Kirkeböe zu; neugierig, wie die Faröer sind, und welche Eigenschaft sie mit jedem abgeschlosten lebenden Volke gemein haben, fragte jeder Begegnende meinen Führer, wo er den „Tuskmand,&#8220; den Deutschen, hinführe, und vernahm mit größtem Erstaunen die Antwort nach &#8222;den Mauern;&#8220; als sie bei der Rückkehr gar hörten daß ich, die Mauern gezeichnet, wiederholten sie nur das ihnen unbegreifliche „auch gezeichnet,&#8220; kopfschüttelnd.</p>
<p>Bei Kirkeböe fällt ein langer mäßig hoher Bergrücken mit mehrern zu Tag ausgehenden Felszügen des basaltischen Gesteines umgürtet, mit einer schmalen, kaum hundert Schritt breiten, sanft geneigten Terrasse in die See; diese Terrasse hat kaum Raum für folgende Gebäude: nämlich ein Bauernhof mit Nebengebäuden, in gleicher Linie, nach der Richtung der Küste, die Ruine des alten Doms, und tiefer, unmittelbar am Strand, zum Theil auf einem künstlichen Steindamm, die kleine Kirche, an welche die Brandungswellen hinaufschlagen; über Bauernhof und Ruine steigt gleich der Berg steil an, gen West wird die Terrasse etwas breiter, und hier folgen Wiesen und Aecker; gen Ost wird sie schmäler, steiler, mit Felsblöcken bedeckt bis auf eine Viertelstunde, wo sie wieder breiter wird und noch ein paar Häuser stehen. Ueber die See, das eine Meile breite Fiord, von Süden, sehen die niedern, aber gerade ins Meer abfallenden Berge von Sandöe herüber, die westlich mit dem bizarr aus den Fluthen auftauchenden, abgerissenen Felsengipfel Trollhoved, Hexenkopf, genannt, endigen; gen Ost versperrt der einförmige Bergrücken der Insel Hestöe größtentheils den Ausblick in den weiten atlantischen Ocean. Wie lange der Blick auf dem Festen sucht, das über der beweglichen Fluth, die hier nie ruhig wird, indem die Periode von Ebbe und Fluth ein beständiges Strömen zwischen diesen Inseln erzeugen, wie weit er schweift über diese Inseln hin, er findet keinen Baum, keinen Strauch, nur fahle Grashänge schmiegen sich zwischen und um die düstern, dunkeln Felsringe des basaltischen Gesteines. In solcher Umgebung also, wo einzig die Werke eines andern, höhern Meisters Staunen und<br />
Ehrfurcht erregen, steht der Rest eines Werkes von Menschengeist und Menschenhand, steht die herrliche „Domruine&#8220; auf den Färöern.</p>
<p>Das, was nun Ruine ist, war einmal ein bis auf daS Dachgerüste und die innere Ausschmückung vollendeter, im gothischen Styl erbauter Dom; noch bis jetzt ist an demselben, ausgenommen theilweise Beschädigungen, ein Detail von Fenstern und Portalen, alles bis auf das Gewölbe erhalten, sogar die sogenannten Apostelsteine an der Innenseite der Wände, sowie ein Stein mit ausgehauenem Crucifix und einer unleserlichen oder wenigst durch die Verwitterung der Steinmasse schwer leserlich gemachten Umschrift an der östlichen Außenseite neben dem großen Portale, sind erhalten. Die Längenrichtung der Ruine ist von Ostnordost nach Westsüdwest; nach dem Augenmaß geschätzt ist dieselbe circa 60—70 Fuß lang, 40—50 Fuß hoch, und 30 Fuß breit. Das Material sind Quadern aus dem Gestein der Inseln gehauen, die Apostelsteine dagegen aus weiß-grauem Marmor, und die Mauern 4—5 Fuß dick. Im Ganzen und im Detail scheint mir der Spitzbogenstyl rein durchgeführt, die Verhältnisse traten mir in allem wundervoll schön entgegen. Ein hauptgrößtes Portal führt von Osten in das Gebäude, ein zweites, mehr nieder, ist gegen die südwestliche Ecke, ein dritter kleiner Eingang ist an der Südseite und ein vierter an der Westseite. Die Südseite hat fünf hohe Fenster, drei zwischen dem südwestlichen Portale und dem kleinen Eingang im Süden, und zwei gen Ost von diesem Eingang; an der Nord-Bergseite ist an dem nordöstlichen Ende des Schiffes die Sakristei angebaut mit einem Fenster, zwei weitere Fenster gehen auch noch von dieser Seite ins Schiff der Kirche. Von dem Spitzbogengewölbe stehen nur noch die Aussätze an den Wänden.</p>
<p>Diese Angaben mögen genug seyn, um eine Vorstellung vom Aussehen und der Größe dieser nunmehrigen Ruine möglich zu machen.</p>
<p>Man hat dänischerseits auch das werthvoll interessante derselben erkannt, und ist der Befehl gegeben dieselbe zu erhalten, ja sogar Restaurationsarbeiten wurden vor mehreren Jahren anbefohlen, die aber dahin verstanden wurden daß man sie mit einem weißen Kalkanwurf beklecksen sollte; letzterer ist nun freilich und zum Vortheil der Ruine wieder größtentheils abgefallen. Ein größeres Glück für diese Ruine, als diese Uebertünchung war, ist, daß sie sich an einer der einsamsten, und von der See her schwer zugänglichen Stellen der Insel befindet, denn wäre sie in Thorshavn, so würde sie wohl schon längst eine andere Verwendung, etwa für eine Beamtenwohnung, gefunden haben. Einen weitern Schutz gegen rohe Zerstörungssucht hat sie im Aberglauben der Färinger, sie fürchten „die Mauern&#8220; als nicht geheuer, es soll ein Schatz innerhalb derselben begraben liegen, und verschiedene, die es schon versucht sich desselben zu bemächtigen, seyen schlecht dabei gefahren. Die Ruine steht nun im Hofraum des Bauerngutes und ist mit einem mächtigen Wall eines färingischen Zaunes aus ungeheuren Basaltblöcken umgeben, der Bauer benützt nur ein Portal, um darin seine Fische zum Trocknen aufzuhängen, denn er wagt sich nicht weiter hinein; das Terrain um dieselbe, besonders auf der Nord-Bergseite, ist so sumpfig naß, daß es schwer ist sich ihr zu nahen. Ich war zwei Stunden an Ort und Stelle und zeichnete, während ich vom ganzen Inhalt deS Bauernhauses an Menschen umstanden war, so lange als es mir der scharfe Nordwest, der mir durch die Finger fuhr und sie erstarrte, nicht unmöglich machte. Die andere kleine Kirche, in der ich nur eine ebenso geschmack- und schmucklose Hütte vermuthete, wie die übrigen Faröerkirchcn, besah ich bei der Kürze meines Aufenthaltes nicht, denn daß sie die älteste Kirche auf den Inseln, und noch viele Reste einer vergangenen Zeit enthielt, erfuhr ich erst bei meiner Zurückkunft nach Thorshavn, als ich meine Bewunderung der Ruine aussprach.</p>
<p>Die vorgeschrittene Zeit mahnte mich den Rückweg anzutreten, den ich überdies benützen wollte ein paar Vögel zu schießen, um damit meinen nächsten Mittagtisch zu versorgen; mein Weg führte mich über eines der Terrassenplateaus, die sich auf den Faröer so häufig finden, und die der Tummelplatz vieler Vögel, namentlich der „Austernfischer&#8220; sind; so geht es dem Menschen, mit einem Schritt ist er aus dem Geistigen im graß Materiellen — die Schwärmerei für die Tempelruine endigt mit einer prosaischen Jagd. Es war ein herrlicher Abend geworden, der Nordwest hatte mittlerweile den Himmel rein von Wolken gefegt, die Sonne stand Abends 8 Uhr noch hoch über dem Horizont, und warf ein zauberisches Licht über die Berge von Sandöe, Hestöe, Kolter und die fernern Gipfel und Zinken von Waagöe, und darüber hinaus erglänzte silbern die endlose Fläche deS nordischen Oceans.</p>
<p>Die Empfindungen welche der Anblick dieser Naturscenen in mir erregt, zusammen mit jenen welche noch vom Anschauen der Ruine her in mir lebendig waren, müssen Schuld gewesen seyn, warum ich endlich doch beutelos, wie sonst nie, heimkehren und des andern Tages wieder mit Fischen und Smör vorlieb nehmen mußte. Doch mir bleibt jener Tag auf Stromöe unvergeßlich, und vielleicht ist es doch keine ganz nutzlose Arbeit auch meinen fernen Landsleuten von dem Daseyn der Domruine auf den Färöern erzählt zu haben.</p>
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		<title>Ein Tag in Thorshavn &#8211; Teil 2/2</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/ein-tag-in-thorshavn-teil-2-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Aug 2025 05:43:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Edmund Zoller Ausland 1856 (29), Seite 265-268 [FAB-3448] Ich hoffe, die Geduld nicht auf eine allzu große Probe zu stellen,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Edmund Zoller</p>
<p><em>Ausland 1856 (29), Seite 265-268 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-3448</a>]</em></p>
<p>Ich hoffe, die Geduld nicht auf eine allzu große Probe zu stellen, wenn ich mir die Aufmerksamkeit für eine von den zahlreichen hübschen, oft wunderbar tiefsinnigen Sagen ausbitte, die noch unter den Färingern leben und einen poetischen Schein auf das ganze Leben des Bergbauern werfen, das nie zu solchem stumpfen Materialismus herabsinken kann, wie das der Bauern auf dem flachen Lande. Ich will die Sage von „Givrinar hol&#8220; auf Saudö erzählen: „In dem Bergabhang, westlich von „Sandsbigd,&#8220; aus Sandö ist eine große Höhle im Boden, welche Givrinar hol heißt, dort wohnt eine Zauberin. Und es geht die Sage daß ein Mann von Sandsbigd in die Höhle gieng, um die Hexe zu finden. Er traf sie, wie sie auf einer Handmühle Gold mahlte, ein kleines Kind saß bei ihr und spielte mit einem Goldklumpen. Die Alte war blind, der Mann ging leise zu der Mühle hin und nahm sich etwas von dem Golde, das sie mahlte. Sie sah und hörte nichts von ihm, aber sie sagte: entweder ist es die Maus welche mahlt, oder der Dieb, der stiehlt, oder geht die Handmühle nicht recht. Der Mann eilte nun von ihr weg, nahm dem Kinde den Goldklumpen und schlug es auf den Kopf daß es laut zu weinen begann. Nun sprang die Alle auf und war aufs höchste erzürnt, sie tappte nach ihm in der ganzen Höhle umher, aber er war aus der Höhle entschlüpft und mit dem Golde nach Hause galoppirt. Die Hexe konnte ihn nicht finden und rief deßhalb nach ihrer Nachbarin, erzählte ihr ihre Noth und bat sie, ihr den Dieb suchen zu helfen. Sie sprang über Stock und Stein und quer durchs Wasser, wo man&#8217;s noch heutzutage sieht — der Ort heißt der Zauberin Spur. Aber der Mann entkam bis nach Volismyr, da war sie ihm so nahe daß sie den Pferdeschwanz erwischte, den sie nicht mehr losließ. Der Mann trieb das Pferd aber so stark an daß es einen Satz machte, der Schwanz riß los, weil die Hexe stehen blieb. Nun sprang der Mann über den Kopf des Pferdes und war so glücklich daß er im selben Augenblick die Kirche zu sehen bekam; aber die Hexe war nicht im Stande ihm etwas Böses zu thun, und so mußte sie wieder umkehren. Noch hört man über „Givrinar hol,&#8220; wie die alte blinde Hexe Gold in der tiefen Höhle mahlt&#8220;</p>
<p>Solcher Sagen und Erzählungen von Hexen, Zauberern, Nixen und Gespenstern hat man eine Menge, und an den Winterabenden in der Rauchstube gibt jeder preis was er weiß. Und wenn es dann immer dunkler wird, und die Lampe nur noch ein unheimlich flackerndes Licht durch die Stube wirft, und der Sturm durch das Haus hinsaust daß es in seinen Grundvesten erbebt, dann mag es wohl geschehen daß manchem die Haare zu Berge stehen, und man nicht wagt die Augen von den Lippen des Erzählers oder der Erzählerin wegzuwenden. Aber der Färing weiß recht wohl daß der welcher sein Vaterunser recht sprechen kann, weder Teufel noch Zauberer fürchtet, und deßhalb versäumt er selten aus dem Zeichen des Kreuzes und einem gottessfürchtigen Gebet die Kraft des Lichtes gegen alle Furcht vor Dunkelheit, Spuk und Zauberei zu schöpfen. Leider beginnen die Rauchstuben, selbst auf dem Lande, immer seltener zu werden. — Mit der Erzählung der Rauchstuben und der Sage von Sandö haben wir den Weg von der Schanze zur Stadt zurück verplaudert: hier finden wir eine große Menge Menschen aus allen Gegenden des Landes versammelt: es ist uns auf diese Weise vergönnt einen Ueberblick über den nicht geringen Unterschied in Charakter, Sprache und Tracht zu verschaffen, der zwischen den Bewohnern der verschiedenen Inseln herrscht. Da kommen zwei Nordländer uns entgegen: sie eilen leichten Schrittes über den steilen Abhang, der zu dem Schanzwege führt. Es sind große, gutgebaute Leute, mit braunen, schönen Gesichtern, in denen sich Herzlichkeit, Treue und Klugheit deutlich ausprägen. Ihre Tracht ist die allgemeine Festtracht der Färinger, nämlich ein großer Oberrock ohne Kragen und Aufschläge; er geht bis zu den Füßen und heißt Sjöstúka; ferner tragen die Färinger schwarze Hosen bis ans Knie, blaue Strümpfe und gelbe, gegerbte Lammfellschuhe, die mit Zwingen über dem Rist gebunden werden. Auf dem Kopf haben sie eine Mütze ohne Krämpe, die stark auf die Seite gedrückt ist. Draußen am Thinganès, wo die königliche Handelskrambude ist, gewahren wir einen Sexäring (welcher von 12 Mann gerudert wird); er kommt von Hvalbó aus Syderö, um am Olaifest theilzunehmen, das heute begonnen. St. Olafstag (Olafstöka, 29 Jul.) wird nämlich mit Gottesdienst, Thing und großem Autodafé von Krähen-, Falken- und Mövenschnäbeln, zu Schreck und Abschreckung für Gleichgesinnte gefeiert, welche Lust haben könnten den Lämmern die Augen auszuhacken, oder mit einem Huhn im Schnabel davonzufliegen. Wie hübsch das lange Boot dahin schießt; keine Art von Schiffen vermag so rasch zu fahren als die Färinger, kein Fahrzeug bewegt sich so leicht auf der hohen See als diese schmalen, langen Jollen, die nichts weniger als „seestark&#8220; aussehen. Nun landet das Boot; die Ruderer springen leicht und sicher auf die glatten Steine; es sind rasche, kräftige Bursche in braunen, wollenen Strümpfen. Sogleich zeigt sich ein auffallender Unterschied zwischen diesen Südländern und den Nordländern, denen wir kürzlich begegneten: sie sind kleiner und gedrungener gebaut, das Haar ist dunkel, ihre Sprache und ihr Benehmen weit lebendiger und rascher. Sie stammen wahrscheinlich nicht unvermischt von den ausgewanderten Nordländern, wie die andern, sondern es ist fremdeS Blut in ihren Adern. Ihre Heimath ist auch eine mildere, fruchtbarere Insel als die scharfen, zackigen Berge, zwischen denen sich keine Thäler öffnen, sondern nur Schluchten und Spalten, durch die ein brausender Bergstrom hastig zum Meer eilt. An des Berges Abhang hat sich der Bauer sein Haus gebaut und erzeugt mit großer Mühe etwas Gerste; der Südländer wohnt im Schutze der Berge zwischen schönen grünen Feldern und fruchtbaren Aeckern: dieß trägt auch dazu bei ihn heiter und lebensfroh zn machen, während der Nordländer ernst und tiefsinnig ist. Auf dem Thingenäs haben nun einige unserer Südländer sich gelagert, um Mahlzeit<br />
zu halten, während andere in den Kramladen gegangen sind um sich einen Schnaps oder etwas Tabak zur Erquickung nach der langen und gefährlichen Fahrt über den Syderöfjord zu kaufen. Ich möchte meinen Landsleuten wünschen daß sie an dieser einfachen Mahlzeit theilnehmen könnten, denn dann müßten sie wenigstens gesunde Verdauungswerkzeuge und starke Zähne haben; ohne diese Eigenschaften würden sie krank oder hungrig von dannen ziehen, mit ihnen aber sich äußerst wohl fühlen bei dem frischen, weißen Gerstenbrod und dem fetten an der Luft getrockneten Lammfleisch (skerhuköt); die frische starke Luft erhöht daS Wohlbefinden, und die ruhig dahinrauschenden Wellen würden denselben Effect machen wie die hinreißendste Tafelmusik. Wir überlassen nun die Südländer ihrer gesunden Mahlzeit und heitern Plauderei, und begeben uns vom Thingenäs nach unserer Wohnung auf Reynid, da wir unsere Fußbekleidung wechseln müssen, ehe wir uns auf den kleinen Ausflug begeben den wir in die nächste Umgebung zu machen beschlossen. Es ist nämlich nicht möglich auf den Färöer mit unsern Stiefeln oder Schuhen umherzuwandern, da man so oft auf schroffen Steinen umherspringen und an steilen Abhängen hinansteigen muß, wo man nothwendig mit dem Fuße sich festzuhalten hat, was sich nur in dünnen Lederschuhen thun läßt, die der Sohle des Fußes gestatten sich mit der ganzen natürlichen Biegsamkeit zu bewegen. So ziehen wir denn unsere Kalbslederschuhe an und verlassen die Stadt, indem wir uns nach dem westlichen Arm der Bucht von Thorshavn schlagen, welcher Vester-Vaal heißt. Hier ist das Ufer überall hoch und mit großen Steinen bedeckt, und da die Rückseite der Häuser auf Reynid hier heraus geht, so ist man gewöhnlich von Aschenhaufen (öskudungar) und Misthaufen (köstar) umgeben. Etwas vor der Stadt liegt die Kirche; sie ist von Holz, hübsch und geräumig, mit Schiefer gedeckt und mit einem Thurm versehen. Die Kirche besitzt eine recht gute kleine Orgel. Rings um Thorshavn steigt das Land langsam zu Bergen an, hinter welchen die höhern Kuppen, wie Skrälingur, sich in der Ferne zeigen; aber die Natur ist hier nicht, wie an manchen andern Orten auf den Färöer, eine schöne ansprechende Mischung von sanften und schroffen, anmuthigen und gewaltigen, endlosen, grünen, lächelnden Feldern im Schutze hoher ernster Berge. Der Boden um Thorshavn ist arm; zwischen mächtigen Feldsteinen liegt ein kleines mit Gerste oder Kartoffeln angebautes Stück Feld; bisweilen ist der Felsen mit einem Stück Rasen bedeckt, aus dem etwas Korn hervorkeimt; so trägt selbst der unfruchtbare Felsen durch des Menschen Fleiß blühende Aehren. Auf den Stücken, die das Futter für die Kühe im Winter liefern, wachsen hübsche gelbe und blaue Feldblumen. Der Steinpicker hüpft von Stein zu Stein und singt so mild und freundlich, in dieser Jahreszeit auch bei Nacht; in den Wassergräben auf den Feldern findet man auch den Roßkuckuck (isländisch Hrossa-gaukr) nickend und kreischend vor Freude über die zahlreichen Regenwürmer und Jnsecten, die man hier im Ueberflusse trifft. Der Boden außerhalb des bebauten Landes ist zum größten Theil Moorgrund oder Stein, aber aus diesem feuchten Grunde wachsen Gras und Blumen in solcher Ueppigkeit daß die Berge auf der Thalseite beinahe immer ein freundliches Aussehen haben bis hinauf zu der grauen Kuppe, wo alles Wachsthum aufhört. Rings um Thorshavn sind die Berge nicht so hoch, aber auf Varden, einem Punkte, der in alten Zeiten als Warte benützt wurde, waren wir doch so hoch daß wir, uns südöstlich wendend, weit über Thorshavn hinsahen: und die Aussicht über einen Theil von Stromö, Osterö, Naalsö, Sandö, Kolter, Hest und in der Ferne Syderö, rings umsäumt von dem unendlichen Meere, war so bezaubernd schön bei der träumerischen Abendbeleuchtung, daß man sich kaum einen entzückendern Anblick denken kann.</p>
<p>Gegen Abend kehrten wir nach Thvrshavn zurück, wo die Leute nun recht lustig geworden waren, und wir hatten das Glück den alten ächten Nationaltanz von einer Menge junger Bursche und Mädchen in einem großen Zimmer aufführen zu sehen. Der Tanz, der ein Rundtanz ist und in drei Schritten vorwärts und einem Schritt zurück besteht, ist bald langsam und feierlich, bald rasch und ausgelassen. Die Tanzenden singen immer dazu, und die Tanzmelodien sind zum größten Theil alte Kämpeweisen.</p>
<p>So schloß der Tag, den wir in Thorshavn zugebracht, unter Küssen, Gesang und Scherz.</p>
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