Die dänische Expedition nach den Faröer-Inseln

Rudolf von Willemoes-Suhm

Ausland 1872 (45), Seite 1055 [FAB-3380]

Die englische illustrirte Wochenschrift „Nature“ enthält hierüber folgendes, aus, Kopenhagen vom 4 Sept. datirtes Schreiben des Hrn. Rud. v. Willemoes-Suhm: „Die Vereinigte Dampfer-Gesellschaft (forenede Dampskibselskab) in Kopenhagen ist, nachdem sie von der Regierung zur Erforschung der Kohlenfelder eine Geldbewilligung erhalten, im Begriff eine Expedition nach diesen Inseln abzusenden, um die Erstreckung der Kohlenfelder im Norden von Süderoe wissenschaftlich zu untersuchen, und die Mittel und Wege anzugeben wie sich die Steinkohlen am besten nach Kopenhagen befördern lassen. Außer den Handelszwecken welche die Expedition im Auge hat, wird sie von Männern der Wissenschaft begleitet sein, welche die Naturgeschichte dieser kleinen Eilande zu erforschen haben. Die Regierung hat den Prof. Johnstrup ersucht die verschiedenen Kohlenfelder aus der südlichen Insel in Augenschein zu nehmen und die geologischen Charakterzüge derselben einer näheren Prüfung zu unterziehen. Die Leiter der Dampfschiffgesellschaft, durch den Consul Koch vertreten, haben die Freundlichkeit gehabt mir zu gestatten die Expedition zu zoologischen Zwecken zu begleiten. Die geologischen Charakterzüge der Inseln sind am besten aus Forchhammers Forschungen bekannt, die in den „Verhandlungen der dänischen Gesellschaft der Wissenschaften“ (1828) veröffentlicht worden sind. Die Felsen der Färöer sind größtentheils vulcanischen Ursprungs, indem man auf allen derselben Dolerit-Porphyr in großen Massen findet. Steinkohlen-Sedimente sieht man nur im Süden (Süderoe) und auf den kleinen Eilanden Myggenäs und Tindhvlm. Zu welcher Formation diese Lager gehören, ist nicht aufgeklärt, da man bisher noch keine Fossilien entdeckt hat. Allein da die Kohlenfelder Islands und Grönlands, in denen man fossile Pflanzen gefunden, zu der miocän-tertiären Periode gehören, so ist es wahrscheinlich daß man jene der Färöer zu der nämlichen Formation zu zählen hat. Die Nachforschungen welche jetzt von Prof. Johnstrup und seinem Assistenten, dem Cand. Geisler, vorgenommen werden sollen, werden, hoffen wir, ferneres Licht auf die Beschaffenheit dieser Ablagerungen werfen. Die Fauna der Inseln, insofern man die Wirbelthiere berücksichtigt, war zu Anfang dieses Jahrhunderts bereits ziemlich gut bekannt, wie man aus Landts im Jahr 1800 veröffentlichter „Beskrivelse over Faröerne“ ersehen kann. Die einzigen wilden Säugethiere welche im Innern der Inseln wohnen, sind einige Arten der Gattung Mus, die den Schritten des Menschen überallhin folgen. Die Küsten der Färöer werden aber auch von einer großen Anzahl Floßfüßler und Walen (Pinnipedia und Cetacea) besucht, aus deren Fang die Bewohner alljährlich guten Nutzen ziehen. Die Vögel — solche sowohl welche ihre Wohnorte auf den Felsen von Store und Klein-Dimon haben, als solche der übrigen Inseln — sind von Graba, die auf Island vorkommenden von Faber bekannt gemacht worden. Spätere Veröffentlichungen, besonders von schwedischen Schriftstellern, haben, wie bekannt, viel Licht auf die Naturgeschichte dieser Bewohner des Nordens geworfen. Reptilien und Amphibien kommen überhaupt auf den Färöer nicht vor; Fische verschiedener Arten aber zeigen sich an den Küsten und steigen in beträchtlicher Anzahl die Flüsse hinauf. Sie sind von Sysselman Müller aus Torschave, der ein Verzeichnis und Proben aller ihm bekannten Arten an die Kopenhagener zoologischen Museen gesandt hat, gesammelt worden. Die niedrigeren Thiere sind weniger bekannt; wir haben Verzeichnisse von Echinodermen (Seeigeln) und Mollusken, durch Lütken und Mörch, und wissen einiges über die Würmer aus den von Prof. Oskar Schmidt unternommenen Forschungen, welcher kurze Zeit die Färöer besuchte. Ich selbst hoffe mittelst des Schleppnetzes weitere Kunde über die niedrigen Thiere an den Küsten der Inseln gewinnen zu können, und werde, während ich mich mit dem Sammeln der Fische für das Münchener Museum beschäftige, meine Forschungen über die Naturgeschichte ihrer Parasiten fortsetzen. Die Expedition wird Kopenhagen in den ersten Tagen Septembers verlassen, und ist vielleicht, wenn sie von den Färöer zurückkehrt, im Stande einem schottischen Hafen einen Besuch abzustatten.