Expedition nach den Faröern

Globus 1872 (22), Seite 256 [FAB-3379]

Die dänisch-amerikanische Dampfergesellschaft hat zur Untersuchung der Kohlenfelder der Färöer eine Expedition abgesandt, bei welcher auch der Naturforscher Dr. R. v. Willemoes-Suhm betheiligt ist. Die Kohlen liegen im Norden von Süderöe und sollen, wenn sie sich als gut erweisen, nach Kopenhagen verschifft werden. Neben den Handelszwecken verfolgt diese Expedition, wie Dr. Willemoes schreibt, auch wissenschaftliche Zwecke. Er selbst wird der Zoologie seine Aufmerksamkeit widmen, während Professor Johnstrup die geologischen Verhältnisse der wenig untersuchten Inseln erforschen will. Was man bisher über die letzteren wußte, veröffentlichte 1828 Forchhammer in den Abhandlungen der dänischen Gesellschaft der Wissenschaften. Die Felsen der Färöer sind größtentheils vulcanischen Ursprungs, Dolorit-Porphyr wird in großen Mengen auf allen Inseln gefunden. Kohlen wies man bisher auf Süderöe und den kleinen Inseln Myggenäs und Tindholm nach. Zu welcher Formation diese Kohlen aber gehören, ist bisher noch nicht festgestellt worden, da man noch keine Versteinerungen in denselben aufgefunden hat; da aber die Kohlen von Grönland und Island nach den darin enthaltenen Fossilien zur miocenen Tertiärperiode gehören, so ist dies wahrscheinlich auch auf den Färöern der Fall, und wir hätten es demgemäß mit Braunkohlen zu thun.

Was die Fauna anbetrifft, so sind die Wirbelthiere der Inseln durch das 1800 erschienene Werk Landt’s: „Beskrivelse over Faeröerne“ ziemlich genau bekannt. Die einzigen wilden Säugethiere, welche die Eilande bewohnen, sind einige Mäuse, die ja dem Menschen überallhin folgen. Pinnipedia und Cetacea kommen im Meere und an den Küsten in großen Mengen vor und werden von den Einwohnern gefangen. Die Vögel sind von Graba beschrieben worden. Reptilien und Amphibien kommen auf den Färöern nicht vor; eine Liste der zahlreichen im Meere lebenden und in die Flüsse aufsteigenden Fische hat Sysselman Müller in Thorshavn veröffentlicht. Die niederen Thiere sind aber weniger gut bekannt; Lütken und Mörch sammelten die Echinodermen und Mollusken, unser Landsmann Oscar Schmidt, der auf den Färöern war, beschrieb die Würmer. Es bleibt also gerade auf dem Gebiete der niederen Thiere noch eine reiche Ausbeute für Dr. v. Willemoes -Suhm übrig, der auch den Auftrag hat, die Fische der Färöer für das Münchener Museum zu sammeln.