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	<title>Gesundheitswesen &#8211; Lesereise zu den Schafsinseln im Atlantik</title>
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	<description>Auszüge aus der fachlichen und schönen Literatur von den Färöer</description>
	<lastBuildDate>Mon, 15 Sep 2025 13:56:28 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>Antidänische Rebellion auf den Färöerinseln</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/antidaenische-rebellion-auf-den-faeroeerinseln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 13:56:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Staat, Gesellschaft und Recht]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Tat 26.04.1955, Seite 2 [FAB-0062] Thorshavn, 25. April. (United Press) Der Entschluß der dänischen Polizeibehörden, ein Schiff mit 130]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Tat 26.04.1955, Seite 2 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0062</a>]</em></p>
<p><em><strong>Thorshavn, 25. April. (United Press)</strong></em><br />
Der Entschluß der dänischen Polizeibehörden, ein Schiff mit 130 Polizeibeamten auf die Färöerinseln zu schicken, um den dänischen Regierungsbeschluß betreffend Absetzung eines Spitalarztes im Spital von Klaksvik gegen die Wünsche der Bürger von Klaksvik zu erzwingen, hat zu den schärfsten Verwicklungen geführt.</p>
<p>Kurz nachdem das Schiff Im Hafen von Klaksvik angekommen war, verlautbarten die Hafenbehörden, patriotische Taucher hätten eine Dynamitladung unter dem Schiff angelegt und würden die Minen zur Entzündung bringen, sollten die Polizisten Anstalten treffen, das Schiff zu verlassen.</p>
<p>Während später die Hafenbehörden über den Rundfunk des Küstengebietes an alle Schiffe die Warnung richteten, den Hafen ohne vorherige Benachrichtigung der Hafenbehörden nicht anzulaufen, wurden eilige Besprechungen zwischen den Gewerkschaften von Klaksvik und Thornshavn abgehalten, um als Protest gegen die Polizeiaktion auf dem Archipel den Generalstreik auszurufen. Wie von gut unterrichteter Seite bekannt wurde, hat der Führer der extremen republikanischen Unabhängigkeitspartei, Erlendur Patursson, Samstagabend In Klaksvik den Widerstand gegen die Regierungsaktion organisiert.</p>
<p>Patursson, der während der nationalsozialistischen Besetzung in Dänemark lebte, war ein Mitglied der dänischen Widerstandsbewegung und ist mit Partisanentechniken vertraut. Fischer aus Klaksvik, die während der letzten Tage in Thorshavn waren, hatten überdies erklärt, ihre Kameraden verfügten über eine größere Anzahl von Feuerwaffen aus dem Krieg. Sie erklärten unverblümt, es ginge jetzt aufs Ganze und ihre Kollegen werden nicht zögern, zu schießen. Klaksvik werde nicht kapitulieren.</p>
<p><strong>Polizeischiff sucht das Weite</strong></p>
<p>Wie ein Sprecher der dänischen Regierung am Sonntagabend bekanntgab, hat das dänische Schiff «Parkeston», das am Sonntagvormittag in Klaksvik mit 130 Polizisten an Bord eintraf, am Sonntagabend den Hafen wieder verlassen.</p>
<p>Wie bekannt wurde, hat Ministerpräsident H. C. Hansen am Sonntagabend die Mitglieder seiner Regierung zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, um die Krise auf den Färöerinseln zu besprechen. An der Sitzung nahmen auch Vertreter der Justiz- und Gesundheitsämter teil, die für die Entlassung des Spitalarztes verantwortlich waren. Hansen hatte seinen Aufenthalt in Paris, wo er mit König Frederick die Eröffnung des «Dänemark-Hauses vornahm, abgebrochen und war in aller Eile nach Kopenhagen zurückgekehrt.</p>
<p><strong>Unerwartete Situation</strong></p>
<p><em>Kopenhagen, 25. April. (AFP)</em><br />
Angesichts der Entschlossenheit der Einwohner von Klaksvig (sic!), jeden Landeversuch der 120 (sic!) aus Kopenhagen herbeigeeilten Polizisten nötigenfalls gewaltsam zurückzuschlagen, unternehmen die Behörden der Insel Thorshavn (sic!), auf der Klaksvig liegt, und der dänischen Hauptstadt alles, um eine friedliche Lösung des Konflikts herbeizuführen.</p>
<p>Mittlerweile setzen die etwa 3000 Einwohner von Klaksvig die Schanzarbeiten fort.<br />
Die von Kopenhagen entsandten Polizisten haben die «Parkeston» nicht verlassen. Das Schiff bleibt vor dem Archipel der Faeröer verankert.<br />
Vor Dienstag oder Mittwoch sind indessen keine ernstere Verwicklungen zu erwarten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Niels Ryberg Finsen (Nobelpreis für Medizin 1903)</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/niels-ryberg-finsen-nobelpreis-fuer-medizin-1903/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Aug 2025 08:06:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
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					<description><![CDATA[Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts 1901, Spalte 508 [FAB-0019] Finsen, Niels Ryberg, in Kopenhagen, 15. Dezember 1860 zu]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts 1901, Spalte 508 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0019</a>]</em></p>
<p>Finsen, Niels Ryberg, in Kopenhagen, 15. Dezember 1860 zu Thorshavn auf den Färöerinseln geb., studierte seit 1882 in Reykjavik auf Island, 1890 Dr. med. in Kopenhagen, bis 1893 Prosektor der normalen Anatomie in Kopenhagen, beschäftigte sich seitdem ausschliesslich mit Untersuchungen der physiologischen Wirkungen des Lichts; seit 1896 ist F. Direktor eines öffentlichen Instituts zur Lichttherapie in Kopenhagen. Schriften: „ Koppebehandling med Udelukkese af de kemiske Straaler“ (Pockenbehandlung mit Ausschliessung der chemischen Strahlen; Hospitalstidende 1894) — „Lyset som Incitament“ (Das Licht als Incitament; Ib. 1895) — „Om Anvendelse i Medicinen af koncentrerede, kemiske Lysstraaler&#8220; (Über die Anwendung von konzentrierten, chemischen Lichtstrahlen in der Medizin, Lupusbehandlung; Kopenhagen 1896) — „ Über jährliche periodische Schwankungen in dem Hämoglobingehalt des Blutes“ (Hospitalstidende 1894) — „ Über die Behandlung und das Vorbauen von Ascites“ (Selbstbeobachtung; Ugeskrift for Laeger. 1894) — „La Phototherapie“ (Paris 1899) — „Meddelelser fra Finsen1s medicinske Lysinstitut 1“(Kopenhagen 1899).</p>
<p><em>Der große Brockhaus 15. Auflage Bd. 6 1930, Seite 256</em></p>
<p>Finsen, Niels Ryberg, dänischer Mediziner, *Thorshavn (Färöer) 15. Dez. 1860, + Kopenhagen 24. Sept. 1904, beschäftigte sich seit 1893 mit Untersuchungen über die physiol. Wirkungen des Lichts und gründete 1896 in Kopenhagen ein Institut für Lichttherapie; 1898 erhielt er den Professortitel, 1903 den mediz. Nobelpreis. F. erfand die Lichtbehandlung des Lupus (der Hauttuberkulose) mit der Finsenlampe, einer Kohlenbogenlampe mit konzentriertem, gekühltem Bogenlicht, das reich an ultravioletten Strahlen ist, und die Pockenbehandlung mit Rotlicht. Außer zahlreichen Abhandlungen schrieb er: »Über die Anwendung von konzentrierten chem. Lichtstrahlen in der Medizin« (dän. 1896, deutsch 1899), »La Phototherapie« (1899), »Über die Bedeutung der chem. Strahlen des Lichts für Medizin und Biologie« (1899Y »Die Bekämpfung des Lupus vulgaris«(19O2). Er gab seit 1899 »Meddelelser fra Finsens mediciniske Lysinstitut« (auch deutsch »Mitteilungen aus F.s mediz. Lichtinstitut«, seit 1900) heraus.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Beziehungen der Jahreszeiten zur Tuberkulose.</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/die-beziehungen-der-jahreszeiten-zur-tuberkulose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jul 2025 08:58:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
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					<description><![CDATA[Dr. Heerup, Färöer. Beiträge zur Klinik der Tuberkulose und spezifischen Tuberkulose-Forschung 1928 (68), Seite 739-745 [FAB-1043] Es ist mir eine]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Heerup, Färöer.</p>
<p><em>Beiträge zur Klinik der Tuberkulose und spezifischen Tuberkulose-Forschung 1928 (68), Seite 739-745 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-1043</a>]</em></p>
<p>Es ist mir eine außerordentliche Ehre, in einer so kompetenten Versammlung eine kurze Mitteilung vorzubringen. Ich hatte Bedenken, der Einladung des Herrn Prof. Brauer nachzukommen, und ich bin ihr nur gefolgt, weil das Schicksal mich an einen Ort gebracht hat, wo die geographischen und sozialen Verhältnisse sehr eigentümlich sind, weshalb ich glaube, es möchte interessieren, etwas von der Tuberkulose auf diesen Inseln zu hören.</p>
<p>Die Färöer sind eine kleine Inselgruppe unter 62 Grad nördlicher Breite und zwischen 6. und 8. Grad westlicher Länge im atlantischen Meere mitten im Golfstrome gelegen. Das Areal ist 1406 gm.</p>
<p>Die Einwohner zählen 22835 (1925) und sie machen eine selbständige nordische Nation aus. Auf den Färöer wohnen außer den Färingern nur 3 pro mille Dänen und ganz vereinzelt andere Ausländer.</p>
<p>Die Färinger ernähren sich durch Schafzucht und Fischerei. Der letztere Erwerb ist viel wichtiger als der erstere, indem weit mehr als die Hälfte der Bewohner Fischer sind.<br />
Die Inselgruppe besteht aus 17 bewohnten Inseln, die durch strömende Sunde voneinander geschieden sind. Die Inseln sind kahle Felseninseln mit Gräsern bewachsen. Bäume finden sich kaum oder nur spärlich.</p>
<p>Die Häuser der Färinger sind die letzten 50 Jahre viel verbessert worden; jetzt gibt es nur sehr wenige von den alten aus Stein und Erde gebauten Häusern (veggjahus); die meisten Häuser sind aus Holz gebaut, und zur Zeit wird auch oft Zement als Baumaterial benutzt. Die Wohnungen sind gut eingerichtet, aber leider werden sie nicht immer zweckmäßig verwendet, indem es überall ein Staatszimmer gibt, das nicht benutzt wird, und statt dessen häufen sich die Bewohner in einem Zimmer oder in der Küche zusammen; gleichfalls kommt es sehr oft vor, daß mehrere Familienmitglieder ein gemeinsames Bett benutzen.</p>
<p>Die hygienischen sowie die sozialen Verhältnisse sind für die Bewohner so gut wie gleichartig; es gibt sehr wenig reiche Leute, aber auch gar keine Armut, wie sie sich in den Großstädten findet. Es darf bestimmt behauptet werden, daß bei uns kein Mensch hungrig schlafen geht.</p>
<p>Die Färinger leben sehr genügsam; die tägliche Kost besteht aus Fisch (gekochtem), Kartoffeln und Brot, nur selten essen sie Fleisch, und dann meistens Walfleisch, am häufigsten gesalzenes. Außerdem ein wenig Milch und Eier. Fisch und Kartoffeln werden meistens zusammen gekocht, und auch noch heutzutage oft von der ganzen Familie aus einer Schüssel mit den Fingern gegessen, was natürlich eine große Ansteckungsmöglichkeit darbietet.</p>
<p>Die Dörfer liegen recht gleichmäßig an den Küsten der Inseln zerstreut, und vielen Verkehr pflegen die Einwohner nicht miteinander. Es gibt aber hier eine nationale Sitte: der färöische Tanz, welcher ein Kettentanz ist und am liebsten &#8211; d. h. wenn er ein &#8222;guter&#8220; Tanz sein soll &#8211; in einem Zimmer getanzt werden muß, das eben von den Tänzern gefüllt werden kann und nicht größer ist. In vielen Dörfern ist ein solcher Tanz eine wöchentliche Erscheinung. Auf diesen Tanzböden und in den kleinen Kajüten der Schiffe, wo so viele Färinger monatelang zusammengestaut bei Island oder Grönland während der Fischerei leben, haben viele junge Männer ihre Lungentuberkulose durch Ansteckung bekommen.</p>
<p>Mit dem Auslande gibt es auch nicht vielen Verkehr; im Sommer ein Postschiff jede Woche und im Winter jede zweite Woche. Ist in der Neuzeit der Verkehr gering, dann ist es natürlich, daß es früher nur einen sehr sparsamen Verkehr gab. Zu der Zeit der Segelschiffe verliefen mehrere Monate ohne jede Verbindung mit der Außenwelt.</p>
<p>Dieses hat selbstverständlich einen großen Einfluß auf die Geschichte der Krankheit auf den Färöern.</p>
<p>Die Geschichte der Tuberkulose auf den Färöern ist ganz kurz:</p>
<p>1894 teilte J. Russel in einem Aufsatze in the Lancet: „The pathology of the Faroe Islands&#8220; mit, daß die Tuberkulose so gut wie unbekannt auf den Färöeinseln sei.</p>
<p>Hirsch hebt dasselbe 1886 hervor (Handbuch der historisch geographischen Pathologie).</p>
<p>Dies ist ganz sicher nicht richtig: Boeg erwähnt in seiner bedeutungsvollen Dissertation, daß die Krankheit schon in den Kirchenregistern im Schlusse des 18. Jahrhunderts erwähnt wird. Er glaubt, daß es sich hauptsächlich um eingeschleppte Fälle handelt.</p>
<p>Manicus teilt 1824 in der dänischen Zeitschrift „Bibliothek for Laeger&#8220;: „einige Beobachtungen über die auf den Färöern herrschenden und daselbst fehlenden Krankheiten&#8220; mit, daß die Krankheit vorkommt, 1832 sagt derselbe Verfasser in einem Aufsatze: „Annotaliones (sic!) in historiam et aetiologiam morborum quorundam borealium&#8220;, daß die Krankheit sehr selten ist.</p>
<p>Hierzu bemerkt Physikus Boeg ohne Zweifel richtig, daß zu der Zeit, als nur ein Arzt auf den Inseln war, die Tuberkulose eine Krankheit war, bei der man den Arzt nicht holte; dies wäre sowohl zu kostspielig als auch mit außerordentlicher Mühe verbunden, da es sich um lange Reisen und primitive Beförderungsmittel handelte.</p>
<p>1843 wurden im kleinen Hospitale in Thorshavn 19 Patienten behandelt, davon 4 mit Tuberkulose, ein Zeichen, daß die Krankheit nicht so ganz selten war.</p>
<p>1872 wird im Jahresberichte des königlichen dänischen Gesundheitskollegiums erwähnt, daß die Phthisis pulmonum, welche früher beinahe unbekannt auf den Färöerinseln gewesen sein soll, jetzt öfters vorkommt und jedes Jahr um sich greift.</p>
<p>1879 wurde die Sterblichkeitsstatistik endlich geordnet durch das Gesetz der Leichenbesichtigung vom 29. III. 1878 mit dazu gehörigen Instruktionen, und erst jetzt zeigte es sich, daß die Krankheit recht ausgebreitet war.</p>
<p>So zeigt die Statistik, daß in der Periode 1879-1898 11,8 Tuberkulosetodesfälle pro 10000 Einwohner angemeldet wurden, welche Zahl ziemlich mit den Verhältnissen in Dänemark und einer Statistik von Straus über einige französische Kleinstädte übereinstimmt: 14,9 pro 10000 Einwohner.</p>
<p>Die Färöer gehören seit mehreren Jahrhunderten staatsrechtlich zu Dänemark und wurden von dort administriert. Bis im Jahre 1856 war jede Handelsunternehmung monopolisiert und vom dänischen Staate besteuert. Dies bedeutete, daß die Färinger nach der damals einzigen Verkaufsstelle der Inseln mit ihren Fischen und Fleisch und Wolle reisen mußten und dort ihr Mehl, Zucker usw. holten.</p>
<p>Oft waren natürlich die Einwohner mit diesem Zustand sehr unzufrieden, aber meistens wurden sie doch wohl mit den notwendigsten Nahrungsmitteln versorgt. 1856 wurde das Monopol aufgehoben, und Boeg meint, daß der Freihandel, der natürlich im Beginne mit verschiedenen Beschwerden zu kämpfen hatte und oft versagte, so daß ein wirklicher Notzustand in der Übergangszeit periodenweise eintrat, schuld daran war, daß die Tuberkulose sich verbreitete.</p>
<p>Die meteorologischen Verhältnisse auf den Färöern sind in verschiedenen<br />
Beziehungen eigenartig.</p>
<p>Dies gilt z. B. von den Temperaturverhältnissen und der Anzahl der Sonnen-<br />
scheintage.</p>
<p>Sowohl das eine wie das andere wird durch die Lage der Inseln mitten im Golfstrome verursacht.</p>
<p>Das Klima ist im Sommer kälter und im Winter wärmer als z. B. in Dänemark.</p>
<p>Ich habe die meteorologischen Verhältnisse in Lyngby (bei Kopenhagen) in Dänemark und Thorshavn (Höjvig) auf den Färöern verglichen.</p>
<p>Ich weiß wohl, daß die Witterung nicht überall auf den Inseln gleichartig ist, z. B. ist der Niederschlag in Kvalvig, ca. 20 km von Thorshavn entfernt, 3223 mm, während er in Thorshavn 1511 mm ist, durchschnittlich in 5 Jahren.</p>
<p>Kvalvig ist eine überaus regnerische Stelle und Thorshavn ist zentral gelegen; deshalb habe ich diesen Platz gewählt.</p>
<p>Die Durchschnittstemperatur in Thorshavn ist von 40 Jahren ausgerechnet, während ich für Lyngby betr. nur 30 Jahre verwendet habe:</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Tabelle-1.jpg" /></p>
<p>Die Durchschnittstemperatur ist also bei uns ca. 2 Grad niedriger als in Dänemark.</p>
<p>Betreffs der einzelnen Jahreszeiten sieht die Zusammenstellung so aus :</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Tabelle-2.jpg" /></p>
<p>Von bedeutend größerem Interesse ist jedoch die Anzahl der Sonnenschein-tage und der Sonnenscheinstunden. Ich vergleiche ebenfalls hier die Angaben aus Lyngby (nach Beobachtungen durch 10 Jahre) und aus Höjvig bei Thorsharn (nach 4jährigen Beobachtungen). In den Jahren 1922-1925 sind in Höjrig pro Jahr durchschnittlich 950 Sonnenscheinstunden gewesen. In der nachfolgenden Kurve habe ich die Anzahl der Sonnenscheinstunden pro Monat in Höjrig und Lyngby verglichen.</p>
<p>In Lyngby ist in den Jahren 1913-1922 der jährliche Durchschnitt der Sonnenscheinstunden 1769 pro Jahr gewesen.</p>
<p>In Lyngby sind in 10 Jahren jährlich durchschnittlich 93 Tage ohne Sonnenschein gewesen, während der jährliche Durchschnitt in Höjvig (in 5 Jahren) 126 sonnenlose Tage gewesen ist.</p>
<p>Die monatliche Anzahl der Sonnenscheinstunden in Lyngby und Höjrig habe ich hier verglichen:</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Kurve-1.jpg" /></p>
<p>Bekanntlich ist auf den Färöern Nebel eine häufige Erscheinung, hinsichtlich seiner ist es aber interessant, was Mitglieder einer strahlenbiologischen Expedition vom Eppendorfer Krankenhaus in Hamburg mir mitgeteilt haben, daß nämlich der hiesige Golfstromnebel 5% gewisser ultravioletter Strahlen hindurchgehen läßt, während z. B. der durch Staub und Rauch verunreinigte Nebel über einer Großstadt wie Hamburg überhaupt nichts hindurchgehen läßt.</p>
<p>Wie verhält es sich augenblicklich mit der Tuberkulose auf den Färöern?</p>
<p>Die Zahl der Einwohner ist, wie schon erwähnt, 22835. Die durchschnittliche Anzahl der Tuberkulosetodesfälle in den letzten 5 Jahren ist 36 gewesen. Wenn man die durchschnittliche Lebenszeit auf 7-8 Jahre pro Individuum schätzt, sind augenblicklich auf den Färöern etwa 300 tuberkulös.</p>
<p>Die Sterblichkeit ist in den Jahren 1879-1898 11,8 pro 10000 gewesen. Ich habe an der nachfolgenden Kurve gezeigt, wie die Verhältnisse seit 1898 gewesen sind. An der Kurve habe ich die Sterblichkeitskurve der Städte des übrigen Königreiches mitgezeichnet, und man bemerkt, wie auffallend weit kräftiger der Ausschlag der Kurve der Färöer als der der anderen ist.</p>
<p>Dies rührt teilweise davon her, daß&#8217;es sich hier um niedrige Zahlen handelt: es ist aber auch auffallend, daß ein Steigen der Kurve zu den Zeitpunkten vorkommt, wo ernsthafte Epidemien &#8211; entweder Influenza, Keuchhusten oder Masern &#8211; gewesen sind.</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Kurve-2.jpg" /></p>
<p>Man bemerkt, daß die Sterblichkeit sich jetzt ein wenig vermindert hat. Ob dies dadurch verursacht ist, daß man die Wirkungen der Influenzazeit nicht mehr merkt oder es sich um eine ganz zufällige Erscheinung handelt, weiß man noch nicht.</p>
<p>Die Zahlen, die ich benutzt habe, sind außer den Mortalitätstabellen die gesetzlichen Berichterstattungen der Ärzte über die Tuberkulosefälle.</p>
<p>Die letzteren sind wohl nicht so zuverlässig wie die ersteren; ich habe sie dennoch für die nachfolgende Kurve benutzt, da ich glaube, daß die Durchschnittszahlen von 27 Jahren einen Eindruck geben, auf den man sich leidlich verlassen kann; es zeigt sich auch, daß die Kurve eine unzweifelhafte Ähnlichkeit mit der der Landbevölkerung des übrigen Königreiches hat.</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Kurve-3.jpg" /></p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Kurve-4.jpg" /></p>
<p>Überdies ist hier eine Kurve, die die angezeigten Tuberkulosefälle in Kopenhagen, monatlich geordnet, zeigt.</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Kurve-5.jpg" /></p>
<p>Ich habe nun diese 3 Kurven mit der Kurve Nr. 1 „Die Anzahl der Sonnenscheinstunden&#8220; verglichen und bemerke die auffallende Übereinstimmung der Kurven der Sonnenscheinstunden und der Krankheitsfälle in den Landbezirken des übrigen Königreiches und auf den Färöern.</p>
<p>Kurve Nr. 5 (Kopenhagen) weicht ganz von den anderen ab.</p>
<p>Es ist eine allgemeine Annahme, daß die Erkältungskrankheiten (Bronchitis und Bronchopneumonia) die Entstehung der Tuberkulose sehr begünstigen, und ich habe deshalb für dieselben 27 Jahre die angezeigten Erkältungskrankheiten monatweise geordnet.<br />
Diese Kurve sieht so aus:</p>
<p><img decoding="async" src="https://schafsinseln.areion.org/wp-content/uploads/Turberkulose-1043-Kurve-6.jpg" /></p>
<p>Wenn man die Kurven vergleicht, ist die Kurve der Erkältungskrankheiten eine ganz andere als die der Tuberkulosefälle, die in den späteren Frühlingsmonaten gipfelt, während die Erkältungskrankheiten mitten im Winter am häufigsten sind.</p>
<p>Dawider ist es auffallend, daß die Kurve der Tuberkulosefälle auf dem Lande in Dänemark und auf den Färöern der Kurve der Sonnenscheinstunden vollständig gleicht.</p>
<p>Es ist hier interessant, die Aufmerksamkeit darauf hinzuleiten, daß gerade zu den Monaten, wo die meisten Tuberkulosefälle angezeigt werden, etwa 3000 hauptsächlich junge Männer (1/7 der Bevölkerung) auf der Fischerei bei Island abwesend sind.</p>
<p>Es ist eine abgemachte Sache, daß die angezeigten Fälle die frischen Tuberkulosefälle umfassen, es wird aber kaum gewöhnlich sein, daß ein Tuberkulosefall, der durch Erkältungskrankheit im Monat Januar verursacht ist, erst einige Monate später ärztliche Hilfe sucht; auf alle Fälle darf ich es wagen, durch vieljährige Erfahrung zu behaupten, daß kein Färing mehr als wenige Wochen verlaufen läBt, bevor er zum Arzt geht, wenn er sich nur ein wenig unpäßlich fühlt, geschweige wenn er hustet. Hier, wo etwa 90% der Bevölkerung Mitglieder einer Krankenkasse sind und wo der Bevölkerung mit den 10 Ärzten, die jetzt hier sich finden, recht gut geholfen ist.</p>
<p>Die Ursache des Verlaufs der oben erwähnten Kurven läßt sich nicht feststellen; ausgeschlossen ist es aber nicht, daß die Einwirkung des Lichtes von Bedeutung sein darf. Deshalb habe ich die Einwirkung des Lichtes auf 80 Realschulkinder von 9-16 Jahren und auf 20 Seminaristen mit Bezug auf den Hämoglobingehalt des Blutes und die Blutkörperchen untersucht. Für die Hämoglobinuntersuchung habe ich Sahlis Hämoglobinometer (korrigiert) verwendet. Dieselben Individuen sind Ende Februar, als die dunkelste Zeit vorüber war, und Ende September, als die Einwirkung des Lichtes fast bedeutungslos war, untersucht worden.</p>
<p>Merkwürdigerweise zeigte es sich, daß kein nachweislicher Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsreihen war, merkwürdigerweise, weil die Blässe der Kinder im Winter auffallend ist, während sie im Sommer aufblühen und rotwangig werden.</p>
<p>Es darf jedoch nicht ausgeschlossen sein, daß eine gewisse Lichtwirkung auf eine schlummernde Tuberkulose anregend wirken könnte, daß dieselbe zum Ausbruch und zum Vorschein gerade in den späteren Frühlingsmonaten gebracht würde.</p>
<p>Man vergleiche, was bei der Sonnenlichtbehandlung der Lungentuberkulose als eine Grundregel anerkannt ist, daß die Behandlung anfangs sehr vorsichtig vorgenommen werden muß, weil eine kräftige Dosierung schädlich wirken kann. Ferner ist ja die Behandlung nur für ganz besonders leichte Fälle geeignet.</p>
<p>Nach einer langen, dunklen Periode fängt, wie die Kurve zeigt, die Lichtwirkung zu demselben Zeitpunkt an, wo die meisten frischen Tuberkulosefälle angezeigt werden (siehe die Kurve 3).</p>
<p>Der Umstand, daß die Kurve, die „die angezeigten Tuberkulosefälle&#8220; in Kopenhagen zeigt, nicht denselben Verlauf hat, schließt die mögliche Richtigkeit des vorgebrachten Gedankens nicht aus, wenn man weiß, daß der Rauch und Staub, der sich in einer Großstadt findet, die Wirkung gewisser Lichtstrahlen hemmt.</p>
<p>(Eingegangen am 15. September 1927.)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über die Resultate der Vaccination und der Revaccination in Dänemark</title>
		<link>https://schafsinseln.areion.org/ueber-die-resultate-der-vaccination-und-der-revaccination-in-daenemark/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alsabang]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 13:56:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
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					<description><![CDATA[Dr. Joachim Drejer Amtlicher Bericht über die Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte 1843 (1844), Seite 313-316 [FAB-0538] Dr. Joachim Drejer,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Joachim Drejer</p>
<p><em>Amtlicher Bericht über die Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte 1843 (1844), Seite 313-316 [<a href="https://schafsinseln.areion.org/fab/">FAB-0538</a>]</em></p>
<p>Dr. Joachim Drejer, Prof. und k. Hofmedicus aus Coppenhagen, sprach hierauf über die Resultate der Vaccination und Revaccination in Dänemark und machte Vorschläge einer allgemeinen Gesetzgebung über Revaccination.</p>
<p>Die nachträglich eingesendete Abhandlung ist folgende:<br />
&#8222;Als dreizehnjähriger Vorstand des königlichen Vaccinationsinstitutes zu Coppenhagen, in welchem Zeitraume daselbst beinahe fünf und zwanzig tausend Personen vaccinirt und revaccinit worden sind, weil die Pocken während desselben öftere Mahle epidemisch grassirten, fühle ich mich berufen, auch meinen Beitrag zu liefern zur Beantwortung der wichtigen Frage, wie man Jenner&#8217;s grosse Entdeckung bezüglich der vollständigen Ausrottung der schrecklichen Blatternkrankheit am besten benützen könne.</p>
<p>In Dänemark begann die Vaccination schon in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts, und seit 1810 ist sie gesetzlich eingeführt und mit Strenge gehandhabt. Alle Aerzte sind verpflichtet, jährlich zu berichten, wie viele Individuen sie vaccinirt, revaccinirt und an Pocken behandelt haben. Sogar jene Aerzte, welche keine derartige Praxis haben, müssen bei Strafe dieses selbst einberichten. Durch Vergleichung dieser Listen mit den Populationstabellen und den Listen der verstorbenen Kinder erhält man eine ziemlich genaue Uebersicht und Controlle der Vaccination. Die Revaccination dagegen ist von Regierungswegen nur empfohlen, nicht gesetzlich eingeführt, mit Ausnahmen bei den Recruten der Landarmee und den Kindern der Armenschulen, welche alle in dem oben genannten Institute wieder geimpft werden, jene von ihren respectiven Militärärzten, wenn dieselben ungefähr in ihrem 22. Lebensjahre von den verschiedenen Districten zum ersten Mahle einrücken, zu welcher Revaccination die geimpften Kinder der Anstalt den Stoff liefern: diese Kinder aber werden von mir selbst nach dem vierzehnten Lebensjahre, also im Pubertätsalter, vaccinirt. In diesem Alter verlassen sie die Schule, um nach Wiederablegung ihres Taufgelübdes ihre Lebensbestimmung anzutreten.</p>
<p>Das Resultat der Revaccination bei den Recruten ist gewesen, dass ungefähr zwei Drittheile derselben echte Vaccine mit oder ohne Modification, ein Drittheil aber entweder falsche oder gar keine bekamen. Bei den Schulkindern hingegen verhält es sich viel günstiger, da nicht einmahl der fünfte Theil der Impfoperationen erfolglos bleibt. Nähmlich in den drei letzten Jahren 1840-1842 war die Anzahl der wiedergeimpften Individuen, die mit wenigen Ausnahmen Schulkinder des bezeichneten Alters waren, 625, und von diesen bekamen echte Kuhpocken 531, während falsche oder keine bemerkt wurden an 94, also nur bei 18 Procent. Glücklichere Resultate der Revaccination kenne ich nicht.</p>
<p>Das Resultat der Vaccination kleiner Kinder im Institute ist so günstig, dass gewöhnlich nur ein und einhalb Procent missglücken, und in solchen Individuen wird meistens durch eine wiederholte Impfung ein befriedigender Erfolg erzielt.</p>
<p>Nachdem die Blattern durch die angeordnete Impfung aus den dänischen Landen<br />
beinahe wie vertrieben waren, brachen sie plötzlich durch eine Ansteckung von fremden Seeleuten wieder aus, und die Disposition dazu zeigte sich so vorherrschend, dass eine Menge Personen, nicht nur solche, die vor langer Zeit vaccinirt worden waren, sondern auch solche, die früher an Pocken gelitten und deren Spuren noch in Confluenten Narben an sich trugen, von der Blatternkrankheit ergriffen wurden, von welchen letzten Fällen einige sogar mit Tod endeten. Man machte also damit die Erfahrung, dass die Vaccination nicht für immer schütze vor einer Blatternansteckung, obschon die Vaccinatoren in den gesetzlichen Impfscheinen auf ihre Ehre und Gewissen diess versichern; aber zugleich auch, dass die Blattern selbst nicht vor abermahliger Blatternkrankheit schützen, und es wäre unbillig, mehr von der Vaccine als von den Blattern in dieser Hinsicht zu erwarten, da jene höchstens als identisch mit dieser betrachtet werden kann. &#8211; Nun wollten sich Alle revacciniren lassen, und mein Institut wurde so bestürmt, dass man die Polizei zu Hülfe nehmen musste, um Ordnung zu erhalten, weil diese grosse Masse Menschen aus allen Ständen und Altern unsere Sale ausfüllten und unsere Stiegen versperrten. Die bedeutendste dieser Pockenepidemien hatte ihren Calminationspunct zu Ende 1835; durch unermüdetes Vacciniren und Revacciniren gelang es jedoch, derselben im Laufe des Jahres 1836 ein Ziel zu stecken. Als gewisses Factum kann ich anführen, dass alle Individuen, welche echte Kuhpocken, ja nur eine einzelne Pustel bekamen, unangesteckt geblieben sind, obwohl sie mit afficirten Personen zusammen wohnten oder selbst schliefen. Hiermit muss man nicht die Thatsache verwechseln, dass viele Personen Variolen oder Varioloiden bekamen unmittelbar nach Vaccination oder Revaccination; denn wie bekannt, kann das Contagium mehrere Tage latent im Körper verweilen, und natürlich, wenn früher aufgenommen, durch Impfung höchstens modificirt, nicht aufgehoben werden. Während der erwähnten Epidemie erkrankten und starben mehrere Soldaten, weil wohl die Recruten der letzten Jahre revaccinirt waren, aber noch nicht die ganze Garnison auf diese Weise vor den Blattern geschützt war. Seitdem nun die ganze Mannschaft revaccinirt worden ist, sind in der letzten Epidemie, welche im Frühjahre 1842 durch einen angesteckten fremden Matrosen begonnen und noch nicht aufgehört hat, so viel ich weiss, nur einige Soldaten, und zwar solche, die ohne Erfolg wieder geimpft waren, nur leicht angegriffen worden und ohne allen tödlichen Verlauf. Diese Epidemie kann im Ganzen nur sehr wenig Nahrung finden, weil die Vaccination so sorgfältig betrieben wird, und würde noch weniger und vielleicht gar keine Opfer finden, wenn eine allgemeine Revaccination eingeführt wäre.</p>
<p>In Dänemarks entferntesten nördlichen Colonien, Grönland und Island, wo vormahls die Pocken so grosse Verwüstungen angerichtet haben, hat sowohl Vaccination als Revaccination guten Fortgang, obwohl die Impfärzte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, theils wegen des Klimas, des Terrains, der Zerstreutheit dieser Fischerei treibenden Völker, theils wegen der harten Seehund-Kleidung der Grönländer, theils wegen des Widerwillens und der Gleichgültigkeit gegen diese Reform. Vor ungefähr drei Jahren waren die Blattern durch ein Schiff nach Grönland und auch nach Island verschleppt worden, aber glücklicher Weise fielen nur Wenige als Opfer, da die bedrohten Puncte durch Vaccination und Revaccination geschützt waren, und dadurch die weitere Verbreitung verhindert wurde.</p>
<p>In Folge dieser unzweideutigen Beweise von der grossen Nützlichkeit der Revaccination trage ich kein Bedenken, vorzuschlagen, und die geehrten Herren Collegen der verschiedenen Länder aufzufordern, dass sie ihre Regierungen veranlassen, eine allgemeine Gesetzgebung für Revaccination einzuführen.</p>
<p>Laut meiner angeführten Beobachtungen über die vorzügliche Empfänglichkeit des<br />
Pubertätsalters für die Vaccine sehe ich dieses Alter für das passendste für die Wiederimpfung an, also bei uns im nördlichen Europa im 14. Lebensjahre, in warmen Himmelsstrichen wohl früher. In den protestantischen Ländern ist dieses Alter um so mehr anzuempfehlen, da es Confrmationsalter ist, und also die Geistlichkeit Revaccination controlliren könnte, so gut wie gegenwärtig die vollbrachte Vaccination. &#8211; Die Disposition zur Variole ist, wie die zu allen andern epidemischen Krankheiten, höchst verschieden, während Einige durch die geringste Veranlassung und einige Jahre nach vollbrachter Impfung angesteckt werden können, sind Andere entweder nie oder nur nach einer langen Reihe von Jahren einer möglichen Ansteckung unterworfen. Ein bestimmter Termin wieder eintretender Empfänglichkeit kann daher nicht angegeben werden; aber da die sichersten Beobachtungen einen Wiederausbruch der Pocken vor dem vierzehnten Lebensjahre nur als Ausnahme darstellen, wenn die Vaccination mit Erfolg vorgenommen war, glaube ich, dass man ohne Gefahr für die allgemeine Sicherheit auf das besagte Alter die Revaccination festsetzen kann: also dreizehn Jahre nach der ersten Impfung, wenn diese im ersten Lebensjahre vorgenommen worden ist, worauf man mit Strenge sehen muss. Der Revaccinationsschein sollte Aufschluss geben, dass der Besitzer mit Erfolg, oder wenigstens zwei- bis dreimahl, wenn ohne Erfolg, wiedergeimpft worden sey. Ich habe mehrere traurige Beispiele gesehen, dass man von einem Fehlschlagen der Revaccination auf ein Freiseyn von Pockendisposition nicht schliessen könne, weil in dem angeführten Jahre 1835 in Coppenhagen mehrere Personen an Pocken erkrankten und starben, die sich sicher glaubten, durch eine wiewohl erfolglose Revaccination, und ich habe öfter nach mehreren vergeblichen Versuchen endlich doch ein glückliches Resultat erzielt. Die Receptivität ist gar oft abhängig von verschiedenen zufälligen Umständen, wie Witterungsverhältnisse, grössere oder geringere Intensität der benützten Lymphe, das körperliche Befinden und Idiosynkrasien zwischen dem Bevaccinten und Revaccinirenden. So habe ich in meinem Institute bedeutende Unterschiede bemerkt in dem Verpflanzungsvermögen der Lymphe bei verschiedenen Kindern. Ich fühle es als eine Gewissenspflicht, immer gesunde Kinder zum Verpflanzen des Impfstoffes auszuwählen, da ich überzeugt bin, dass man durch Benützung der Lymphe scrophulöser oder mit anderen Krankheiten afficirter Kinder eine ganze folgende Generation verderben könne. Ich vaccinire nähmlich selbst die meisten Kinder der Hauptstadt, und versehe die Aerzte der Hauptstadt, der Provinzen, und selbst oft einige des Auslandes mit Lymphe. Indessen habe ich die Bemerkung gemacht, dass gut entwickelte Vaccine scheinbar gesunder Kinder oft weniger geschickt sey zur Verpflanzung, als weniger gut entwickelte von scheinbar schwächeren Individuen. Es trug sich einmahl in meinem Institute der Fall zu, dass bei allen den Kindern, die von einem scheinbar ganz gesunden und kräftigen Kinde mit ausgezeichneten Pusteln geimpft worden waren, kein einziger Vaccinpustel sich zeigte, während die anderen Kinder mit anderem Impfstoffe, der scheinbar von geringerer Qualität war, an demselben Tage glücklich behandelt, und die früheren an einem folgenden und mit der Lymphe eines andern Kindes erfolgreich geimpft wurden. Auf Grund dieser Beobachtungen und Beweise sollte man gewiss die Revaccination auch mehrere Mahle wiederholen, wenn sie bei dem ersten Versuche ohne Erfolg war. An denjenigen Militärrecruten, an welchen der erste Revaccinationsversuch erfolglos blieb, wird gewöhnlich der Versuch wiederholt, und mehrere Procente von ihnen bekommen dann immer echte Kuhpocken.</p>
<p>Rücksichtlich der Aufbewahrung und Versendung der Vaccine in die entferntesten Colonien von Dänemark nach Grönland, Island, Faröer-Inseln, West- und Ostindien und die Küste von Guinea, so benutze ich dazu die abgefallenen Schorfe der Vaccine von gesunden Kindern, die ich einsammeln lasse und in hohlgeschliffenen Spiegelglasplatten aufbewahre<br />
und mit einem Glasdeckel durch einen an den Seiten angebrachten klebrigen Copal-Firniss versehe. Die Seitenränder der beiden zusammengeleimten Platten werden übrigens noch durch Heftpflaster, auf Papier oder Stanniol gestrichen, noch fester zusammengehalten. Diese mit den Schorfen gefüllten Glaskapseln werden mit Papier und Stanniol umwickelt, und in Schachteln zu Schiff versendet. Beim Gebrauche werden die trockenen Schorfe in einer kleinen Reibschale sorgfältig pulverisirt, und das von den Epidermaltheilen gereinigte feine Pulver, das ich als getrocknete Lymphe ansehe, mit lauem Wasser zu einer gelatinösen oder mucilaginösen Masse angerieben, womit man vaccinirt, öfters mit glücklichem Erfolge, obwohl die Kruste oft schon mehrere Monathe alt und so weit versendet war. Ich habe die Ehre einer verehrten Versammlung ein Paar solcher Glasplatten zur Ansicht vorzulegen.</p>
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