Auf den Färöern. Prof. Lehmann – Teil 8

Von Prof. DDr. Edward Lehmann.

Meereskunde 1913 (7/11), Seite 1 – 32 [FAB-1769]

Die Hauptnahrung der Färinger sind indessen die Fische, die in reichster Fülle gerade diese Gegend des Nordmeers beleben. Selten sind unter den nördlichen Fischen hier nur die Heringe, die lieber östlicher, nach Norwegen hin, ziehen; um so viel eifriger werden sie gesucht, weil man sie als Köder beim Angeln, besonders nach dem Dorsch, nicht entbehren kann. Der Dorsch, der Kabeljau, ist der eigentliche Bewohner des färöischen Meeres, dazu die kleineren und größeren Flachfische: Rotzungen und Heilbutten und viele andere, die nur für den lokalen Gebrauch in Betracht kommen. Früher war der Kabeljau der einzige Fisch, nach dem man für weitere geschäftliche Zwecke angelte, indem er sich ja in getrocknetem Zustand als „Klippfisch“ versenden läßt. Dieser Betrieb ist noch heute sehr rege. Überall in den Städten und bei den Fischplätzen sieht man die flachen Felsenblöcke mit dem aufgeschnittenen und ausgespreizten Fisch bedeckt; auch die Dächer der Häuser und Scheunen der Großkaufleute werden dazu benutzt. Schön sieht das nicht aus; es riecht auch nicht besonders angenehm; das schlimmste daran ist aber die unsägliche Mühe, die dieses Trocknen bei dem unstetigen feuchten Wetter, wo zwei Stunden Sonnenschein von vier Stunden Regen abgelöst werden, dem damit beschäftigten Menschen bietet.

Heutzutage hat sich daneben der Fang von Flachfischen, besonders von Heilbutten, mit den Dampffahrzeugen und dem Trawlverfahren reich entwickelt. Der schnell gewonnene Fang läßt sich in dieser Weise schnell nach Schottland bringen, um noch im frischen Zustand dem englischen Fischmarkt zugute zu kommen.

Diese „besseren“ Methoden haben zu einer Ausbeutung des Meeres geführt, gegen die man bis jetzt nur wenig tun kann. Ein energisches Einschreiten von seiten der Regierungen wird aber bald notwendig. Der Trawl, ein ungeheures, sackförmiges Netz, das durch Schwergewichte bis an den Meeresboden versenkt wird, wird mit Dampfkraft darüberhin geschleppt und füllt sich nunmehr mit allem, was in seinen großen Schlund hineingerät, auch mit Pflanzen und Steinen, Weichtieren und Schalen, und vor allem neben den großen wertvollen auch mit kleinen unreifen Fischen, die wieder tot oder halbtot herausgeworfen werden. Der ganze Fischbestand wird dadurch buchstäblich verheert und der Meeresboden noch dazu verwüstet, so daß er für den Aufenthalt und die Vermehrung der Fische immer ungünstiger wird. Daß dieses Verfahren zu einem schaurigen Ende führen muß, ist schon vorauszusehen. Das Meer ist gar nicht unerschöpflich, wie die Leute glauben, so wenig wie es sonstwo Fauna oder Flora auf Erden sind. Wie Jagd- und Schonungsgesetze diese beschützen, ist eine internationale Regelung des Fischfangs ebenso notwendig und wird wohl nicht lange ausbleiben.

Sehr einleuchtend ist diese Notwendigkeit auf dem Gebiete des Walfangs. Die großen Wale zeigten sich früher um die Färöer herum in ziemlich bedeutender Anzahl. Seitdem aber norwegische Walfänger eine Reihe von Jahren mit Schnelldampfern und mit kanonenartigen Geschützen ihr Spiel treiben, und die dänische Regierung ihnen noch dazu – unter dem Druck eines demokratischen Wohlwollens – erlaubt hat, ihre Walstationen auf den Inseln anzulegen, werden die braven Tiere im Nordmeere immer seltener, so selten, daß sich bekanntlich die norwegische Energie über das südliche Polarmeer geworfen hat, um sich an dem dortigen bis jetzt unberührten Walbestand zu sättigen.

Auch diese Ausbeutung des Meeres greift in unberechenbarer Weise in das Leben der Fischwelt ein, weil die Wale nicht nur als Verschlinger und Feinde der Fische anzusehen sind, sondern allem Anschein nach zugleich auf die Wandrungen der Fische einwirken.

Abbild. 20. Klippfischwaschen.
Abbild. 21. Phot. Dr. H. Rudolphi. Klippfischtrocknen.
Abbild. 22. Phot. K. Schreiber. Klippfisch, nach dem Trocknen aufgestapelt.
Abbild. 23. Phot. K. Schreiber. Walfangstation Gjáanoyri. Links das Schlipp, auf dem die Wale zerteilt werden.